4.3.| Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

18.00/20.30
Zum Internationalen Frauentag 2020
In Kooperation mit den Soroptimisten Bremerhaven

Rio de Janeiro, 1950. Die unzertrennlichen Schwestern Euridice und Guida Gusmao (Carol Duarte und Julia Stockler) sind voller Träume. Euridice will Konzertpianistin werden, Guida träumt von Liebe und Freiheit. Doch die Enge ihres konservativen Elternhauses und die traditionellen Vorstellungen ihres Vaters Manuel (Antonio Fonseca) lassen keinen Platz für solche Sehnsüchte. Gute Ehefrauen und Mütter – einen anderen Weg kann sich Manuel nicht für seine Töchter vorstellen. Euridice heiratet denn auch den konservativen Antenor (Gregorio Duvivier), mit dem sie ein Kind bekommt. Doch Guida will sich nicht fügen und wandert mit dem griechischen Matrosen Iorgos (Nikolas Antunes) in dessen Heimat aus. Als sie ebenfalls schwanger wird, die Beziehung zu Iorgos aber scheitert, kehrt sie in die Heimat zurück. Doch statt dort von ihrer Familie aufgenommen zu werden, sieht der strenge Vater nur die Schmach, die die unehelich schwangere Tochter über den guten Familiennamen zu bringen droht. Er verstößt Guida und lügt ihr gleichzeitig vor, Euridice sei nach Österreich ausgewandert. In den nächsten Jahren leben beide Schwestern in Rio de Janeiro, ohne jeweils zu wissen, dass die schmerzlich vermisste Verbündete in derselben Stadt wohnt. Der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Ainouz hat sich für seinen Film den Roman „Die vielen Talente der Schwestern Gusmao“ von Martha Batalha vorgenommen. Er erzählt die doppelte Lebensgeschichte der getrennten Schwestern vor dem Hintergrund der konservativ-patriarchalischen brasilianischen Gesellschaft der 1950-er Jahre. Die Tragik, dass die Leben der beiden Schwestern parallel stattfinden, wo sie sich gegenseitig doch eine wichtige Stütze sein könnten, liegt dabei über jeder Szene. Dennoch wirft der Film aller tränenreichen Schwermut zum Trotz einen optimistischen Blick auf das Leben, das Lieben und die vielen Hochs und Tiefs, die damit einhergehen. Farbenfroh sind die Bilder, ohne in Kitsch abzudriften. Ein Film der großen Gefühle, der beim Filmfestival in Cannes 2019 mit dem Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet wurde.

Brasilien 2019, Regie: Karim Ainouz, Darsteller: Carol Duarte, Julia Stockler, Antonio Fonseca, ab 12, 139 min