30.10. | Ein Licht zw. den Wolken

18.00 / 20.30

Der schweigsame, fromme Besnik ist Ziegenhirt. Er lebt allein mit seinem todkranken Vater, den er pflegt. Hier, in der unzugänglichen Bergregion Albaniens, scheint die Zeit stehen geblieben. Die meisten jungen Leute haben die Gegend verlassen, die alten sind geblieben. Unterschiedliche Religionen treffen auf engstem Raum aufeinander, Muslime, Katholiken, Orthodoxe. Beim Besuch der kleinen Dorfmoschee entdeckt Besnik einen Riss, hinter dem sich ein Fresko mit einem Heiligenbild verbirgt, die Moschee war früher einmal eine Kirche. Für Besnik ist das kein Problem, für fast alle anderen umso mehr. Besnik setzt sich dafür ein, die Moschee zumindest zeitweise für die Christen zu öffnen. Geballte Ablehnung schlägt ihm entgegen. Der scheinbar harmlose, fromme Naturbursche entpuppt sich immer mehr als der einzige Gerechte zwischen Egoisten, Lügnern und Heuchlern, die nur den eigenen Vorteil suchen und die Religion dabei gerne als Ausrede gebrauchen. Auch familiär hat Besnik schwer zu kämpfen. In Erwartung des nahenden Todes des Vaters eilen die verstreut lebenden Verwandten herbei, getrieben von der Gier auf das Erbe. Regisseur Robert Budina bringt seine Geschichte in schönen Bildern auf die Leinwand, die wilde Berglandschaft beeindruckt dabei alleine durch ihre pure Anwesenheit. Die Innenaufnahmen erinnern in ihren warmen, dunklen Farben an Rembrandt-Gemälde, die das Elend und die Armut der Bewohner ein wenig verdecken. Dennoch ist seine Darstellung in ihrem Realismus mehr Anklage als Nostalgie. Budina konzentriert sich vor allem auf die Figur des Besnik, auf seine innere Welt und seine Gefühle. Ein Film über einen Propheten, der nichts gilt im eigenen Land – sicher keine albanische Spezialität.

Albanien 2018, Regie: Robert Budina, Darsteller: Arben Bajraktaraj, Esela Pysqyli, Irena Cahani, ohne Altersangabe, 84 min