11.3. | Pferde stehlen

18.00/20.30

Im Rahmen der Literarischen Wochen in Kooperation mit der Volkshochschule Bremerhaven

Eigentlich ist der alte Trond Sander (Stellan Skarsgard) in das einsame Haus am Wald gezogen, um nicht länger behelligt zu werden. Selbst den bevorstehenden Jahrtausendwechsel, die Silvesternacht 1999, will der 67-jährige alleine mit seinem Hund verbringen. Aber dann trifft er seinen Nachbarn Lars (Björn Floberg), auch der ein alter Mann. In ihm erkennt Trond einen Freund aus Jugendtagen und die Erinnerung an den Sommer 1948 bricht sich Bahn in ihm mit einer Naturgewalt, die ihn überwältigt. Mit seinem Vater hatte der 15-jährige Trond (Jon Ranes) jenen Sommer verbracht, in einer Sennhütte nahe der norwegisch-schwedischen Grenze. Lars, der kleine Nachbarsjunge, hatte beim Spielen versehentlich seinen Zwillingsbruder erschossen. Das geheime Verhältnis zwischen Tronds Vater und Lars‘ Mutter offenbart sich erst nach und nach. Am Ende des Sommers wird der Vater seine Familie für die andere verlassen. Trond sieht ihn nie wieder. „Du entscheidest selbst, wann es wehtut“, diese Lebensregel hatte ihm sein Vater bei verschiedenster Gelegenheit beigebracht, aber der Trennungsschmerz ist für den Jungen kaum zu bewältigen. „Pferde stehlen“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Per Petterson, dem erfolgreichsten norwegischen Roman überhaupt, in 50 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Der Regisseur Hans Petter Moland hat das Buch, neben der eigentlichen Handlung, visuell großartig umgesetzt. Er zeigt die norwegische Landschaft in all ihrer kraftvollen Schönheit. Und Bäume, immer wieder Bäume. Die vor der Hütte gefällten Tannen, die mit all ihrem Gewicht in den Fluss donnern, um stromabwärts nach Schweden transportiert zu werden. Der bei der letztjährigen Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären laufende Film ist eine zutiefst beeindruckende Vater-Sohn-Geschichte, eine Saga über Schuld und Vergebung und vor allem ein Film über die Wucht der Erinnerung.

Norwegen/Schweden 2019, Regie: Hans Petter Moland, Darsteller: Stellan Skarsgard, Jon Ranes, Tobias Santelmann, Björn Floberg, ab 12, 123 min

Zur 18-Uhr-Vorstellung gibt es eine Einführung von Silke Siedenburg (Kommunales Kino Bremerhaven)