25.4. | The Florida Project

18.00/20.30

Der amerikanische Traum liegt direkt vor ihrer Haustür. Nur wenige Meilen entfernt von Disney World in Orlando/Florida lebt die sechsjährige Mooney (Brooklynn Prince) mit ihrer Mutter Halley (Bria Vinaite). Sie hausen in dem heruntergekommenen Motel „Magic Castle“, an dem nur der Name etwas positives ausstrahlt. Trotzdem muss Halley jede Woche 38 Dollar für ihr schäbiges Zimmer aufbringen. Das gelingt nicht immer auf legale Weise, denn die junge Frau hat kein festes Einkommen. Trotz aller Schwierigkeiten versucht sie mit aller Macht, ihrer Tochter Mooney eine gute Mutter zu sein. Die Sechsjährige wiederum lebt gut gelaunt und unbefangen in ihrer bunten und chaotischen Welt. Kinder lassen sich ihre Unbeschwertheit auch bei prekären Lebensumständen nicht so leicht nehmen. Diesen Blick auf die Welt nimmt auch der Regisseur Sean Baker ein. Er erzählt seine Geschichte aus der Sicht des Kindes, folgt Mooney in ihrem letzten Sommer, bevor für sie die Schule beginnt. In der US-Gesellschaft ist das Konzept des Versagens nicht vorgesehen. Wer scheitert, ist nach landläufiger Meinung selber schuld. Eine finanzielle Absicherung für junge Mütter gibt es nicht. Regisseur Baker verzichtet dennoch auf Erklärungen und plakative Anklagen und macht sein Sozialdrama dadurch umso eindrucksvoller: „Ich wollte keinen Film machen, der in Tristesse versinkt, sondern Lebensmut verbreitet. Ich wollte fröhlichen Realismus.“ Ein raffinierter Kommentar zur sozialen Lage in den USA – dazu mit einem wunderbaren Willem Dafoe in der Rolle des gutmütigen und zugleich wachsamen Motelmanagers Bobby.

USA  2017, Regie: Sean Baker, Darsteller: Brooklynn Prince, Bria Vinaite, Willem Dafoe, ab 12, 115 min

18.4. | Loveless

18.00/20.30

Zhenya (Marjana Spiwak) und Boris (Alexej Rosin) sind in einer völlig zerrütteten Beziehung gefangen. Sie lieben sich nicht mehr, haben sich vielleicht nie geliebt. Beide sind bereits mit neuen Partnern liiert und kämpfen um die Scheidung. Und da ist da noch ihr zwölfjähriger Sohn Aljoscha (Matwej Nowikow). Aljoscha war von Anfang an ein ungewolltes und ungeliebtes Kind und das lassen ihn Zhenya und Boris auch tagtäglich spüren. Seinen auf dem Absprung befindlichen Eltern ist er einfach nur noch im Weg. Das Sorgerecht für ihn will keiner der beiden übernehmen, er soll in ein Internat abgeschoben werden. Nach einem weiteren heftigen Streit seiner Eltern ist Aljoscha am nächsten Tag auf einmal verschwunden. Die Polizei wird eingeschaltet, Nachbarn suchen ihn, auch Zhenya und Boris, die jetzt doch das schlechte Gewissen packt. Doch jede noch so kleine Spur läuft ins Leere und verdeutlicht letzten Endes nur, wie wenig die Eltern über ihr Kind eigentlich wissen. Der Regisseur Andrej Swjaginzew (bekannt geworden durch seinen Film „Leviathan“) schildert in „Loveless“ die Geschichte einer emotionalen Vergletscherung. Sein kompromissloses Beziehungsdrama erzählt davon, wie sich einmal erlittene Lieblosigkeit immer weiter fortsetzt. Die gezeigte Verwahrlosung und Rücksichtslosigkeit lässt den Zuschauer erschüttert zurück. Und man muss leider annehmen, dass Aljoschas Schicksal im heutigen Russland keine Ausnahme ist.

Russland 2017, Regie: Andrej Swjaginzew, Darsteller: Alexej Rosin, Marjana Spiwak, Matwej Nowikow, ab 16, 127 min

 

11.4. | Grace Jones – Das Leben einer Ikone

18.00/20.30
Amazing Grace nennen ihre Fans die aus Jamaika stammende Grace Jones, die in den 1970er Jahren als Model, Sexsymbol, Sängerin und Diva bekannt wurde. Schon diese Aufzählung legt die Frage nahe: Wer ist diese Frau eigentlich? Spielt sie bei ihren exzentrischen Auftritten nur eine Rolle und wenn ja, welche? Grace Jones blieb während ihrer gesamten Karriere immer auch ein Rätsel. Die Regisseurin Sophie Fiennes nähert sich in ihrer Dokumentation diesen Fragen sehr zurückhaltend. Sie beobachtet nur und kommentiert nie. Deutlich wird allerdings, dass Jones der irischen Filmemacherin offensichtlich zutiefst vertraut hat. Nicht nur in Hotelsuiten in aller Welt wird Fiennes eingeladen, auch in die jamaikanische Heimat der Sängerin, emotionale Ausbrüche der Hauptperson inbegriffen. Doch auch in den sehr persönlichen und intimen Momenten wird der Film nie voyeuristisch, sondern bewahrt sich stets eine gewisse Distanz zu der extravaganten Künstlerin. Kommt Sophie Fiennes der Ikone Grace Jones am Ende wirklich nahe? Es bleibt viel Raum für Spekulation und eine eindeutige Antwort auf die Frage, wer Grace Jones ist, darf man nicht erwarten. Aber genau das macht den Film so vielschichtig und eindrucksvoll.
Irland/Großbritannien 2017, Regie: Sophie Fiennes, Dokumentation, ohne Altersbeschränkung, 115 min

 

4.4. | Weit – Die Geschichte von einem Weg um die Welt

18.00/20.30

Freiburg im Frühling 2013. Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser packen ihre Rucksäcke und ziehen los, Richtung Osten. Ihr Ziel ist nichts weniger als eine komplette Weltumrundung. Auf Schusters Rappen oder per Anhalter. Bus, Eisenbahn und Schiff sind auch erlaubt, Fliegen ist tabu. Auch sollen nicht mehr als fünf Euro pro Tag ausgegeben werden. Jeden Meter mit allen Sinnen wahrnehmen, den Verzicht zu lernen, aber auch den Genuss, das ist das Ziel. Und natürlich der unmittelbare Kontakt mit den Menschen, die ihnen auf ihrer Weltreise begegnen. Über Georgien, Pakistan und China geht es nach Japan. Ein Frachtschiff bringt die beiden von dort nach Mittelamerika. Nach der anschließenden Schiffspassage von Costa Rica nach Spanien spüren Patrick und Gwendolin wieder europäischen Boden unter ihren Füßen – und vollenden ihre Weltumrundung mit einem 1200 Kilometer langen Fußmarsch bis vor ihre Haustür in Freiburg. Drei Jahre und 110 Tage dauert die Reise und die Kamera ist immer dabei. Den Zuschauer erwarten sehr professionelle Aufnahmen, denn, welch ein Glücksfall für diesen Film, Patrick Allgaier ist von Beruf Kameramann. Er versteht es, immer dicht dran zu sein an den Mitmenschen und der Natur. Viel schöner kann man nicht Lust machen auf das Reisen und auf das Entdecken der Welt – ein Film wie eine gelebte Völkerverständigung.

PS: Patrick und Gwendolin kehrten zu dritt in ihre Heimat zurück. Im Mai 2015 erblickte der kleine Bruno in Mexiko das Licht der Welt, was die Bedingungen der Reise geringfügig veränderte….

Deutschland 2017, Regie und Darsteller: Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser, Dokumentation, ohne Altersbeschränkung, 120 min