1.2. | Blood Simple- Director’s Cut

18.00/20.30

Der reiche texanische Barbesitzer Marty ist sich sicher: Seine Frau Abby betrügt ihn, und das mit seinem eigenen Barkeeper Ray. Er heuert den schmierigen Privatdetektiv Visser an, der die beiden ertappen und dann ermorden soll. Doch der Plan erweist sich als Eigentor. Visser kassiert zwar das Geld, bringt dann jedoch statt der beiden seinen Auftraggeber um die Ecke. Alle Spuren führen nun zu Abby und Ray, die sich durch eine Verkettung von Missverständnissen alsbald gegenseitig verdächtigen. Die bitterböse und wild verschlungene Film-Noir-Groteske ist das gefeierte Erstlingswerk der Brüder Joel und Ethan Coen („Fargo“) aus dem Jahre 1984. Das Low-Budget-Debüt des Regie-Duos besticht durch ein wendungsreiches Drehbuch, eindrucksvolle Bilder und eine atmosphärisch dichte Musik. Der vor pechschwarzem Humor nur so triefende Film genießt seit langem Kultstatus. Wir präsentieren den um vier Minuten verkürzten Director’s Cut aus dem Jahre 1998.

USA 1998, Regie: Joel und Ethan Coen, Darsteller: John Getz, Frances McDormand, Dan Hedaya, 95 min

8.2. | Verlorene Illusionen

18.00/20.30

Das kleine französische Städtchen Angouleme des Jahres 1820 ist für den angehenden Dichter Lucien de Rubempre (Benjamin Voisin) kein gutes Pflaster. Mit seiner Dichtkunst groß herauskommen kann er nur in Paris. Mit seiner Geliebten, der Kunstmäzenin Louise de Bargeton (Cecile de France) zieht er in die pulsierende Metropole. Die Adelige führt ihn ein in die einflussreichen Kreise der Hauptstadt, lässt ihn jedoch alsbald wieder fallen, als die ungeschliffenen Manieren ihres kleinbürgerlichen Lovers ihren gesellschaftlichen Status gefährden. Einfach aufgeben ist für Lucien jedoch keine Option. Durch den Redakteur Etienne Lousteau (Vincent Lacoste) lernt er die Spielregeln des Pariser Journalismus kennen. Schnell entwickelt er sich zu einem ebenso geistreichen wie boshaften Schreiber. Der Regisseur Xavier Giannoli nimmt sich in seinem Film den Roman „Ein großer Mann aus der Provinz in Paris“ von Honore de Balzac zur Grundlage. Giannoli skizziert in präzisen Strichen die Goldgräberstimmung der nach-napoleonischen Epoche. Stürmische Modernisierung geht einher mit dem ständigen Kampf zwischen aristokratischen Royalisten und den neureichen bürgerlichen Emporkömmlingen. Zu denen gehört letztlich auch Lucien, der mit seinen hämischen und bissigen Artikeln die Regierung verspottet – und doch Eingang finden will in die adligen Salons. Auch der Kunstbetrieb wird von einer gewissen Wildweststimmung beherrscht. Boulevardtheater müssen Schutzgeld an potentielle Eierwerfer bezahlen und Erpressung durch angedrohte Verrisse in den Zeitungen ist übliche Praxis. In dieser Schlangengrube bewegt sich Lucien mit seinen Artikeln, kommt sich dabei königlich vor und ist doch nur eine Marionette im großen Spiel um Macht und Einfluss. Ein tragischer Ikarus, der seinen Traum Schriftsteller zu werden nicht begraben kann, aber seine Künstlerseele längst dem Teufel verkauft hat.

Frankreich 2021, Regie: Xavier Giannoli, Darsteller: Benjamin Voisin, Cecile de France, Vincent Lacoste, 149 min

15.2. | Aftersun

18.00/20.30

Die elfjährige Sophie (Frankie Corio) und ihr Vater Calum (Paul Mescal) verbringen Ende der 1990er Jahre ihren Urlaub in einem türkischen Badeort. Die Tage vergehen ohne große Ereignisse. Strand, ein kleiner Amüsierpark, ein Billardtisch und abends Restaurant und Disco. Jeden ihrer Schritte und Ausflüge filmt Sophie mit ihrem neuen Camcorder. Ganz selbstverständlich verbringen Vater und Tochter die Urlaubstage miteinander und doch kennen sie sich nicht wirklich. Calum schleppt quälende Geheimnisse mit sich herum, die er seiner Tochter nicht zeigen kann und nicht zeigen will. Es gibt ein paar Andeutungen, wie sehr er unter der Last des Lebens leidet, mehr nicht. Zwanzig Jahre später, als lange erwachsene Frau, erinnert sich Sophie an diesen letzten Urlaub mit ihrem Vater und versucht, den Mann, den sie kannte mit dem, dessen Qualen sie nicht kannte zu versöhnen. Langfilm-Debüt der britischen Regisseurin Charlotte Wells, die mit feinstem Fingerspitzengefühl das Porträt einer Vater-Tochter-Beziehung entfaltet.

Großbritannien 2022, Regie: Charlotte Wells, Darsteller: Frankie Corio, Paul Mescal, Celia Rowlson-Hall, ab 12 , 102 min

22.2. | Ennio Morricone

18.00/20.30

Ennio Morricone, einer der allergrößten Filmkomponisten der Kinogeschichte. Vor zwei Jahren starb dieser begnadete Tonkünstler. Der Regisseur Giuseppe Tornatore setzt ihm nun mit „Ennio Morricone – Der Maestro“ ein filmisches Denkmal. Eine Kaskade der Klänge, Bilder und Erinnerungen ist dabei herausgekommen. Die Liste der Zeugen, die Morricones Legende beglaubigen, ist lang. Sie umfasst Regisseure wie Bernardo Bertolucci und Quentin Tarantino, den Schauspieler Clint Eastwood, die Sängerin Joan Baez und Bewunderer wie Bruce Springsteen. Tornatore will nichts auslassen, das entscheidend und bezeichnend ist im Leben dieses Ausnahmekünstlers. Entsprechend atemlos ist das Tempo seines Films. Gesprächspartner geben selten mehr als einen Satz von sich. Die Musikstücke werden nur angespielt, aber das reicht, die Melodien rauschen vorüber und bleiben doch hängen. Ganz besonders gilt das für die weltberühmte Melodie in „Spiel mir das Lied vom Tod“. Bernardo Bertolucci sagt dazu nur: „Diese Musik hörten wir für den Rest unseres Lebens“.

Italien 2020, Regie: Giuseppe Tornatore, Dokumentation, ab 12, 150 min