26.9. | Nico, 1988

18.00/20.30

Nico (Christa Päffgen) war das erste deutsche Supermodel, Sängerin bei Velvet Underground und Muse von Lou Reed und Andy Warhol. Die „Priesterin der Finsternis“, wie man sie nannte, fand nach jahrelangen Exzessen wieder zu sich und baute sich Ende der 1980er Jahre eine Solokarriere auf. Unter der Obhut ihres leidensfähigen Managers tourt sie mit einer zusammengewürfelten Band durch Europa. Der Neustart währt jedoch nur kurz, 1988 stirbt Nico mit erst 49 Jahren im Urlaub auf Ibiza. Der Film der Regisseurin Susanna Nicchiarelli beschränkt sich, von gelegentlichen Streiflichtern in die Vergangenheit abgesehen, auf diese beiden letzten Lebensjahre der Avantgarde-Künstlerin. Die dänische Schauspielerin Trine Dyrholm verkörpert dieses alternde „bad girl“, das im Restaurant herumpöbelt und schon mal ein Konzert kurzerhand abbricht, nur weil der Gitarrist daneben greift. Eine zugleich unsentimentale und mitfühlende Hommage an eine Musikerin, Mutter und Frau, die einst eine Ikone ihrer Generation war.

Italien/Belgien 2017, Regie: Susanna Nicchiarelli, Darsteller: Trine Dyrholm, John Gordon Sinclair, Anamaria Marinca, ab 12, 93 min

19.9. | Vollblüter

18.00/20.30

Amanda (Olivia Cooke) und Lily (Anya Taylor-Joy), zwei Mädchen aus der Ostküsten-Upperclass in Connecticut, waren zu Schulzeiten einmal beste Freundinnen, verloren sich dann jedoch aus den Augen. Nun treffen sie sich erneut, Lily soll Amanda auf die Aufnahmeprüfungen prestigeträchtiger Colleges in Neu-England vorbereiten. Viel Zeit verbringen die beiden jungen Frauen nun wieder miteinander. Eines Nachmittags verrät Amanda ihrer Freundin schließlich ihr großes Geheimnis: Sie ist unfähig, Emotionen zu empfinden und weiß nicht, wie es sich anfühlt, glücklich, traurig oder wütend zu sein. Lily wiederum ist das genaue Gegenteil. Sie reagiert bereits auf kleinste Veränderungen mit emotionalen Schwankungen und nimmt das Verhalten ihrer Mitmenschen ganz genau wahr. Diese psychischen Extremzustände bergen einiges an zwischenmenschlichem Sprengstoff und entwickeln sich schließlich in ihrer Kombination zu einer unerbittlichen Zeitbombe. Als Lilys Stiefvater Mark ihr droht, sie ins Internat abzuschieben, wird aus der spontanen Idee ihn umzubringen, nach und nach ein fester Plan. Die Lunte brennt. Der Klein-Dealer Tim (Anton Yelchin) wird beauftragt, den verhassten Stiefvater um die Ecke zu bringen. Allerdings bleiben Zweifel, ob das Mittzwanziger-Großmaul wirklich den Mumm besitzt, die Sache bis zum blutigen Ende durchzuziehen. Was dann folgt, darf an dieser Stelle nicht verraten werden, gehört aber mit Sicherheit zum besten und beeindruckendsten, was das aktuelle Kinojahr bislang zu bieten hatte. Dem Regisseur Cory Finley gelingt mit „Vollblüter“ ein durchdachter Genre-Mix aus Teenage-Thriller, Film noir und Reichensatire. Und man sieht Anton Yelchin in seiner, leider, letzten Rolle. Der gebürtige Russe mit der großen Schauspieler-Zukunft starb wenige Wochen nach den Dreharbeiten einen tragischen Unfalltod.

USA 2018, Regie: Cory Finley, Darsteller: Anya Taylor-Joy, Olivia Cooke, Anton Yelchin, ab 16, 93 min

12.9. | 303

18.00/20.30
Die Biologie-Studentin Jule (Mala Emde) macht sich mit ihrem alten Wohnmobil auf den Weg Richtung Süden, Freund Alex im fernen Portugal ist das Ziel. Der Politik-Student Jan (Anton Spieker) möchte per Auto-Stop nach Spanien, seinen leiblichen Vater besuchen, dessen Existenz ihm erst seit kurzem bekannt ist. Jan trifft Jule an einer Autobahn-Raststätte und beide finden sich auf Anhieb sympathisch: Tramperglück. Jules betagtes Wohnmobil soll beide nun an ihr Ziel bringen. Der Daimler-Benz-Oldtimer (Modell 303 und Baujahr 1980) zuckelt los, gemächlich, aber zuverlässig. Die beiden 24-jährigen philosophieren, streiten, flirten während der gesamten Reise. Sie reden über Gott und die Welt und über die letzten Fragen der Menschheit, mindestens. Und es bleibt genügend Zeit zum Suchen und Finden der Liebe. Slow-Dating auf 2500 Kilometern quer durch Europa. Regisseur Hans Weingartner präsentiert in seinem vergnüglichen und nachdenklichen Road-Movie die langsame Annäherung zweier Seelen. Weingartner selbst drückt das so aus: „Zwei Menschen beim sich langsam Ineinander-Verlieben zuschauen.“

Deutschland 2018, Regie: Hans Weingartner, Darsteller: Mala Emde, Anton Spieker, ab 12, 145 min

5.9. | Auf der Suche nach Ingmar Bergman

18.00/20.30

Am 14. Juli 2018 wäre der Regisseur Ingmar Bergman, einer der ganz großen der Filmgeschichte, 100 Jahre alt geworden. Zahllose Dokumentationen und Würdigungen sind bereits über den schwedischen Filmemacher gedreht worden. Margarethe von Trotta fügt dieser beachtlichen Sammlung mit ihrer Dokumentation nun ein weiteres Puzzlestück hinzu. Sie wählt dabei einen ganz neuen persönlichen Ansatz. Den roten Faden ihres Films bildet nämlich die höchst aufschlussreiche Wechselbeziehung zwischen ihr und Bergman. Zunächst vom Medium Kino nur mäßig angezogen, war es Anfang der 1960er Jahre Bergmans Meisterwerk „Das siebente Siegel“, das von Trotta für den Film begeisterte und den Wunsch in ihr weckte, Regisseurin zu werden. Und Bergman wiederum nannte in den 1990er Jahren von Trottas „Die bleierne Zeit“ als einen der Filme, die ihn am meisten geprägt hätten. „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ ist eine sehr emotionale Reise durch das Universum der schwedischen Filmlegende. Neben seltenen Archivaufnahmen und Filmausschnitten sind es vor allem die intensiven Gespräche mit Bergmans Familie, Schauspielern und Wegbegleitern, die diese Dokumentation so sehenswert machen. Eine beeindruckend persönliche Hommage an einen Jahrhundert-Regisseur und gleichzeitig eine Würdigung von Künstler zu Künstler.

Deutschland 2018, Regie: Margarethe von Trotta, Dokumentation,
ab 12, 97 min