22.2. | Hell or High Water

18.00/20.30

hell-or-high-waterDas Brüderpaar Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) bewirtschaftet Haus und Hof im westlichen Texas. Ihr Problem: die fälligen Zinsen bei der Texas Midlands Bank zurückzuzahlen. Ihre Lösung: mehrere Filialen genau dieser Bank auszurauben, um das nötige Kleingeld aufzutreiben. Ihre Gegner: der Texas-Ranger Marcus (Jeff Bridges) und sein Partner Alberto (Gil Birmingham), die gnadenlos die Jagd auf das Brüderpaar aufnehmen. Die meisten Kinofilme vermitteln eine einfache Moral, hier das Gute, dort das Böse. Der britische Regisseur David Mackenzie enthält sich derartiger Vereinfachung. Und er hat das Genre des Westerns in die Moderne verlegt. Statt hoch zu Ross sind die Protagonisten mit dem Pick-Up unterwegs. Mackenzie ist ein atmosphärisch dichter Film gelungen, wozu die melancholische Musik Nick Caves und Warren Ellis‘ maßgeblich beiträgt. Und eine kräftige Prise Humor wird ebenso dazu gemengt, auch wenn es der tiefschwarze eines Quentin Tarantino ist.

USA 2016, Regie: David Mackenzie, Darsteller: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, ab 12, 102 min

15.2. | Nocturnal Animals

18.00/20.30

nocturnal-animalsSusan Morrow (Amy Adams) führt in Los Angeles eine erfolgreiche Galerie. Eigentlich ein schönes Dasein, könnte man meinen, doch bei Lichte betrachtet lebt sie in einem Designer-Käfig aus Glas, Stahl und Beton. Ein Leben im Kontroll-Modus, entfremdet bis zur Erstarrung. Da erhält sie ein Roman-Manuskript mit dem geheimnisvollen Titel “Nocturnal Animals“ (nachtaktive Tiere). Ihr Ex-Ehemann Tony (Jake Gyllenhaal) hat es verfasst und dieses Buch bricht in Susans durchgestylte Welt ein wie eine Naturgewalt. Eine archaische Geschichte hat sich Tony da ausgedacht. Ein Familienvater fährt mit Frau und Tochter auf einer verlassenen texanischen Landstraße. Die Familie wird von sadistischen Hooligans überfallen, die beiden Frauen vergewaltigt und verschleppt. Der Mann Edward (ebenfalls gespielt von Jake Gyllenhaal) nimmt mit einem todkranken Polizisten (Michael Shannon) die Verfolgung auf, die in einer Racheorgie endet. Eigentlich präsentiert der Regisseur Tom Ford in „Nocturnal Animals“ zwei Filme. Susans reale und doch so künstliche Welt in Los Angeles prallt ungebremst auf die trostlose texanische Einöde, eine schmutzige Neo-Noir-Szenerie mit Anleihen bei David Lynch und Quentin Tarantino entfaltet sich hier. Beide Ebenen verschränkt Regisseur Ford immer mehr miteinander und da stellt sich die Frage: Ist der Roman eine Rachefantasie Tonys? Oder ein Hilferuf oder gar eine versteckte Annäherung an seine Ex-Frau? Tom Ford lässt das bewusst offen. Jeder Zuschauer mag es für sich selbst entscheiden.

USA 2016, Regie: Tom Ford, Darsteller: Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Arnie Hammer, ab 16, 115 min

8.2. | Ein Lied für Nour

18.00/20.30

nourMohammed Assaf ist von Kindes Beinen an leidenschaftlicher Musiker und mit einer außergewöhnlichen Stimme gesegnet. Sein Ziel: die Teilnahme an der Casting-Show „Arab Idol“ in Kairo, dem Gegenstück zu „Deutschland sucht den Superstar“. Doch wie nach Kairo gelangen? Mohammed lebt im Gaza-Streifen und aus dem herauszukommen ist zu diesem Zeitpunkt so gut wie ausgeschlossen. Dem Sänger gelingt es jedoch gegen alle Widerstände, die Grenze zu überwinden und nicht nur das. In Kairo singt er sich Runde um Runde in die Herzen der Zuschauer und gewinnt schließlich den Wettbewerb. Dieses Märchen aus Tausendundeiner Nacht hat sich 2013 tatsächlich zugetragen und der Regisseur Hany Abu-Assad hat es jetzt verfilmt. Dabei spielt für den palästinensischen Filmemacher der Casting-Wettbewerb gar nicht einmal die Hauptrolle. Viel mehr geht es ihm um die Vorgeschichte im Gaza-Streifen und um den großen Druck, der auf Mohammed lastet. Tausende Menschen verfolgen das Finale von „Arab Idol“ und hoffen auf den Sieg Mohammeds, der zur Stimme eines ganzen Volkes wird. Der Regisseur Abu-Assad hat seinen Film mit Laiendarstellern an Originalschauplätzen gedreht. So kann er das Elend der Palästinenser in ihren zerbombten Städten authentisch ins Bild setzen – genauso wie den emotionalen Ausnahmezustand, als Mohammed tatsächlich den Wettbewerb gewinnt. Für die Menschen ist das wie eine Mischung aus gewonnener Weltmeisterschaft und Mauerfall. Ein warmherziger Film voller Hoffnung und Liebe, der zeigt, dass die Kunst, zumindest manchmal, auch unter schwierigsten Bedingungen ihren Weg gehen kann.

Palästina 2015, Regie: Hany Abu-Assad, Darsteller: Tawfeek Bahon, Ahmed Rokh, Hiba Attalah, ohne Altersbeschränkung, 100 min

1.2. | Amerikanisches Idyll

ein_amerikanisches _idyll18.00/20.30

Die 1960er Jahre in den USA: Seymour „Swede“ Levov (Ewan McGregor) fällt, so scheint es, in seinem Leben immer auf die Füße. Der schon auf der Highschool umschwärmte Star der Baseball-Mannschaft erobert das Herz der örtlichen Schönheitskönigin Dawn (Jennifer Connelly) im Sturm. Obwohl seine jüdischen Eltern der Ehe mit der „Schickse“ nichts abgewinnen können, übernimmt Seymour die väterliche Handschuhfabrik und baut im Grünen ein prachtvolles Eigenheim. Dann jedoch brechen die wilden Sechziger über das Familienidyll herein. Die jugendliche Tochter Merry (Dakota Fanning) wird zu einer glühenden Gegnerin des Vietnamkrieges. Als im örtlichen Postamt eine Bombe hochgeht, wird sie zur Hauptverdächtigen und verschwindet spurlos. Von ihrer Unschuld überzeugt, setzt Seymour nun alles daran, seine geliebte Tochter wiederzufinden. Der britische Schauspieler Ewan McGregor hat sich für sein Regiedebüt den Roman „American Pastoral“ von Philipp Roth vorgenommen. US-Zeitgeschichte, Generationenkonflikte und jüdische Familientraditionen geben sich hier die Hand. Vielleicht reicht McGregors Film nicht ganz an die melancholisch-pessimistische Tiefe des Buches heran. Doch gelingt es dem Briten durch außerordentliche Werktreue und ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble, die literarische Vorlage überzeugend auf die Leinwand zu bringen.

USA 2016, Regie: Ewan McGregor, Darsteller: Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, ab 12, 109 min