30.5. | Die Flügel der Menschen

18.00/20.30

Ein Pferdedieb geht um am Rande von Bischkek, der Hauptstadt Kirgisistans. Es ist der Filmvorführer Centaur (Aktan Arym Kubat), der mit seiner taubstummen Frau Maripa (Zarema Asanaliewa) und ihrem ebenfalls stummen Sohn Nurberdi (Nuraly Tursunkojoew) ein bescheidenes Leben führt. Centaur glaubt daran, dass das Volk Kirgisistans selbst von den Zentauren, mythologischen Mischwesen aus Pferd und Mensch, abstammt und dass die Pferde „die Flügel der Menschen“ sind. Daher setzt er alles daran, die alten Zeiten wiederaufleben zu lassen: Er schlägt sich die Nächte um die Ohren, um den reichen Landbesitzern ihre Pferde zu stehlen und diese in freier Wildbahn auszusetzen. Doch die Oligarchen sind der nächtlichen Diebstähle überdrüssig und setzen den Kleinkriminellen Sadyr (Ilim Kalmuratow) auf den unbekannten Pferdedieb an… Der kirgisische Regisseur Aktan Arym Kubat übernimmt in seinem Film auch gleichzeitig die Hauptrolle. In ruhigen Bildern erzählt er seine allegorische Geschichte über das Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur, zwischen Glaube und Aberglaube, Moderne und Tradition. Erfreulich, dass dieser bei der Berlinale 2017 preisgekrönte Film doch noch seinen Weg in die deutschen Kinos gefunden hat.

Kirgisistan 2017, Regie: Aktan Arym Kubat, Darsteller Aktan Arym Kubat, Zarema Asanaliewa, Nuraly Tursunkojoew, Ilim Kalmuratow, ab 6, 89 min

23.5. | 3 Tage in Quiberon

18.00/20.30

Im Frühjahr 1981 befindet sich Romy Schneider (Marie Bäumer) in Quiberon, einem kleinen französischen Fischerdorf in der Bretagne, wo sie in einem Sanatorium entgiften soll. Das bedeutet: Kein Alkohol, kein Tabak, kein Salz, kein Zucker. Eigentlich soll die Schauspielerin gar nichts zu sich nehmen, um wieder zu Kräften und zu sich selbst zu kommen. Zumindest in den drei Tagen, um die es in diesem Film gehen soll, wird daraus nichts. Denn Romy Schneider hat sich bereit gefunden, dem Stern-Reporter Michael Jürgs (Charly Hübner) ein Interview zu geben, allerdings nur unter der Bedingung, dass auch der Fotograf Robert Lebeck (Robert Gwisdek) dabei ist, der sie schon oft porträtiert hat und dem sie vertraut. Ihre Freundin Hilde (Birgit Minichmayr) gesellt sich dazu. Drei Tage verbringt das Quartett zusammen, drei Tage, in denen viel geredet und fotografiert und ebenso viel geraucht und getrunken wird. Romy Schneider offenbart sich in diesen Tagen, wie sie es noch niemals zuvor getan hat. Das geht bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus. Kaum ein Jahr später stirbt die Schauspielerin mit nur 43 Jahren und das macht das im April 1981 veröffentlichte Stern-Interview zu einer Art Vermächtnis. Dieses Interview sowie die Schwarz-Weiß-Fotografien Robert Lebecks bilden die Grundlage für diesen Spielfilm der Regisseurin Emily Alef, der über weite Strecken quasi dokumentarisch wirkt. Das liegt zum einen an der Hauptdarstellerin Marie Bäumer, die Romy Schneider in Mimik und Gestik in geradezu verblüffender weise ähnelt, zum anderen an den (natürlich) Schwarz-weiß-Bildern des Kameramannes Thomas Kiennast, der sich bewusst anlehnt an die legendären Fotos Robert Lebecks. Ein vielschichtiges Portrait einer mitreißenden Schauspielerin und Frau mit einem abwechslungsreichen, aber auch tragischen Leben.

Deutschland/Frankreich 2018, Regie: Emily Alef, Darsteller: Marie Bäumer, Robert Gwisdek, Charly Hübner, Birgit Minichmayr, ohne Altersbeschränkung, 115 min, schwarz-weiß

16.5. | Das Mädchen aus dem Norden

18.00/20.30

Im Schweden der 1930-er Jahre besucht die 14-jährige Elle Marja (Lene Cecilia Sparrok) eine Internatsschule in Lappland. Sie gehört dem Volk der Samen an, deren Alltag durch Vorurteile und Unterdrückung geprägt wird. Elle Marja ist hochintelligent und extrem angepasst, eine richtige Musterschülerin. Nutzen tut ihr das alles nichts, die Anerkennung bleibt ihr versagt. Da entschließt sie sich zu einem radikalen Schnitt. Sie verlässt ihre Familie und zieht nach Uppsala und nicht nur das. In ihrer neuen Heimat verleugnet sie ihre Herkunft vollständig, nennt sich Christina und gibt sich als „normale“ Schwedin aus. Endlich vorankommen im Leben ohne die alltäglichen Anfeindungen und Ausgrenzungen. Elle Marja teilt das Schicksal so vieler Minderheiten im eigenen Land. Sie alle müssen sich oft auch heute noch entscheiden zwischen Anpassung und Auflehnung. Und wenn die Anpassung nicht ausreicht, bleibt manchmal nur der radikale Schnitt, die völlige Leugnung des eigenen Herkommens. Die Regisseurin Amanda Kernell zeichnet ein differenziertes Bild eines ganz besonderen Mädchens, das gefangen ist in der Hassliebe zum eigenen, unterdrückten Volk. Ein klassisches Melodram über eine Kämpferin, die dennoch umgeben wird von einer stillen Melancholie und das ist auf absolut unspektakuläre Weise sehr ergreifend.

Schweden 2017, Regie: Amanda Kernell, Darsteller: Lene Cecilia Sparrok, Mia Erika Sparrok, Maj-Doris Rimpi, ab 6, 110 min

15.05. | Möglichst freiwillig **Sondervorstellung**

Nur 18.00

Zijush ist 13 Jahre alt, als er Bremerhaven verlässt. Er muss mit den Eltern und seiner Schwester zurück in die mazedonische Hauptstadt Skopje. Seine Freunde und Freundinnen in Bremerhaven wollen das nicht akzeptieren. Weil Zijush in Mazedonien noch nicht wieder in die Schule geht, rufen sie ihn an und holen ihn per Smartphone zurück ins Klassenzimmer. Der Film folgt Zijush aus Bremerhaven nach Skopje. Begleitet seine Lehrerin, die den Schüler in der mazedonischen Hauptstadt besucht. Trifft die besten Freunde, die die Welt der Grenzen, Visa und Pässe überwinden, in dem sie sie ignorieren. Der Film erklärt die erzwungene Migration der Roma zwischen Deutschland und Südosteuropa, das Ping-Pong mit Familien. Der ausgrenzende Rassismus, der die Menschen aussortiert und verletzt, beschäftigt die Schüler und Schülerinnen ebenso wie sie sich durch die Politik der Bundesregierung bedroht fühlen. Ein Film über Freundschaft, Schule, Abschiebung, Migration, Roma, Rassismus, Deutschland, Mazedonien, Armut, Hoffnung.
46 Min. / Dokumentarfilm / D 2018

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit Protagonist*innen und Filmteam.

KARTEN: Tel. 03871 211 4114 oder http://www.cinemotion-kino.de/bremerhaven

9.5. | Transit

18.00/20.30

in Verbindung mit der Landeszentrale für politische Bildung Bremen, Außenstelle Bremerhaven

Juni 1940, die deutsche Wehrmacht steht vor Paris. Georg (Franz Rogowski) entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat. Ein Manuskript befindet sich unter den Unterlagen, Briefe, vor allem aber ein Transitvisum nach Mexiko. Georg nimmt in Marseille die Identität Weidels an, versucht eine der wenigen Schiffspassagen zu ergattern. Da begegnet er der geheimnisvollen Marie (Paula Beer). Und die ist keine andere als Weidels Frau, genauer gesagt eine Witwe, doch vom Tode ihres Mannes ahnt sie nichts. Marie nähert sich Georg an und auch der ist ihrem mysteriösen Charme bald verfallen. Der Film des Regisseurs Christian Petzold erzählt von einem Dasein zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Er begleitet seine Akteure eine Weile auf ihrer Reise ins Ungewisse mit all ihren Irrungen und Wendungen. „Transit“ ist aber vor allem eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Anna Seghers aus dem Jahre 1942, den Petzold ins Hier und Jetzt überträgt. Er verfilmt die literarische Vorlage sehr werkgetreu und lässt die Handlung gleichzeitig in einem Marseille spielen, das wie die Stadt von heute aussieht. Zwar sind Papiere und Briefe in altdeutscher Schrift zu sehen, ein Reisepass mit der Aufschrift Deutsches Reich. Aber alles spielt in einer Umgebung voller graffiti-übersäter Häuserwände und Burger-Buden, zwischen denen modern uniformierte Polizisten in Kampfmontur Jagd auf Flüchtlinge machen. Durch diesen einfachen wie genialen Kunstgriff vermischen sich Vergangenheit und Gegenwart in unauflöslicher Weise. Geflüchtete von damals treffen auf Geflüchtete von heute. Den Transit von 1940 gibt es, in anderer Form, auch 2018.

Deutschland/Frankreich 218, Regie: Christian Petzold, Darsteller: Franz Rogowski, Paula Beer, Matthias Brandt, ab 12, 101 min

2.5. | Das Leben ist ein Fest

18.00/20.30

Max (Jean-Pierre Bacri) ist einer der erfahrensten Hochzeitsplaner Frankreichs. Doch sein aktueller Auftrag führt auch ihn und sein Team an ihre Grenzen. Zwar gehört der Schauplatz der bevorstehenden Vermählung, ein mondänes Schloss außerhalb von Paris, zum allerfeinsten, aber am Tag der Hochzeit geht alles schief, was überhaupt nur schief gehen kann. Das Essen auf dem Buffet ist schlecht geworden, die engagierte Band sagt ab, und die Steuerbehörde erscheint. Dann fällt auch noch der Strom aus und die Hochzeitsgesellschaft steckt im Stau fest. Doch Max steht wie ein Fels in der Brandung und tatsächlich gelingt es ihm, nach und nach Ordnung in das Chaos zu bringen. Die beiden Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache („Ziemlich beste Freunde“) bieten in ihrem Film eine ganze Reihe an bunten und schrägen Charakteren auf. An deren ganz unterschiedlichen Befindlichkeiten und Eigenarten droht das Fest zu scheitern, aber es erweist sich schließlich, dass aus Gegnern manchesmal auch Freunde werden können. Eine rastlose und unterhaltsame Komödie, die in ihren besten Momenten zuweilen an die Filme Robert Altmans erinnert.

Frankreich 2017, Regie: Eric Toledano und Olivier Nakache, Darsteller: Jean-Pierre Bacri, Gilles Lellouche, Jean-Paul Rouve, ohne Altersbeschränkung, 116 min