28.12. | Keine Vorstellung

Das könnte auch ein skurriler und interessanter Filmtitel sein… Leider ist es ganz einfach so: Aufgrund der in diesem Jahr geltenden Verleihbedingungen kann im CineMotion zwischen den Feiertagen keine Filmkunst laufen. Das heißt auch für uns Sendepause. Sorry.

21.12 | Kurz.Film.Tour

18.00/20.30

Zum jährlich bundesweit organisierten Kurzfilmtag präsentieren auch wir diesmal sieben Meisterstücke dieses immer wieder unterschätzten Filmgenres: (weitere Informationen siehe Einleger)

Video Meeting: Drei Minuten vor dem Online-Meeting: Der Einstiegs-Gag ist wohl überlegt, die Flasche in der Unterhose sitzt fest und die Internetverbindung ist Premium – ist das unsere neue Normalität ? Regie: Jannis Alexander Kiefer, 9 min

Disjointed: Zwei Fleischindustriearbeiter sprechen über ihre Erfahrungen. Regie: Clara Helbig, 11 min

Obervogelgesang: Eine Jugendliche wird mit einer frischen rechtsextremistischen Schmiererei in der S-Bahn und einer von ihr zuvor verdrängten Fratze ihrer Heimat konfrontiert. Regie: Ferdinand Eberhardt und Elias Weinberger, 6 min

Salidas: Der fiktive poetische Tanzfilm SALIDAS (span. Aufbrüche) erzählt den Übergang von Leben zu Tod mit den Mitteln des Flamenco-Tanzes in einem alten monumentalen ostdeutschen Schiffshebewerk. Regie: Michael Fetter Nathansky, 10 min

Masel Tov Cocktail: Zutaten: ein Jude, zwölf Deutsche, fünf cl Erinnerungskultur, drei cl Stereotype, zwei TL Patriotismus, ein Tl Israel, ein Falafel, fünf Stolpersteine, ein Spritzer Antisemitismus. Zubereitung: Alle Zutaten in einen Film geben, aufkochen lassen und kräftig schütteln. Im Anschluss mit Klezmer-Musik garnieren. Verzehr: Vor dem Verzehr anzünden und genießen. 100% koscher. Regie: Arkadij Khaet und Mickey Paatzsch, 30 min

Favoriten: Nach einem Streit mit ihrer Mutter will Sofia nach Italien autostoppen, um dort ihren leiblichen Vater zu finden. Regie: Martin Monk, 18 min

Fluffy Tales: Model Ella wurde für die Werbekampagne eines neuen Hundefutters gebucht. Weil ihr tierischer Shootingpartner jedoch seinen Job nicht ordentlich erfüllt, wird er kurzerhand durch sie ersetzt. Regie: Alison Kuhn, 15 min

14.12 | Mutter

18.00/20.30

Bereits die erste Szene in diesem Film löst Verwirrung aus. Da sitzt eine Frau in der Badewanne und erzählt von ihrer Beziehung zu einem sexsüchtigen Mann, dessen Trieb sie stoisch, fast gleichgültig über sich ergehen lässt. Es scheint Anke Engelke zu sein, doch irgendetwas stimmt hier nicht. Es ist die Stimme, die nicht zu der bekannten Schauspielerin passt. Anke Engelke leiht acht verschiedenen Frauen im Alter zwischen 30 und 75 Jahren ihr Gesicht, wird zu ihrem Sprachrohr. Die Stimmen aber stammen von diesen Frauen, die alle von ihren höchst unterschiedlichen Gefühlen des Mutterseins berichten. Da ist die junge Frau, die nach der Geburt ihrer Zwillinge schnell wieder im elterlichen Betrieb arbeitet. Eine andere ist bei einem One-Night-Stand schwanger geworden und danach sehen wir die Lehrerin und dreifache Mutter, die ihre Familie für eine neue, große Liebe verlässt und darunter leidet. Die Filmemacherin Carolin Schmitz findet für diese Geschichten ganz einfache Bilder von Alltagssituationen, die sämtlich von Anke Engelke und ihrer Präsenz gefüllt werden. Mal legt sie Wäsche zusammen, mal ist sie in einer Aerobic-Stunde, dann arrangiert sie Schnittblumen oder sitzt nachdenklich auf dem Sofa und monologisiert lakonisch die unterschiedlichen Lebensgeschichten. Engelke vereint all diese acht verschiedenen Frauen, ohne eindeutig die Orte, die Kleidung oder die Tätigkeit zu verändern, sie gehen vielmehr ineinander über. Ein sehr genauer Blick und höchste Konzentration sind gefragt, die einzelnen Szenen zu unterscheiden. Eine eigenwillige Dokumentation über den immer wieder thematisierten Komplex der Mutterschaft, der man gebannt zuschaut.

Deutschland 2022, Regie: Carolin Schmitz, Darsteller: Anke Engelke und sieben Stimmen, ohne Altersangabe, 88 min

7.12. | Der Passfälscher

18.00/20.30

Eine geräumige großbürgerliche Wohnung in Berlin, 1942. Der Jude Cioma Schönhaus (Louis Hofmann) lebt jetzt ganz allein in ihr. Seine Eltern und seine Großmutter sind in den Osten deportiert worden, Cioma wurde jedoch zurückgestellt, dienstverpflichtet zur Arbeit in einem Rüstungsbetrieb. Ein Kollege vermittelt ihn an Franz Kaufmann, für den er in großem Stil Pässe fälscht. Als ehemaligem Studenten einer Kunsthochschule gelingt ihm das mit geradezu spielerischer Leichtigkeit. Leichtigkeit ist überhaupt das Motto, mit dem Cioma durch das Leben geht. Wo andere Juden nicht auffallen wollen, exponiert er sich bewusst. Das „Heil Hitler“ kommt ihm leicht über die Lippen; einmal besucht er in der Uniform eines Marineoffiziers ein feines Tanzlokal. Sein blondes Haar hilft ihm dabei, zur „Herrenrasse“ zugehörig zu erscheinen. Doch auch für ihn zieht sich das Netz allmählich immer enger. Ein Kriminalbeamter versiegelt seine Wohnung, die Concierge verkauft die Einrichtungsgegenstände. Diese wahre Geschichte des Cioma Schönhaus ist 2017 schon einmal filmisch aufgegriffen worden in Claus Räfles Dokudrama „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“. Die Regisseurin Maggie Peren geht in „Der Passfälscher“ anders vor, ihr Film ist als Charakterstudie angelegt. Die Handlung und deren Fortgang stehen als Spannungsbogen nicht im Vordergrund, da bekannt ist, wie Ciomas Ritt auf der Rasierklinge glücklicherweise ausging – er konnte sich mit einem gefälschten Wehrpass in die Schweiz retten.

Deutschland/Luxemburg 2022, Regie: Maggie Peren, Darsteller: Louis Hofmann, Jonathan Berlin, Luna Wedler, ab 6, 116 min

30.11. | Into the Ice

18.00/20.30

In Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) , Bremerhaven

Der grönländische Eisschild ist die zweitgrößte Eiskappe der Welt, nach der Antarktis. Der dänische Dokumentarfilmer Lars Hendrik Ostenfeld hat drei weltweit führende Gletscherforscher bei ihren abenteuerlichen und riskanten Einsätzen in diesem Gelände begleitet, die Dänin Dorthe Dahl-Jensen, den Briten Alun Hubbard und den Amerikaner Jason Box. Die drei Forscher sind moderne Entdecker, denn das Gelände, das sie betreten, ist zum Teil Neuland für sie und das kann sogar lebensgefährlich werden. Alun Hubbard zum Beispiel will sich in eine sogenannte Gletschermühle abseilen, einen vom Schmelzwasser gegrabenen Schacht, der 180 Meter tief ist. Nur dort unten lassen sich erdgeschichtliche Erkenntnisse gewinnen, um die zukünftige Erosion der Gletscher vorherzusagen. „Into the Ice“ hat in diesen und vielen anderen Minuten den Charakter eines Abenteuerfilms. Ansonsten grundieren spektakuläre Bilder der grönländischen Eislandschaft diesen Film. Auf der anderen Seite ist immer wieder zu hören, wie warm es im Frühling bereits wieder war. Was sie hier draußen erleben, bezeichnen Ostenfeld und seine Gesprächspartner als eine Art „Katastrophe in Zeitlupe“. Wer das Ächzen der Natur unter dem Klimawandel so deutlich wahrnimmt wie diese Forscher, hat dem Rest der Welt eine Botschaft zu vermitteln. Ostenfeld will mit seinem Film dabei helfen, diese Botschaft emotional und sinnlich erfahrbar zu machen. Das gelingt ihm auf eindrückliche Weise.

Dänemark 2022, Regie: Lars Hendrik Ostenfeld, Dokumentarfilm, ohne Altersangabe, 85 min

Im Anschluss an die 18 Uhr-Vorstellung gibt es ein Gespräch mit Olaf Eisen und Daniela Jansen, zwei Gletscherforschern des Alfred-Wegener-Instituts