7.10. | Sentimental Value

17.30

Im Anschluss an die Vorstellung wird der Film von dem Bremer Psychoanalytiker Lorenz Böllinger kommentiert.

Die Villa, in der die norwegische Familie Borg seit Generationen lebt, ist ein kleines architektonisches Juwel. Für „Sentimental Value“ ist dieser Schauplatz so unverzichtbar, dass er eine eigene Erzählstimme erhält, die aus dem Off berichtet, wie die Räume mit ihren Bewohnern leben. Die Villa wird zu einem emotionalen Minenfeld, als Gustav Borg (Stellan Skarsgard) nach der Beerdigung seiner Frau plötzlich in das Leben seiner Töchter zurückkehrt. Nora (Renate Reinsve) hat ihm nie verziehen, dass er die Familie verließ, ihre jüngere Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) ist milder gestimmt. Der Vater war einmal ein berühmter Regisseur und hat ein Drehbuch über den Selbstmord seiner Mutter mitgebracht, das er am Realschauplatz verfilmen will. Nora, eine gefeierte Bühnenschauspielerin, soll die Hauptrolle übernehmen. Brüsk weist sie sein Angebot zurück, das insgeheim ein väterliches Liebeswerben ist. Gustav macht sich notgedrungen auf die Suche nach einer neuen Hauptdarstellerin, gibt die Hoffnung auf Noras Teilnahme aber nicht auf. Der Film ist ein emotional besonders berührendes, über fünf Generationen reichendes Familiendrama. Wie in einem psycho-therapeutischen Prozess, jedoch im Medium Film kunstvoll verdichtet, werden Entstehung, Weitergabe und tendenzielle Auflösung einer Traumatisierung verstehbar gemacht.

Norwegen/Dänemark/Schweden 2025, Regie: Joachim Trier und Eskil Vogt, Darsteller: Stellan Skarsgard, Renate Reinsve, Inga Ibsdotter Lilleaas, ab 12, 133 min

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung