1.12. | Die Unbeugsamen

18.00/20.30

Erst 1961 schafft es mit der CDU-Politikerin Elisabeth Schwarzhaupt erstmals eine Frau auf die Regierungsbank, als Gesundheitsministerin unter Konrad Adenauer. Zu den ersten weiblichen Bundestagsabgeordneten gehörte von 1953 bis 1961 Marie-Elisabeth Lüders von der FDP. Die verstorbenen Pionierinnen kann der Film nur noch in Archivbildern ehren. Viele Nachfolgerinnen aber erzählen in „Die Unbeugsamen“ selbst ihre Geschichte, SPD-Frau Renate Schmidt zum Beispiel. Fasziniert hört man zu, wenn gestandene Politikerinnen wie Hertha Däubler-Gmelin oder Rita Süßmuth berichten, wie hart sie sich das Ansehen in ihren Parteien einst erkämpfen mussten, von den Männern belächelt oder jovial geduldet. Mit seinem Film wirft Regisseur Torsten Körner einen Blick auf die Frauen in der Politik. Als er begann, im Archiv nach historischen Redebeiträgen und Interviews von Politikerinnen zu suchen, fand er Stoff in Hülle und Fülle. Den wesentlichen Anteil von Frauen an bahnbrechenden politischen Entscheidungen in diesem Land macht sein Film nun sichtbar.“ Ich hätte nie gedacht, dass ich mich komplett in CDU-Ministerinnen aus den 60-er und 70-er Jahren verlieben würde“, schwärmt Körner. „Die wissen sich gegen diese ganzen Männer-Anfeindungen der damaligen Zeit so tough, aber irgendwie auch mit ihrem eigenen Charme zu behaupten. Das waren für mich großartige Entdeckungen.“ Und der Stand heute? Männliches Spitzenpersonal ist bei den Traditionsparteien wieder weitgehend unter sich, die Frauenquote im Bundestag gesunken, das Thema ist also aktueller denn je. Auf jeden Fall kann man festhalten: Torsten Körner ist eine faszinierende Dokumentation über starke Frauen in der deutschen Nachkriegspolitik gelungen.

Deutschland 2021, Regie: Torsten Körner, Dokumentarfilm, ohne Altersbeschränkung, 100 min