27.6. | A Beautiful Day

18.00/20.30

Joe (Joaquin Phoenix) ist Ex-Söldner und Ex-FBI-Agent. In seinem dritten Berufsleben nun hat er sich darauf spezialisiert, minderjährige Entführungsopfer aus den Fängen ihrer Peiniger zu befreien. Immer wieder kämpft er so gegen die Urszene seines Lebens an, den Missbrauch durch den eigenen Vater. Joes nächster Auftrag lautet, Nina, die minderjährige Tochter eines New Yorker Senators, aus einem Bordell herauszuholen, in dem die Halbwüchsige von einem Pädophilen-Ring gefangen gehalten wird. Joe macht sich routiniert ans Werk und alles scheint zu gelingen. Doch dann wird er statt von Ninas Vater von einem Killerkommando in Empfang genommen. Ein politisches Komplott erwartet ihn, in dem Skrupel nicht auf der Tagesordnung stehen. Joaquin Phoenix erhielt für seine Darstellung auf dem Filmfestival in Cannes 2017 den Preis als bester Schauspieler. Die schottische Independent-Regisseurin Lynne Ramsay hatte beim Schreiben des Rache-Thrillers wohl bereits Phoenix vor Augen – sie erhielt in Cannes den Drehbuch-Preis. Der brutale Selbstjustiz-Feldzug eines traumatisierten Veteranen erinnert an Martin Scorseses Kino-Klassiker „Taxi Driver“, entwickelt aber doch eine ganz eigene Handschrift. Ramsay ist ein Film gelungen, der soghafte Bilder setzt und den Zuschauer sinnlich überwältigt. Und als besonders erfreulich dürften es viele empfinden, dass der Film bei Joes brutalem Tötungshandwerk und bei dem schweren Thema Kindesmissbrauch ungewöhnlich diskret zu Werke geht. Ein brillanter Psycho-Thriller mit Tiefgang.

Großbritannien/USA 2017, Regie: Lynne Ramsay, Darsteller: Joaquin Phoenix, Ekaterina Samsonov, John Doman, ab 16, 90 min

20.6. | Der Geschmack von Zement

18.00/20.30

15 Jahre lang hatte der Libanon unter Krieg und Bürgerkrieg zu leiden. 2006 wurde vor allem die Hauptstadt Beirut durch die Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel massiv zerstört. Im Wiederaufbau sind es unter anderem syrische Flüchtlinge, die sich als Bauarbeiter verdingen und riesige Wolkenkratzer in die Höhe ziehen, während ihre eigenen Häuser zuhause in Syrien von Bomben in Schutt und Asche gelegt werden. Die Arbeiter dürfen die Baustellen niemals verlassen. Sie leben, kochen und schlafen in den Kellerräumen der Rohbauten. Der Regisseur Ziad Kalthoum war Soldat, ließ die Schlachtfelder des syrischen Bürgerkrieges aber hinter sich und ersetzt das Gewehr durch die Kamera. Seine anspruchsvolle Dokumentation ist nicht unbedingt massenkompatibel. Es gibt keine klassische Dramaturgie in Form einer klar abgegrenzten Handlung. Typisch für Kalthoums Portrait der syrischen Flüchtlinge ist die oftmalige Trennung zwischen Bildern und Stimmen, es fehlt oft an direkten Bezügen zwischen dem, was man sieht und dem, was man hört. Das ist erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich darauf einlässt, ist die Wirkung enorm. Kalthoum präsentiert ein tiefgründiges wie eindringliches Gleichnis von Krieg, Zerstörung und Neubeginn. Die Arbeiter bauen ein Land wieder auf, während gleichzeitig ihr eigenes dem Erdboden gleich gemacht wird. Irgendwann in diesem Film verschmelzen die Bilder und Töne der Zerstörung mit denen des Neuanfangs. In diesen Szenen wird der Irrsinn von Krieg und Gewalt besonders deutlich – die Unfähigkeit des Menschen die Welt friedlich zu gestalten.

Deutschland/Libanon/Syrien 2017, Regie: Ziad Kalthoum, Dokumentation, ab 12, 85 min

13.6. | Kurz-Film-Tour

18.00/20.30

In Verbindung mit der AG Kurzfilm und der Stadtbildstelle Bremerhaven präsentieren wir eine Auswahl der preisgekrönten bzw. nominierten Beiträge für den Deutschen Kurzfilmpreis 2017. Sechs der 13 beteiligten Filme bringen wir auf die Leinwand. Lea Becker, die Regisseurin des Films „Jenny“, und Franziska Kache von der AG Kurzfilm werden das Programm begleiten.

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Pix

Das Leben eines Jungen im Schnelldurchlauf am Beispiel von Foto-Schnappschüssen. Baby-Fotos, Einschulungsbilder; Urlaubsaufnahmen, Hochzeitsfotos. Der Junge selbst bleibt Statist, während um ihn herum sein Leben als Kulisse auf- und wieder abgebaut wird. Deutschland 2017, Regie: Sophie Linnenbaum, Spielfilm, ohne Dialog, ohne Altersbeschränkung, 9 min

 

Kleinheim

Für die Bewohner Kleinheims endet der Horizont bei den hohen Maisfeldern an der Dorfgrenze. Alles, was sie zum Leben brauchen, fällt vom Himmel. Das bedeutet: Idyllische Ruhe, aber auch absoluten Stillstand.

Deutschland 2017,  Regie: Michael Ciesielski, Spielfilm, ohne Altersbeschränkung, 9 min

 

Blind Audition

Ari und Ron sind Violinisten und seit einigen Jahren ein Paar. Als beide die Endauswahl für die Solistenstelle eines Orchesters erreichen, geraten sie in direkte Konkurrenz.

Deutschland 2017, Regie: Andreas Kessler, Spielfilm, ohne Altersbeschränkung, 18 min

 

Schwarze Welle

Ein schiffbrüchiger Afrikaner gerät in die Obhut von Frau Ausweis, einer uniformierten Meerjungfrau, die im Beobachtungsposten auf hoher See Wache schiebt. Die Grenzbeamtin bringt den Flüchtling auf eine Insel, von der er später mit all den anderen Schicksalsgenossen wieder ins Meer zurückgespült wird. Vielleicht nach Europa, vielleicht auch nicht.

Deutschland 2016, Regie: Mariola Brillowska, Animationsfilm, ohne Altersbeschränkung, 13 min

 

The Last Tape

Der 88-jährige Veteran Anatoly hat seinem Enkel, dem 18-jährigen Artiom, alles über das Leben als Soldat beigebracht. Doch einen Tag, bevor Artiom als Freiwilliger in den Krieg ziehen will, ist sich Anatoly plötzlich nicht mehr sicher, ob er ihn wirklich gehen lassen soll.

Deutschland 2017, Regie: Cyprien Clement-Delmas, Igor Kosenko, Dokumentarfilm, ukrainisch, dt/engl. Untertitel, ohne Altersbeschränkung, 12 min

 

Jenny

Jenny ist 15, ihr Leben besteht aus Rumhängen, Schule und bester Freundin – bis sie sich in den neuen Mitschüler Boris verliebt. Bei einer Party kommen sie sich näher, unerfahren und überrumpelt lässt Jenny es geschehen. Weil Boris sie danach einfach stehen lässt, sehnt sie sich erst recht nach seiner Zuneigung und trifft ihn erneut. Als er sie wieder bedrängt, kommt es zu einem Unfall. Ein Film über Jugendliche, die früh erwachsen sein wollen und dafür einen hohen Preis zahlen.

Deutschland 2017, Regie: Lea Becker, Spielfilm, ab 12, 30 min

9.6. | Lange Nacht der Kultur

18.00 und 18.30 :  Führung durch das CineMotion (begrenzt auf sechs Teilnehmer)

19.00  /  20.00  /  21.00 :   Kurzfilmprogramm

6.6. | Stronger

18.00/20.30

Im April 2013 explodierten zwei Bomben im Zielbereich des berühmten Boston-Marathons. Drei Menschen starben, hunderte wurden zum Teil schwer verletzt. Die tagelange und schließlich erfolgreiche Jagd auf die Täter war wenig später das Hauptthema des Films „Patriot Day“. Der Titel deutet bereits an, worum es hier hauptsächlich ging, nämlich die Verhaftung der Terroristen als patriotischen Erfolg zu feiern. Der Regisseur David Gordon Green geht in seinem Film „Stronger“ einen ganz anderen Weg. Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal) steht an der Ziellinie des Marathons und verliert durch den Anschlag beide Beine. Er kann jedoch einen der Attentäter identifizieren und das macht ihn von einem Tag auf den anderen zum Nationalhelden. Das Problem dabei: Jeff verabscheut es, ein solcher zu sein. Er verkörpert überhaupt das absolute Gegenprogramm eines Helden. Seinen Job als Verkäufer in einem Großhandelsunternehmen füllt er maximal mittelmäßig aus und seine Freizeit verbringt er in seiner Stammkneipe mit den immer gleichen Kumpels bei immer gleichen Diskussionen über das lokale Baseball-Team Boston Red Sox, das für typische bostonians ein Teil ihrer DNA ist. Das Licht der patriotisierten Öffentlichkeit ist Jeff extrem unangenehm, zum Beispiel wenn er vor großen Sportereignissen mit der US-Flagge in der Hand in seinem Rollstuhl in die Arena geschoben wird, um eine Stärke zu suggerieren, die er gar nicht besitzt. Wie Jeff Bauman mit diesem Zwiespalt umgeht, mit der Diskrepanz zwischen seiner nun öffentlichen Person und seinen inneren Gefühlen, davon erzählt David Gordon Green in seinem zurückhaltenden und nachdenklichen Film. Beeindruckend.

USA 2017, Regie: David Gordon Green, Darsteller: Jake Gyllenhaal, Tatiana Maslany, Miranda Richardson, ab 12, 119 min