28.6. | Jahrhundertfrauen

18.00/20.30

jahrhundertfrauenEins gleich vorweg: Der Filmtitel führt ein wenig in die Irre. Es geht keineswegs um berühmte und einflussreiche Politikerinnen oder Wissenschaftlerinnen, die dem 20.Jahrhundert ihren Stempel aufgedrückt haben. Die drei Hauptdarstellerinnen sind ganz normale Frauen, wohnhaft in einem schönen Altbau im kalifornischen Santa Barbara. Die 55jährige Dorothea (Annette Bening) ist alleinerziehende Mutter des 15jährigen Jamie (Lucas Jade Zumann). Nun schreiben wir das Jahr 1979, ein Zeitalter des gesellschaftlichen Aufbruchs. Und da hält es Dorothea für eine ausgezeichnete Idee, ihre Mitbewohnerinnen Abbie (Greta Gerwig) und Julie (Elle Fanning) als weitere Erziehungsberechtigte für ihren pubertierenden Sprössling zu engagieren. Abbie und Julie zählen 24 bzw. 17 Lenze und entsprechend sehen ihre Methoden aus, den 15jährigen zu einem modernen Mann zu formen. Der Regisseur Mike Mills entwickelt in „Jahrhundertfrauen“ Szenen voller Komik und Tragik, voller Zärtlichkeit und Melancholie. Erziehung kann ein schweres Filmthema sein, aber Mills serviert seine Geschichte wunderbar locker und dabei äußerst inhaltsstark. So ist es halt, das Leben. Oder auch ganz anders. Übrigens kommt auch noch ein Mann vor, aber William (Billy Crudup) taugt nicht als Rollenvorbild für den jungen Jamie, der fernöstlichen Meditationstechniken Zugewandte langweilt den lebenslustigen Nachwuchs nur…

USA 2016, Regie: Mike Mills, Darsteller: Annette Bening, Greta Gerwig, Elle Fanning, ohne Altersbeschränkung, 119 min

21.6. | Gimme Danger

18.00/20.30

gimme-dangerEnde der 1960er Jahre schlug die US-Band The Stooges wie eine Bombe in die Musiklandschaft ein. Mit ihrer Mischung aus Rock, Blues und Free Jazz legte die Gruppe aus Ann Arbor, Michigan, den Grundstein für das, was später als Punkrock bekannt werden sollte. Jim Jarmuschs Dokumentation über die Stooges blättert die Geschichte der Band auf, von ihren Anfängen 1967 über die Trennung 1973 bis zur Wiedervereinigung im Jahre 2002. Vor allem aber ist „Gimme Danger“ eine Hommage an den Frontmann der Band, Jim Osterberg, besser bekannt als Iggy Pop. Der Film erzählt davon, wie Osterberg in einer Wohnwagen-Siedlung aufwuchs, über Aufstieg und Verfall der Stooges und auch über den intensiven Einfluss, den Iggy Pop auf die nachfolgende Musikergeneration ausübte. Unmengen an Originalaufnahmen und –fotos hat Jarmusch gesichtet. Entstanden ist eine Collage aus Videomitschnitten, zahlreichen Archivfotos und Interviewschnipseln von Bandmitgliedern und Weggefährten. Immer dabei Iggy Pop, der, tatsächlich auch mit Oberbekleidung, von seinen wildesten Jahren erzählt. Ein wenig zu kurz kommt das Innenleben der Künstler. Woher kam ihre Liebe zur Musik, was trieb sie an? Das bleibt etwas unklar. Vieles in der Karriere von Iggy Pop und seinen Mitstreitern wirkte eher zufällig, aber – vielleicht war es das einfach auch. Es gibt nicht für alles tiefsinnige Erklärungen. Möglicherweise hätte Iggy P. bei einer derartigen Frage nach Sinn und Zweck und Motivation ganz einfach geantwortet: „Was für ein Sinn? Wir hatten einfach Bock, die Sau rauszulassen.“ Auf jeden Fall gilt: Eine gelungene Dokumentation über eine Band, die schon Punk machte, als es noch gar keinen Punk gab.

USA 2016, Regie: Jim Jarmusch, Dokumentation, ohne Altersbeschränkung, 108 min

14.6. | Die Schlösser aus Sand

18.00/20.30

schloesser-aus-sand-dieEleonore und Samuel fahren für ein Wochenende ans Meer, in die Bretagne, in das Haus, in dem sie früher so glücklich waren. Aber jetzt sind die Umstände völlig andere. Es geht nicht um einen Kurzurlaub, sondern darum, das Haus zu verkaufen, das Haus, das Eleonores Vater gehört hat. Der ist kürzlich gestorben und Eleonore trägt schwer daran. Und Samuel und sie sind nach einer außerehelichen Affäre Eleonores auch kein Paar mehr. So kommt alles zusammen, der geliebte Vater ist nicht mehr da, das Haus bald auch nicht mehr und die eheliche Beziehung ebenso zuende. Dabei empfinden Eleonore und Samuel nach wie vor viel füreinander. Da ist noch so viel Vertrautheit und Anziehungskraft zwischen den beiden, dass Samuels neue Lebensgefährtin vollkommen zurecht eifersüchtig ist. Eigentlich bedauern die beiden, sich nach dem verhängnisvollen Seitensprung so schnell getrennt zu haben. Und nun können sie nicht ohne einander und nicht miteinander. Der Regisseur Olivier Jahan präsentiert diese Lebenssituation wie in einem Kammerspiel, fast der gesamte Film spielt in und an dem Haus an der bretonischen Küste. Eine romantisch-melancholische Komödie über eine Liebe, die beendet ist und doch fortbesteht.

Frankreich 2015, Regie: Olivier Jahan, Darsteller: Emma de Caunes, Yannick Renier, ab 12, 102 min

10.6. | Lange Nacht der Kultur

18:00 / 18:30, 19:00, 19:30 / 20:30

Lange Nacht18:00 Uhr FILM-QUIZ
Der bekannte Musiker und Komponist Guido Solarek wird
live am Klavier die unterschiedlichsten Filmmusiken
anspielen. Wer zuerst richtig rät, um welchen Film es
geht, gewinnt. Eintrittskarten, Filmplakate u.v.m. sind in
der Tombola.

18:30 | 19:00 | 19:30 Uhr „Jolly Roger“
Der englische Animations-Kurzfilm „Jolly Roger“ von 1998
(11 min) wird live vertont: Rücksichtslose Piraten plündern
und zerstören. Eine weibliche Gefangene will Rache, koste es, was es wolle… Guido Solarek wird diesen Film mit zwei weiteren
Musikern und „geprobten Improvisationen“ begleiten und den spannenden
Versuch präsentieren, wie durch den Einfluss von unterschiedlicher Filmmusik die
Wirkung der Bilder verändert werden kann.

20:30 Uhr „Goldener Pinguin“
Die Gewinnerfilme des Wettbewerbs / Schülerfilmfests „Goldener Pinguin 2016“
werden gezeigt und von den Machern, jungen Bremerhavener Talenten,
persönlich vorgestellt.

7.6. | Verleugnung

18.00/20.30

VerleugnungUm eine ganz besondere Art der Verleugnung geht es in diesem Film, nämlich um die Leugnung des Holocausts. Der britische Publizist David Irving hat sich über die Jahrzehnte auf diesem Gebiet bekanntermaßen besonders hervorgetan. In ihrem Buch „Denying the Holocaust“ bezeichnete ihn die US-Historikerin Deborah Lipstadt denn auch als „authentischen Holocaust-Leugner“. Irving fühlte sich dadurch verunglimpft und strengte Ende der 1990er Jahre einen Prozess gegen Lipstadt an. Die Amerikanerin sah sich nun gezwungen vor Gericht zu beweisen, dass der Völkermord an den europäischen Juden tatsächlich stattgefunden hat. Regisseur Mick Jackson konzentriert sich in seiner Prozess-Verfilmung auf die Auseinandersetzung zwischen den Anwälten Lipstadts, Anthony Julius (Andrew Scott) und Richard Rampton (Tom Wilkinson), auf der einen und David Irving (Timothy Spall) auf der anderen Seite. Die Kontrahenten präsentieren eindrucksvoll, was sie im rhetorischen Nahkampf so alles zu bieten haben. Mick Jacksons Film bringt inhaltlich eigentlich nichts neues, David Irving und seine Sicht auf die Welt sind seit langem bekannt. Ungeahnte Aktualität gewinnt das Werk jedoch durch das Phänomen der sogenannten fake news mit dem US-Präsidenten Donald Trump im Mittelpunkt. Wer schafft es am besten, die Weltöffentlichkeit von seiner Sicht der Dinge zu überzeugen und sei es mit morgendlichen Twitter-Kurzdepeschen? Überraschend oder gar neu sind diese Versuche der Meinungsbildung allerdings nicht. Seit Menschengedenken geschieht in der großen und kleinen Politik nichts anderes – wenn vielleicht auch nicht mit einem 140-Zeichen-Gezwitscher vom Küchentisch.

USA/Großbritannien 2016, Regie: Mick Jackson, Darsteller: Timothy Spall, Rachel Weisz, Tom Wilkinson, ab 12, 111 min