26.10. | Julieta

18.00/20.30 

julietaSeit 38 Jahren dreht Pedro Almodovar Filme und in den meisten spielen Frauen die Hauptrollen, so auch in seinem neuesten Werk. Julieta gibt es in diesem Film sogar zweimal, in einer jüngeren (Adriana Ugarte) und einer älteren Ausfertigung (Emmma Suarez). Die ältere ist eine unsagbar traurige Titelfigur und das liegt daran, dass sie als junge Frau ihren Mann Xoan bei einem Schiffsunglück verloren hat und nicht nur ihn. Auch das Verhältnis zu ihrer Tochter Antia ist, als tragische Folge des Unfalltodes des Mannes und Vaters, vollkommen zerstört. Das alles will sie nun hinter sich lassen und mit ihrem neuen Lebensgefährten Lorenzo von Madrid nach Portugal übersiedeln. Doch dann entschließt sie sich zu einer Art Konfrontations-Therapie. Sie zieht bewusst zurück in ihr altes Haus und nimmt den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit auf. Pedro Almodovar hat sich für „Julieta“ von drei Erzählungen der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro inspirieren lassen. Der von Rückblenden durchfurchte Film bildet ein biographisches Puzzle, das dem Zuschauer passagenweise einige Rätsel aufgibt. Das Zusammenfügen der einzelnen Teile lohnt sich dennoch ungemein. Nach zuletzt einigen schwächeren Filmen findet der spanische Kultregisseur hier zu seiner alten Klasse zurück. Ein meisterliches Mutter-Tochter-Melodram.

Spanien 2015, Regie: Pedro Almodovar, Darsteller: Emma Suarez, Adriana Ugarte, Dario Grandinetti, ohne Altersangabe, 110 min

19.10. | Lou Andreas-Salome

18.00/20.30

louDie adlige Generalstochter Louise von Salome wird 1861 in St. Petersburg geboren. Von Anfang an weigert sie sich, den herrschenden gesellschaftlichen Regeln zu folgen. Vor allem will sie sich niemals verlieben oder gar heiraten. Mit kaum 20 Jahren geht die hochintelligente junge Frau nach Zürich und schreibt sich in der dortigen Universität ein. Wo immer von Salome auch hinkommt, überall sorgen ihre Klugheit, ihre Sinnlichkeit und ihr unnahbares Wesen für Aufsehen. Die beiden Philosophen Friedrich Nietzsche und Paul Ree verfallen ihr und machen der Angebeteten Heiratsanträge. Brüsk weist sie beide Verehrer zurück. Erst später wird sie sich mit einem Mann einlassen, dem Dichter Rainer Maria Rilke. Doch auch dem labilen Lyriker gibt sie alsbald wieder den Laufpass. Wer ist diese Revoluzzerin, die Dichtern und Denkern den Kopf verdreht? Die Regisseurin Cordula Kablitz-Post porträtiert in ihrem Doku-Drama diese vergessene Schriftstellerin und Psychoanalytikerin. „Ich allein bin wirklich“ lautet das Lebensmotto dieser Hohepriesterin der Selbstverwirklichung, die in ihren verschiedenen Lebensphasen von Liv-Lisa Fries, Katharina Lorenz und Nicole Heesters verkörpert wird. Ihre zentrale Botschaft lautet: „Die Welt, sie wird dich schlecht begaben, glaube mir’s! Sofern du willst ein Leben haben, raube dir’s!“

Deutschland/Schweiz 2016, Regie: Cordula Kablitz-Post, Darsteller: Alexander Scheer, Philipp Hauß, Julius Feldmeier, ab 6, 113 min

 

12.10. | La Isla Minima

18.00/20.30

la-isla-minima1980 tief im spanischen Süden: Der junge Kriminalbeamte Pedro (Raul Arevalo) wird von Madrid in ein kleines, verschlafenes Nest in Andalusien versetzt. Dort soll er mit seinem neuen Kollegen Juan (Javier Gutierrez) das Verschwinden zweier Schwestern aufklären. Doch die Vorzeichen für die Ermittlungen stehen alles andere als gut. Die politischen Ansichten der beiden Polizisten könnten unterschiedlicher nicht sein und die Eigenheiten der verschwiegenen Dorfbewohner erschweren ihnen die Arbeit zusätzlich.

Erst fünf Jahre liegt die faschistische Diktatur zurück und die Zerbrechlichkeit der noch so jungen Demokratie ist überall mit Händen zu greifen, deutlich sichtbar an den Franco-Bildern, die immer noch in vielen Wohnungen und Hotelzimmern hängen. Die beiden Ermittler verkörpern diesen Gegensatz geradezu symbolisch. Hier Pedro, der überzeugte Demokrat mit dem Willen zur gesellschaftlichen Veränderung, dort Juan, gewaltbereit und insgeheim dem Faschismus nachtrauernd. Dem Regisseur Alberto Rodriguez gelingt es in beeindruckender Weise, das Trauma der diktatorischen Unterdrückung mit einer atmosphärisch dichten Inszenierung zu verbinden. Er präsentiert ein glaubhaftes und authentisches Bild von der Stimmung und der Atmosphäre jener schwierigen Jahre des Umbruchs. Bei den Goya-Verleihungen 2015, dem spanischen Gegenstück zum Oscar, war dieser Neo-Noir-Thriller der große Abräumer: Bei insgesamt 17 Nominierungen konnte der in Sevilla und anderen Gebieten Andalusiens gedrehte Film sage und schreibe zehn Preise mit nach Hause nehmen.

Spanien 2014, Regie: Alberto Rodriguez, Darsteller: Raul Arevalo, Javier Gutierrez, Antonio de la Torre, ohne Altersangabe, 105 min

 

5.10. | 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden

18.00/20.30

bei_abpfiff_friedenDer Nahost-Konflikt zwischen Israel und Palästina scheint bzw. ist unlösbar. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt. Jetzt gibt es aber doch einen Weg zum Frieden und den eröffnet – der Fußball. Genauer gesagt, ein Fußballspiel, ein einziges. Die Mannschaften Israels und Palästinas bestreiten einfach ein 90-Minuten-Match und wer gewinnt, darf bleiben, die unterlegene Gegenseite muss das Land verlassen. Dieses hochgradig absurde Ausgangsszenario setzt der israelische Regisseur Eyal Halfon äußerst ideenreich in Szene. Allerdings beschäftigt er sich nicht mit dem Fußballspiel an sich, sondern mit den diplomatischen und sportlichen Vorbereitungen des alles entscheidenden Matches. Und da zeigt sich, dass der Teufel wie üblich im Detail steckt. Zum Beispiel wird ausgerechnet der deutsche Herr Müller (Detlev Buck) als Trainer der israelischen Mannschaft auserkoren. Geht das überhaupt? Und das palästinensische Team gelangt erst gar nicht zum Training, da dessen Bus ständig an israelischen Checkpoints aufgehalten wird. Auch die Auswahl eines hinreichend neutralen Schiedsrichters erweist sich als harter Brocken in den Verhandlungen. Der Regisseur Halfon erzählt seinen Film als Mockumentary, einer Art satirischer Schein-Dokumentation. So gelingt es ihm, der bitteren Realität mit Sarkasmus, Ironie und Humor zu begegnen. Diese „dokumentarischen“ Elemente sind es, die „90 Minuten“ mitunter fast authentisch wirken lassen – obwohl der Lösungsansatz ausgedachter nicht sein könnte.

Israel 2015/2016, Regie: Eyal Halfon, Darsteller: Mosche Ivgy, Norman Issa, Detlev Buck, ohne Altersbeschränkung, 85 min