30.8. | In Zeiten des abnehmenden Lichts

18.00/20.30

IZDAL_Plakat_A4Berlin, Hauptstadt der DDR im Frühherbst 1989. Das verdiente SED-Mitglied (seit 1952) Wilhelm Powileit begeht seinen 90. Geburtstag. Sein Leben biegt unerbittlich in die Zielgerade ein und noch schneller wird es mit dem von ihm mit aufgebauten Staat ein Ende nehmen. Das ahnt jeder der zahlreich erschienenen Geburtstagsgäste. Entsprechend düster bis melancholisch ist die Stimmung in der Wohnung mitten im Kaderwohnviertel Ost-Berlins. Da mag sich der Tisch noch so sehr biegen vor lauter Knackwürsten, halben Eiern und Buletten. Das Fest wird umflort von allerlei Lebenslügen und Heucheleien und auch die staatlich verordneten Segenswünsche dürfen nicht fehlen. Dass sich Enkel Powileit soeben in den Westen abgesetzt hat, wird dem Jubilar ganz verschwiegen, diese Enttäuschung soll dem greisen Geburtstagskind erspart werden. Und dann kommt es, wie kommen muss. Mit dem überladenen Tisch bricht auch gleichzeitig der mühsam austarierte Hausfriede zusammen und mit diesem ein Teil des gesamten Systems. Dieses Geschehen kommt jedoch geradezu kammerspielartig daher und auch der politische Kollaps vollzieht sich ruhig und langsam, ohne Krawumm. Der Regisseur Matti Geschonneck hat sich für seine Filmadaption den gleichnamigen Roman von Eugen Ruge vorgenommen, der dafür 2011 den Deutschen Buchpreis erhielt. Mit Ausnahme des, schön schrulligen, Schweizers Bruno Ganz haben alle Ensemblemitglieder eine ostdeutsche Vergangenheit und entsprechend glaubwürdig präsentieren sie die DDR-Endzeitstimmung mit all dem Kleinbürgermuff einer Ära auf Abruf.

Deutschland 2017, Regie: Matti Geschonneck, Darsteller: Bruno Ganz, Hildegard Schmahl, Sylvester Groth, ohne Altersbeschränkung, 100 min

23.8. | Deutscher Kurzfilmpreis

18.00/20.30

motiv-DKFP2017-A3Der Deutsche Kurzfilmpreis ist die höchstdotierte Auszeichnung für Kurzfilme in Deutschland. Aus Nominierten und Preisträgern werden Filme in einem breiten Spektrum von ziemlich schräg über tragikomisch bis hin zu ernsten Stoffen gezeigt. Bei der letztjährigen Ausgabe dieser Veranstaltung fand sich ein begeistertes Publikum ein.

Und ich so: Äh: Klaus ist Taxifahrer und kämpft täglich mit den Absurditäten unserer Welt. Es geht um die Frage des Anstandes, Kleingeld und die Machtkämpfe im trivialen Irrsinn des Alltags. (30min)

A Quiet Place: Ein kleines rumänisches Dorf fernab der Großstadt. Doch das scheinbar ruhige Idyll wird gestört, als Cristina nach einigen Jahren zu ihrer Familie zurückkehrt. (24min)

Simply the Worst: Günther und Hindrich packt das Fernweh. Den sächsischen Skilauf-Koryphäen ist der heimische Rodelberg nicht mehr gut genug. Der Beginn eines etwas anderen Road-Movies. (20min)

Aussetzer: Klaras Job ist es, Wohnungen auszuräumen. Ob von Verstorbenen, Flüchtigen oder Alten, die in Heime gesteckt werden. Das funktioniert aber nur solange, bis sie auf Friedrich stößt. (19min)

Mayday Relay: Als der Segler Max mit seiner Tochter bei einer Nachtfahrt auf dem Mittelmeer ein „Mayday“ empfängt, wird schnell gehandelt. Er ändert den Kurs der kleinen Yacht und involviert andere Schiffe in die Rettungsaktion.(15min)

Florian Tscharf, Regisseur von „Mayday Relay“, wird anwesend sein.

16.8. | Loving

18.00/20.30

loving_us_424Mildred und Richard sind verliebt, das sieht man sofort. Es ist dieses spezielle Leuchten auf Gesichtern von Menschen, die wissen, dass sie einander gefunden haben. Die beiden heiraten, in Washington, und haben damit in ihrer Heimat Virginia ein großes, ja unüberwindliches Problem. Denn Mildred ist schwarz und Richard ist weiß und „gemischtrassige Ehen“ sind im Virginia der 1950er Jahre gesetzlich strengstens untersagt. Bis zu fünf Jahre Haft stehen darauf. Der Not gehorchend ziehen beide zurück nach Washington und führen dort mit ihren drei Kindern ein zurückgezogenes Leben. Erst Jahre später, 1967, bringen die Anwälte der schwarzen Bürgerrechtsbewegung den Fall „Loving vs. Virginia“ vor den Obersten Gerichtshof – und gewinnen den spektakulären Prozess. Der Regisseur Jeff Nichols schildert diesen authentischen Fall in seinem Film „Loving“ so wie es der Titel schon andeutet. Er blättert das Leben der Lovings auf, Kapitel für Kapitel, in fast bedächtigem Tempo. Und er tappt nicht in die Falle, ein großes Melodram daraus zu machen. Er verlässt sich vollständig auf seine wunderbaren Hauptdarsteller (Ruth Negga und Joel Edgerton), um die Selbstverständlichkeit dieser Liebesgeschichte in den Mittelpunkt zu rücken. Die beiden führen ein auf unerschütterliches gegenseitiges Vertrauen und tiefe Zuneigung gegründetes Leben. Und nach der vor Gericht erfochtenen Legalisierung ihrer Ehe können sie das auch endlich in ihrer Heimat Virginia tun.

USA/Großbritannien 2016, Regie: Jeff Nichols, Darsteller: Ruth Negga, Joel Edgerton, ab 6, 124 min

9.8. | Beuys

18.00/20.30

In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Bremerhaven

beuys-kinoplakatAn Joseph Beuys (1921-1986) führte lange kein Weg vorbei. Ab Mitte der sechziger Jahre bis zu seinem Tod war der Aktionskünstler, Bildhauer und Kunsttheoretiker medial dauerpräsent. Beuys wichtigstes Credo: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“ Der Regisseur Andreas Veiel zeichnet in seiner Dokumentation das Bild dieses rastlos Kreativen, der immer wieder durch spektakuläre Aktionen für Aufsehen sorgte. Erstaunlich: „Beuys“ ist die erste Kino-Doku über den großen Künstler. Veiel sichtete für seinen Film sage und schreibe 400 Stunden Archivmaterial, über 20.000 Fotos und knapp 300 Stunden Tondokumente, außerdem hat er 60 Zeitzeugen interviewt. Entsprechend lange dauerten die Arbeiten an seiner Dokumentation, nämlich drei Jahre. Herausgekommen ist ein beachtlicher und vielschichtiger Film, der sich deutlich abhebt von anderen Künstler-Portraits. Veiel wagt sich an eine ganz außergewöhnliche Montage der unzähligen Einzelszenen, Interview-Schnipsel und Tondokumente. Und er lässt Joseph Beuys in erster Linie selbst zu Wort kommen. Streitgespräche mit Politikern zeigen deutlich, dass Beuys ein Visionär war und um Jahrzehnte seiner Zeit voraus. Eine handwerklich hervorragende und auch unterhaltsame Annäherung an einen Jahrhundertkünstler.
Deutschland 2017, Regie: Andreas Veiel, Dokumentation, 107 min

Zur ersten Vorstellung um 18 Uhr wird Dr. Kai Kähler, Geschäftsführer des Kunstvereins Bremerhaven, eine Kurzeinführung geben.

2.8. | Die Verführten

18.00/20.30

Die Verführten1864 im amerikanischen Bürgerkrieg. Drei Jahre kämpfen die Nord- und die Südstaaten nun schon um die Vorherrschaft. Da gerät der Unions-Soldat McBurney aus dem Norden in feindliches südliches Konföderierten-Gebiet. Eine Schülerin eines nahegelegenen Mädcheninternats findet den Soldaten und bringt ihn in die Schule. Trotz aller Zweifel und Gefahr verstecken Lehrerinnen und Schülerinnen den Schwerverletzten und pflegen ihn gesund. Nach und nach erliegen sie jedoch dem Charme des gutaussehenden Soldaten und beginnen um seine Aufmerksamkeit und Zuneigung zu buhlen. Ein erotisch aufgeladenes Spiel mit unerwarteten Wendungen und Opfern auf beiden Seiten entfaltet sich. Eifersucht und Intrigen vergiften mehr und mehr das vorher so geregelte Zusammenleben. Die Regisseurin Sofia Coppola hat sich für ihren Film den gleichnamigen Roman von Thomas Cullinan aus dem Jahre 1966 vorgenommen. Sie seziert in allen Einzelheiten das Eigenleben einer von der Außenwelt völlig abgeschotteten Gemeinschaft. Neben Colin Farrell glänzen Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning in den weiblichen Hauptrollen. Mit diesem Drama um Liebe und Eifersucht, Täuschung und Verführung gewann Coppola beim Filmfestival in Cannes den Preis für die beste Regie. Intelligentes und subtiles Arthouse-Kino.
USA 2017, Regie: Sofia Coppola, Darsteller: Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst, Elle Fanning, ab 12, 91 min