25.7. | In den Gängen

18.00/20.30

Christian (Franz Rogowski) fängt in einem Großmarkt am Stadtrand von Leipzig an. Schweigend taucht der in sich gekehrte Neuling in das unbekannte Universum ein. Die Kamera streift durch die langen Gänge, das Warenlager und zeigt die eigentümliche Schönheit eines Gabelstapler-Balletts. Bruno (Peter Kurth) aus der Getränkeabteilung nimmt Christian unter seine Fittiche und führt ihn in die Abläufe des Großmarktes ein. Bald verguckt er sich in Marion (Sandra Hüller). Die Süßwaren-Beauftragte zieht ihn an mit ihrer nassforschen und zugleich verletzlichen Art. Dass Marion verheiratet ist und das auch noch unglücklich, macht die Angelegenheit nicht gerade einfacher. Der Regisseur Thomas Stuber präsentiert drei Menschen, drei Schicksale, drei Leben. Eigentlich passiert nicht viel, das aber ist wunderbar inszeniert. „In den Gängen“ erzählt von Hoffnung, Enttäuschung, Gemeinschaft und dem kleinen Glück. Bei solchen Filmen muss man sich um die Zukunft des deutschen Kinos keine allzu großen Sorgen machen.

Deutschland 2018, Regie: Thomas Stuber, Darsteller: Sandra Hüller, Franz Rogowski, Peter Kurth, ab 12, 120 min

18.7. | Maria by Callas

18.00/20.30

Sie ist eine Legende und selbst Jahrzehnte nach ihrem Tod auch Menschen ein Begriff, die noch nie in der Oper waren: Maria Callas. Die in New York geborene Sopranistin mit griechischen Wurzeln hat den jungen französischen Filmemacher Tom Volf so in ihren Bann gezogen, dass er jahrelang intensiv über sie recherchierte. Zahlreiche private Fotos und Videoaufnahmen hat er zusammengetragen. Vor allem aber lässt er in seinem Dokumentarfilm „Maria by Callas“ die Sängerin in Interviews selbst zu Wort kommen, persönliche Briefe (gelesen von Eva Matthes) runden das Bild. Maria Callas, die 1977 im Alter von nur 53 Jahren starb, kann mit ihrem überlieferten Gesang die Menschen bis heute tief berühren. Sie galt ihren Zeitgenossen allerdings auch als, nun ja, temperamentvoll, was ihr den Beinamen „fauchende Tigerin“ einbrachte. In Tom Volfs Dokumentation klingt aber auch immer wieder eine ganz andere Seite der Sängerin durch. Die von der Musikwelt vergötterte war auch zutiefst unglücklich. Sie hatte unter ihrer dominanten, überambitionierten Mutter gelitten, die ihre eigenen großen Träume von Ruhm auf die Tochter übertrug und gegen die sich nicht wehren konnte. Tom Volf  ist eine Dokumentation gelungen, die die Fans von Maria Callas begeistern wird. So nah und so berührend ist die Primadonna wahrscheinlich noch nie gezeigt worden.

Frankreich 2017, Regie: Tom Volf, Dokumentation, ohne Altersbeschränkung, 119 min

11.7. | 1000 Arten Regen zu beschreiben

18.00/20.30

Mike, gerade 18 Jahre alt, hat sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Kann man ja mal so machen. Aber Mike meint es wirklich ernst. Er kommt überhaupt nicht mehr heraus, isoliert sich vollkommen. Nur nachts huscht er bisweilen kurz nach draußen, für dringende Bedürfnisse, etwas zu essen, mehr nicht. Die flehentlichen Bitten seiner Eltern und seiner Schwester, sich doch zu zeigen, ignoriert er vollständig. Was den Jungen zu seinem Extrem-Verhalten treibt, bleibt unklar. Es ist auch eigentlich gar nicht so wichtig. Der Debütfilm der Regisseurin Isa Prahl interessiert sich viel mehr für die Folgen, die diese Entscheidung für die Familie hat. Auf ganz unterschiedliche Weise gehen Eltern und Schwester mit der Situation um. Sie machen sich Vorwürfe, versuchen ihr eigenes Leben weiterzuleben und gleichzeitig doch irgendwie eine Lösung zu finden. Wie diese Lösung aussieht, darf hier nicht verraten werden. Nur so viel sei gesagt: Sie ist ebenso extrem wie logisch. Ein Film, in dem die eigentliche Hauptfigur, zumindest der Katalysator für sämtliche Ereignisse, nie zu sehen ist. Ein äußerst ungewöhnlicher und deswegen so interessanter Ansatz.

Deutschland 2017, Regie: Isa Prahl, Darsteller: Bibiana Beglau, Bjarne Mädel, Emma Bading, ab 12, 92 min

4.7. | Lady Bird

18.00/20.30

Sacramento im sonnenverwöhnten Kalifornien. Die Stadt, die viele andere wahrscheinlich einen Sehnsuchtsort nennen würden, ist für die 17-jährige Christine  (Saoirse Ronan) nur todlangweilige Provinz abseits angesagter Metropolen. Und in die Fußstapfen ihrer Familienmitglieder will sie schon gar nicht treten. Ihr Vater ist gerade arbeitslos geworden, ihre Mutter schuftet als Krankenschwester und ihr Bruder verdingt sich trotz College-Abschluss in einem Supermarkt. Für Christine sind solche und ähnliche Lebensläufe keine Option, sie sieht ihre Zukunft auf dem College in New York. Trotz der unerschwinglich hohen Studiengebühren verfolgt die 17-jährige ihren Lebenstraum hartnäckig, was zum Dauerstreit mit ihrer Mutter führt. Der immer wieder eskalierende Schlagabtausch zwischen den Generationen bildet das Zentrum dieses Films über das Heranwachsen, über eine Zeit, wenn Flügel wachsen, aber Wurzeln bleiben. Die Regisseurin Greta Gerwig beobachtet diesen Abnabelungs-Prozess mit großer Sensibilität und viel Liebe zum Detail. Um diesen Mutter-Tochter-Konflikt herum ist alles gestrickt, was Teenager-Jahre so ausmacht, erste Erfahrungen in der Liebe, das Austesten von Grenzen in der Schule, das Erkennen wahrer und falscher Freunde. „Lady Bird“ ist Greta Gerwigs erste Regie-Arbeit und brachte ihr gleich sage und schreibe fünf Oscar-Nominierungen ein.

USA 2017, Regie: Greta Gerwig, Darsteller: Saoirse Ronan, Laurie Metcalf, Tracey Leffs, ohne Altersbeschränkung, 95 min