28.12. | Der Landarzt von Chaussy

18.00/20.30

der-landarzt-von-chaussyDer Landarzt, das könnte der Titel einer Seifenoper im Vorabendprogramm sein oder der Held in einem gleichnamigen Groschenroman. Aber jetzt kommt mit „Der Landarzt von Chaussy“ ein Film in die Kinos, der diesen viel zu oft romantisch verklärten Beruf so zeigt, wie er wirklich ist. Jean-Pierre Werner (Francois Cluzet) heißt der Prototyp eines pflichtbewussten Dorfarztes, der seine Arbeit seit über 35 Jahren mehr als Berufung denn als Beruf begreift. Als Werner jedoch an Krebs erkrankt und sich einer Chemotherapie unterziehen muss, bleibt dem Eifrigen nichts anderes übrig, als sich eine Vertretung zu organisieren. Die sowohl charmante als auch selbstbewusste Nathalie Delezia (Marianne Denicourt) übernimmt die Praxis und da sich Werner für einigermaßen unersetzlich hält, wird der Arztwechsel nicht ohne Konflikte über die Bühne gehen. Regisseur Thomas Lilti ist selbst studierter Mediziner und das kommt seinem Film ungemein zugute. Lilti weiß, wovon er redet und entwickelt einen realistischen, mitunter fast dokumentarischen Gegenentwurf zum Genre des klischeebeladenen Arzt- und Heimatfilms. Und trotz der vermeintlich schweren Thematik verbreitet seine Inszenierung viel Hoffnung, Freude und Lebenslust. Ein tragikomischer Wohlfühl-Film, den sich über 1,5 Millionen Besucher in Frankreich nicht entgehen lassen wollten – mit dem „Ziemlich beste Freunde“-Star Francois Cluzet in der Hauptrolle.

Frankreich 2015, Regie: Thomas Lilti, Darsteller: Francois Cluzet, Marianne Denicourt, Isabelle Sadoyan, ohne Altersbeschränkung, 102 min

 

21.12. | Hedis Hochzeit

18.00/20.30

hedis-hochzeitDer junge Tunesier Hedi (Majd Mastoura) steht kurz vor seiner Hochzeit. Obwohl sich das Brautpaar gut leiden kann, ist es doch keine Liebesheirat, sondern eine von den Eltern arrangierte. Überhaupt ist Hedis Mutter überaus dominant und trifft alle Entscheidungen für ihn. Auch sein Chef kommandiert ihn ständig herum. Da lernt Hedi die Touristenbetreuerin Rim (Rym Ben Messaoud) kennen und verliebt sich sofort in sie. Nun muss er eine grundsätzliche Entscheidung fällen. Es heißt, entweder vor der überdominanten Familie zu kapitulieren oder zum ersten Mal sein Leben selbst zu bestimmen. Der Regisseur Mohamed Ben Attia präsentiert mit seinem Langfilm-Debüt nicht nur eine private Liebesgeschichte zwischen Bräutigam, Braut und Geliebter. Er macht seinen Film geradezu zu einer Parabel über die Verhältnisse im heutigen Tunesien. Das Land ist hin- und hergerissen zwischen den traditionellen Normen von Familie und Religion und dem Einfluss der europäischen demokratischen Werte, die in die Gesellschaft hineinwirken. Diese Darstellung eines Landes im Auf- und Umbruch macht „Hedis Hochzeit“ bereits jetzt zu einem großen Werk der nordafrikanischen Filmgeschichte. Das wurde auch bei der letzten Berlinale schon so gesehen, Preise für Regisseur und Hauptdarsteller waren die logische Folge.

Tunesien 2016, Regie: Mohamed Ben Attia, Darsteller: Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita, 88 min

14.12. | Hieronymus Bosch – Garten der Lüste

18.00/20.30

hieronymus-bosch-garten-der-luesteEr zählt zu den wichtigsten Renaissance-Malern, obwohl (oder gerade weil) sich seine düsteren, von obskuren Gestalten bevölkerten Werke einer einfachen Deutung entziehen : Hieronymus Bosch. In der Dokumentation „Hieronymus Bosch – Garten der Lüste“ begibt sich ein Team aus Experten im Vorfeld einer geplanten Ausstellung zum 500. Todestag des Meisters auf eine Reise, um dessen Werke zu untersuchen. Der Film verschafft einen hochinteressanten Einblick hinter die Kulissen der Bosch-Forschung und der modernen Bildanalyse. Ein spannender und aufschlussreicher Film für alle Bosch-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

Niederlande 2015, Regie: Pieter van Huystee, Dokumentation, 89 min

7.12. | Snowden

18.00/20.30

snowdenAls 2013 der NSA-Mitarbeiter Edward Snowden nach Hongkong fliegt, um sich in einem Hotelzimmer mit zwei Journalisten und einer Dokumentarfilmerin zu treffen, ahnt noch niemand, welche politische Bombe in den nächsten Tagen platzen sollte. Der whistleblower Snowden offenbart dem Trio sein Wissen um die bis ins privateste ausufernde Überwachungstätigkeit der NSA. Der Regisseur Oliver  Stone, der bereits mit den spektakulären Filmen „Nixon“ und „JFK“ hervortrat, erzählt die Geschichte des Menschen Edward Snowden. Sie erklärt, warum er sein gesamtes bisheriges Leben hinter sich ließ, um sich mit der größten Supermacht dieser Welt anzulegen. Zu sehen ist ein Patriot, ein Konservativer, der aus Vaterlandsliebe zur Armee und zur CIA geht, sich dann aber von deren Praktiken abwendet. Der Spielfilm Stones hat viel Dokumentarisches an sich, er wechselt zwischen Schlüsselmomenten aus dem Leben des jungen Edward Snowden und Szenen aus dem Hongkonger Hotelzimmer. Ein Polit-Thriller über eine Affäre, die die Welt in Aufregung versetzte und dem Ansehen der USA rund um den Globus einen Tiefschlag mit Nachwirkung zufügte.

USA 2016, Regie: Oliver Stone, Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Melissa Leo, ab 6, 135 min