26.6. | Once Again – Eine Liebe in Mumbai

18.00/20.30

Vielleicht geht Liebe ja doch durch den Magen. Zumindest in diesem Film deutet einiges darauf hin. Der einsame indische Filmstar Amar (Neeraj Kabi) lässt sich seit geraumer Zeit von der Restaurantbetreiberin und Köchin Tara (Shefali Shah) mit Mahlzeiten beliefern. Gerne möchte er sie persönlich kennenlernen und nach mehreren langen Telefonaten verabreden sie sich schließlich. Behutsam begleitet der Film des Regisseurs Kanwal Sethi das Kennenlernen der beiden. Die zarte Romanze wird jedoch von Anfang an durch große Probleme belastet. Die Standesunterschiede zwischen Filmstar und Köchin sind immens. Das ist nicht nur für die beiden Hauptpersonen eine Gratwanderung, sondern interessiert auch die Öffentlichkeit, die sich in Gestalt zahlreicher Paparazzi an die Fersen des Paares heftet. Der Film durchstreift dabei immer wieder das nächtlich erleuchtete Mumbai, subtil untermalt von klassischer indischer Musik. Den geradezu sinnlich gefilmten Szenen der Essenszubereitung gibt Regisseur Sethi ebenso großen Raum. Ein atmosphärisch dichter, oft melancholischer Film – bunter Bollywood-Kitsch sieht definitiv anders aus.

Indien 2018, Regie: Kanwal Sethi, Darsteller: Shefali Shah, Neeraj Kabi, ohne Altersbeschränkung, 98 min

19.6. | Das Ende der Wahrheit

18.00/20.30

Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) ist Experte für Zentralasien beim Bundesnachrichtendienst. Er spricht Farsi und andere Sprachen in der fiktiven Region Zahiristan. Er sorgt dafür, dass der BND vom Aufenthaltsort des Terroristen Jafar Al Bahadur erfährt. Die Informationen werden an die CIA weitergeleitet und innerhalb weniger Stunden wird der Islamist durch einen US-Drohnenangriff getötet. Auch Martins Freundin Aurice (Antje Traue) mischt auf ihre Weise in der Sache mit. Die investigative Journalistin stellt unangenehme Fragen und ist nah dran an einer Enthüllungsgeschichte. Da wird sie Opfer eines Anschlags auf ein Münchener Café – ein Vergeltungsschlag für die deutsche Beteiligung an der Tötung Al Bahadurs. Martin macht sich an die Aufklärung des Mordes an seiner Freundin, auch nachdem er aufgrund der nun ans Licht gekommenen Liebesbeziehung zu Aurice vom Dienst suspendiert worden ist. Mehrere hochrangige BND-Mitarbeiter drohen ihm ganz unverhohlen, besser die Finger von der Geschichte zu lassen. Ist Martin zu Beginn noch überzeugt von seinem Tun und seinem Arbeitgeber, kommen ihm immer mehr Zweifel, als seine Ermittlungen zwielichtige Verstrickungen seiner Vorgesetzten in illegalen Waffenhandel zu Tage fördern. Je mehr er das Spiel durchschaut, das diese Leute (auch mit ihm) spielen, desto enttäuschter, ja schockierter ist er von dem System, das vor kurzem noch sein Leben war. „Das Ende der Wahrheit“ erzählt von der Machtverteilung auf der Welt, von der Einmischung westlicher Staaten in das Schicksal von Ländern wie dem fiktiven Zahiristan, das symbolisch für eine Vielzahl realer Bezugsorte steht. Eine unbehagliche, ja beklemmende Stimmung durchzieht diesen Film von Anfang an. Der Regisseur Philipp Leinemann hat für seinen Politthriller ausführlich recherchiert ; er bringt mit seinem Film einen hochaktuellen Stoff auf die Leinwand, der es in sich hat.

Deutschland 2019, Regie: Philipp Leinemann, Darsteller: Ronald Zehrfeld, Claudia Michelsen, Axel Prahl, Alexander Fehling, ab 16, 105 min

12.6. | Stan & Ollie

18.00/20.30

Am Ende der 1930er Jahre befinden sich die Herren Stanley Laurel und Oliver Hardy auf dem Gipfelpunkt ihres Ruhms. Als Stan und Ollie (im deutschen Sprachraum mit dem unsäglichen Ausdruck Dick und Doof bedacht) bilden sie das berühmteste Komiker-Duo der Filmgeschichte. Anderthalb Jahrzehnte später ist von ihrem Ruhm kaum noch etwas übrig geblieben. 1953 versuchen die beiden alternden Komödianten noch einmal durchzustarten. Eine ausgedehnte England-Tournee mit viel Kontakt zu Publikum und Presse soll erneut die Wende zum Besseren bringen. Und tatsächlich, nach überschaubarem Beginn füllen sich allmählich die Theatersäle, in denen die zwei alten Recken auftreten. Der Regisseur John S. Baird nimmt den Zuschauer mit auf diese Reise und versucht dabei, die Menschen hinter den Kunstfiguren zu entdecken. Mit John C. Reilly (Ollie) und Steve Coogan (Stan) hat er zwei großartige Hauptdarsteller gefunden. Reilly und Coogan sind ihren Rollen-Vorbildern nicht nur äußerlich ähnlich (die Maskenbildnerei hat da hervorragendes geleistet). Man hat nicht das Gefühl, Schauspieler zu sehen, die so tun, als wären sie Laurel und Hardy. Es ist so, als würde man den beiden wirklich zusehen. „Stan & Ollie“ ist ein sehr unterhaltsamer Film geworden. Doch Regisseur Baird zeigt noch mehr; es geht auch um eine Freundschaft, in der schon mal dunkle Wolken aufzogen und die dennoch nicht zu zerstören war – und um zwei alte Männer, die es noch einmal wissen wollen.

Großbritannien 2018, Regie: John S. Baird, Darsteller: John C. Reilly, Steve Coogan, Nina Arianda, Shirley Henderson, ohne Altersbeschränkung, 98 min

5.6. | Atlas

18.00/20.30

In der griechischen Mythologie trägt der Titan Atlas zur Strafe das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Auch der menschliche Titan in David Nawraths Spielfilmdebüt schleppt vieles mit sich herum, körperlich und seelisch. Der 60-jährige Ex-Gewichtheber Walter (Rainer Bock) verdingt sich in Frankfurt am Main als Möbelpacker bei einer Firma, die sich auf Zwangsräumungen spezialisiert hat. Innerlich drückt ihn eine familiäre Schuld zu Boden. Nach einem heftigen Streit ließ er einst seinen Sohn Jan (Albrecht Schuch) im Stich, seit Jahrzehnten hat er ihn nicht mehr gesehen. Da öffnet sich die Tür zur nächsten Zwangsräumung – und Walter meint Jan zu erkennen. Zunächst wartet er ab, um dann doch vorsichtige Annäherungsversuche zu unternehmen. Regisseur Nawrath ist mit seinem Film ganz nah am Puls der Zeit. Vor allem in den Großstädten ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt besorgniserregend, die Mieten explodieren. „Atlas“ greift diese Problematik auf und verbindet sie mit dem persönlichen Schicksal des Möbelpackers. Der sonst meist in Nebenrollen zu sehende Rainer Bock verkörpert diesen schweigsamen, stoischen Zeitgenossen. Anfangs fällt ihm nur eine Beobachterrolle zu, aber seine persönliche Verwicklung bringt ihn zum Umdenken über seine Arbeit. Walter wird alle Last auf sich nehmen müssen, buchstäblich und im übertragenen Sinne. Ein bewegendes Familiendrama im Gewand eines hochaktuellen Immobilien-Thrillers.

Deutschland 2018, Regie: David Nawrath, Darsteller: Rainer Bock, Albrecht Schuch, Uwe Preuss, ab 12, 100 min