25.1. | Schneider vs. Bax Copy

18.00/20.30

schneider-vs-baxSchneider: Tagsüber ist er Auftragskiller, abends liebender Familienvater. Heute ist sein Geburtstag, weshalb er nur zähneknirschend einen Auftrag von Boss Mertens (Gene Bervoets) annimmt. Aber es soll sehr schnell gehen und außerdem ist Ramon Bax (Alex van Warmerdam) ein Kindermörder. Sagt zumindest Mertens. Doch besagter Bax ist ebenfalls ein Killer, angesetzt auf Schneider, denn, nun ja, Schneider ist auch ein Kindermörder. Beide sind auf ihren Auftrag nicht gut vorbereitet und zudem tauchen in schöner Regelmäßigkeit diverse Verwandte, Bekannte und Geliebte unserer Helden auf, die den ordnungsgemäßen Ablauf gehörig durcheinanderbringen. Als Schneider vor Bax‘ Häuschen mitten zwischen Schilf und Morast auftaucht, um ihn umzunieten, beginnt ein Schlagabtausch, der nicht von schlechten Eltern ist. So ein Geballer hat man lange nicht gesehen, aber was hilft’s. Man muss fertig werden, um acht Uhr gibt es Abendbrot. Überhaupt könnte man den ganzen Quatsch auch sein lassen, aber das geht nicht. Wegen der Ehre, der Männlichkeit und so. Der Regisseur Alex van Warmerdam hatte so viel Spaß an seinem Drehbuch voller makabren Humors, dass er die eine der beiden Hauptrollen gleich mit übernahm. Zwei Männer mit Schießprügeln, aber ohne viel Licht im Saal. Ein köstliches Vergnügen für alle Freunde des schwarzen Humors.

Niederlande 2015, Regie: Alex van Warmerdam, Darsteller: Tom Dewispelaere, Alex van Warmerdam, Gene Bervoets, ab 16, 100 min

 

18.1. | Looping

18.00/20.30

looping-kinoplakatDrei Frauen stehen im Zentrum von Leonie Krippendorffs Debütfilm „Looping“, drei Frauen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen in eine psychiatrische Anstalt begeben müssen. Die 19-jährige Leila (Jella Haase) ist als Schaustellerkind auf einem Rummelplatz aufgewachsen, wo sie eines Tages von einem Lastwagenfahrer vergewaltigt wird. In der Klinik teilt sie ein Zimmer mit der 52-jährigen Ann (Marie-Lou Sellem), die bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich hat. Vervollständigt wird das Trio durch die 35-jährige Frenja (Lana Cooper), die nur ganz oberflächlich betrachtet ein erfülltes Leben mit Mann und Tochter geführt hat. Schnell entsteht eine große Nähe zwischen den drei Frauen, die sich unbestimmt zwischen inniger Freundschaft und erotischer Anziehung bewegt. Krippendorff kommt es weniger auf die Geschichte an, viel mehr geht es ihr um Bilder, um Atmosphäre und Stimmungen. Und da verlässt sich die Regisseurin ganz auf ihre drei Hauptdarstellerinnen, denen man in weiten Teilen des Films einfach zuschaut, beim Tanzen und Schwimmen, beim in sich versunkenen Zigarettenrauchen oder einfach nur beim Dasein. Man darf gespannt darauf sein, wie sich Leonie Krippendorffs Talent, statt mit vielen Worten hauptsächlich mit Bildern und Stimmungen zu arbeiten, weiter entwickelt.

Deutschland 2016, Regie: Leonie Krippendorff, Darsteller: Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem, ab 16, 106 min

Die Regisseurin Leonie Krippendorff wird den Film begleiten und nach beiden Vorstellungen mit dem NZ-Redakteur und Koki-Mitglied Rainer Donsbach über ihren Film sprechen.

11.1. | Ich, Daniel Blake

18.00/20.30

ich-daniel-blakeDaniel Blake (Dave Johns) ist ein rechtschaffener Kerl. Sein Leben lang hat er als Schreiner gearbeitet und immer seine Steuern gezahlt. Aber jetzt, nach einem Herzinfarkt, verbietet ihm sein Arzt kategorisch, die Arbeit wieder aufzunehmen. Zu früh, zu riskant. Daniel bleibt keine Wahl. Zum ersten Mal in seinem Leben muss er beim Arbeitsamt um Hilfe bitten. Die Mitarbeiter dort nehmen ihn als Menschen nicht ernst, sie sehen in ihm nur eine Nummer. Auch der jungen Mutter Katie (Hayley Squires) mit ihren beiden Kindern Daisy und Dylan geht das so. Daniel und Katie freunden sich an und nehmen den Kampf auf gegen die bürokratische Kälte in den Behörden. Der Regisseur Ken Loach begleitet diesen persönlichen Einsatz ohne Pathos und Übertreibung und gerade in der Darstellung dieser schmucklosen wie schmerzhaften Alltäglichkeit liegt die politische Kraft seines Films. Hoffnung gibt es wenig bis gar nicht in dieser grau verhangenen Vorstadt-Tristesse Newcastles. Der Einzelne gegen das System, der underdog gegen die Herrschenden da oben, das ist der Stoff, aus dem die meisten Filme von Ken Loach bestehen und so ist es auch hier. Die Goldene Palme in Cannes war dem britischen Altmeister dafür sicher.

Großbritannien 2016, Regie: Ken Loach, Darsteller: Dave Johns, Hayley Squires, Sharon Percy, ab 6, 100 min

 

4.1. | Caracas , eine Liebe

18.00/20.30

caracas-eine-liebeArmando (Alfredo Castro) ist unterwegs in den verarmten Vierteln der venezolanischen Hauptstadt Caracas, immer auf der Suche nach jungen Männern. Ein Bündel Geldscheine hilft nach, wenn es um die Bereitschaft zu schnellem Sex gehen soll. Bei dem attraktiven und muskulösen Elder (Luis Silva) gerät er allerdings, vorerst, an die falsche Adresse. Kaum in Armandos Wohnung angelangt, raubt Elder den Älteren aus. Dass die beiden sich im Laufe der Zeit dennoch näher kommen, ist nur eine der Verwicklungen, die der Regisseur Lorenzo Vigas Castes in seinem Film ausbreitet. Viel tiefer geht die Beziehung Armandos zu seinem Vater, die von starkem Hass geprägt ist. Einmal sprechen Armando und Elder von ihren Vätern und Armando sagt über seinen nur: „Ich wünschte, er wäre tot“. Vordergründig geht es in „Caracas , eine Liebe“ um unterdrückte Homosexualität. Näher betrachtet aber liefert Regisseur Vigas eine scharfsichtige Analyse der sozialen Gegensätze, hier Armandos holzgetäfelte Wohnung voller Möbel aus Teak und Leder, dort Elders unbehauste Existenz zwischen Schrottplatz und Mietskaserne. Dieser genaue Blick auf die Verhältnisse im Moloch Caracas wurde beim Filmfestival in Venedig mit dem Goldenen Löwen belohnt.

Venezuela 2015, Regie: Lorenzo Vigas Castes, Darsteller: Alfredo Castro, Luis Silva, Ali Rondon, ab 16, 93 min