11.11. | Space Dogs

18.00/20.30

Den Namen Laika kennt in Russland jedes Kind. Die Straßenhündin aus Moskau, die am 3. November 1957 als erstes Lebewesen an Bord von Sputnik 2 ins All geschossen wurde, ist zu einer Heldin der Sowjetunion geworden. Ihr Schicksal war jedoch tragisch. Weil die Raumkapsel damals nicht zur Erde zurückkehren konnte, trieb sie mit der da längst gestorbenen Hündin monatelang durchs All, bevor sie und mit ihr der Leichnam von Laika beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte. Seit diesem Moment, so geht die Erzählung, bewege sich der Geist Laikas durch die Straßen Moskaus und habe von allen Straßenhunden der russischen Hauptstadt mehr oder weniger Besitz ergriffen. Exemplarisch für alle Hunde folgt „Space Dogs“ zweien dieser Tiere, die namenlos bleiben. Stets auf Augenhöhe folgt der Film den beiden Hunden auf ihrer Suche nach Futter und einem Schlafplatz. Die Vierbeiner wirken dabei so, wie man sich in Katastrophenfilmen Überlebende nach einer gewaltigen Naturkatastrophe vorstellt – wobei ihnen allerdings jegliche Verzweiflung abgeht. Sie waren schließlich von Anfang an auf sich selbst gestellt und sind zu Überlebenskünstlern geworden. Die Spezies Mensch tritt in „Space Dogs“ nur selten in Erscheinung, zum Beispiel als einfacher Passant, der Laikas Nachfahren respektiert und in manchen Momenten so wirkt, als sei er eine Tierart, der wir und die Hunde beiläufig beim Herumstreifen zuschauen. Die ausgeklügelte und sehr faszinierende Kamera (Junus Roy Imer), die gemeinsam mit den Hunden die nächtlichen Straßen Moskaus erkundet, lässt auf monatelange Vorarbeiten und einen Prozess der Gewöhnung schließen. Die Einbindung von Laikas Geschichte als Heldin der Eroberung des Weltraums formt eine Gedanken- und Bilderwelt, die hinter dem eigentlich Gezeigten einen universellen Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Tier erzeugt. Alexej Serebrjakow, der Erzähler im Hintergrund, der das Grundgerüst des Films bildet, erschafft ein eigenartiges Zwischenreich, das sich an vielen Stellen anfühlt wie ein Vorgriff auf jene nahe Zukunft, in der der Mensch nicht mehr das Zentrum der Welt sein wird, sondern nur noch eine Art unter vielen anderen. The dogs are coming! And thank god they’re friendly.

Österreich/Deutschland/Russland 2019, Regie: Elsa Kremser und Levin Peter, Dokumentarfilm, ab 12, 91 min