5.1. | Lieber Thomas

17.30/19.30

Die DDR ist noch jung, aber Thomas Brasch (Albrecht Schuch) passt schon nicht mehr rein. Es ist vor allem sein Vater Horst (Jörg Schüttauf), der den neuen deutschen Staat mitaufbauen will. Doch Thomas möchte viel lieber Schriftsteller werden. Er ist ein Träumer, ein Besessener und ein Rebell. Schon sein erstes Stück wird verboten und bald fliegt er auch von der Filmhochschule. Als 1968 die sowjetischen Panzer dem Prager Frühling ein Ende bereiten, protestiert Brasch mit einer Flugblattaktion in den Straßen Berlins. Sein eigener Vater verrät ihn, Thomas kommt ins Gefängnis. Auf Bewährung entlassen, schreibt er über die Liebe, die Revolte und den Tod. Mit so einem kann man in der DDR nichts anfangen. Er verlässt mit der Frau, die er liebt (Jella Haase) seine Heimat und geht in den Westen. In der Bundesrepublik anfangs bejubelt, lässt er sich auch hier nicht vereinnahmen. Auch nach dem Mauerfall, zurück in Ost-Berlin, ist er weit davon entfernt, Ruhe zu geben. Regisseur Andreas Kleinert porträtiert in „Lieber Thomas“ diesen widerständigen Geist auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs – und genauso dessen systemtreuen Vater, der im Arbeiter- und Bauernstaat bis zum stellvertretenden Kulturminister aufstieg. Eine beeindruckende Familienbiographie mit Albrecht Schuch und Jörg Schüttauf als doppeltem Kraftzentrum.

Deutschland 2021, Regie: Andreas Kleinert, Darsteller: Albrecht Schuch, Jörg Schüttauf, Jella Haase, ab 16, 150 min