18.11. | Niemals selten manchmal immer

18.00/20.30

Autumn (Sydney Flanigan) ist 17, aufgewachsen im Arbeitermilieu des ländlichen Pennsylvania. Wir erfahren, dass sie schwanger ist und dass sie von ihren Eltern keine Hilfe erwarten kann. Sie möchte das Kind nicht behalten und weil Minderjährige in Pennsylvania nur mit Einwilligung ihrer Erziehungsberechtigten abtreiben dürfen, reist sie nach New York, wo es diese Bedingung nicht gibt. In ihrer Cousine Skylar (Talia Ryder) findet sie die Verbündete, die sie in dieser Situation braucht und die sie begleitet. In den Aufklärungsgesprächen der New Yorker Abtreibungsklinik gewinnt dieser Film fast dokumentarische Qualität. Die Regisseurin Eliza Hittman zeigt beides: die professionelle Zugewandtheit der Mitarbeiter und die psychologische Bürde eines Schwangerschaftsabbruchs. Autumn muss viele Fragen beantworten, Fragen danach zum Beispiel, wie oft sie sexuell bedrängt und genötigt wurde. Ihre Antwortmöglichkeiten bilden den Titel des Films: nie, selten, manchmal, immer – und die Szene, in der ihr diese Fragen gestellt werden, wird aus dem feministischen Kino künftig nicht mehr wegzudenken sein. Die Regisseurin Hittman bewies bereits in ihren früheren Filmen großes Geschick darin, junge unbekannte Schauspieler-Talente zu entdecken, so auch diesmal. Die Newcomerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder verkörpern die beiden Hauptrollen mit großer emotionaler Präzision. Kein Wunder, dass Never Rarely Sometimes Always erfolgreich beim Sundance Film Festival gezeigt wurde und dann auch bei der letzten Berlinale den Weg in den Goldenen Bären-Wettbewerb fand.

USA 2020, Regie: Eliza Hittman, Darsteller: Sidney Flanigan, Talia Ryder, Sharon Van Etten, ab 6, 101 min