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Das Koki-Team wünscht allen Filmbegeisterten gute Unterhaltung.
Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Der junge New Yorker Musiker Niki White (Leo Woodall) leidet unter einer krankhaften Geräuschüberempfindlichkeit. Alltagssounds wirken für ihn ohrenbetäubend, die ganze Welt ist für ihn eine lärmende Baustelle. Ein Musiker, der unter Tönen leidet, muss sich notgedrungen neu orientieren. Seine vielversprechende Karriere als Konzertpianist gibt Niki auf, um sodann aus dem Fluch der Überempfindlichkeit einen Segen zu machen – er wird Klavierstimmer. Zusammen mit seinem älteren Kollegen Harry (Dustin Hoffman) zieht er von Auftrag zu Auftrag in den ehrwürdigen Konzertsälen New Yorks. Da schließt der zunehmend vergessliche Harry versehentlich sein Hörgerät im Safe ein und Niki findet quasi zufällig heraus, zu was sein übersensibles Gehör außerdem noch in der Lage ist. Es macht ihn zum perfekten Safeknacker, da er die Verschleißspuren am Zahlenrad sowie das Klacken des Schlosses genau hören kann. Und weil Harry nach einem Herzinfarkt die Krankenhauskosten nicht bezahlen kann, lässt sich Niki auf einen Pakt mit dem Teufel ein, genauer gesagt mit dem korrupten Boss einer Sicherheitsfirma, der sein Insiderwissen für Raubüberfälle nutzt. Der Regisseur Daniel Roher beginnt seinen Film als liebenswerte Kumpelkomödie über den Arbeitsalltag der beiden Klavierstimmer. Romantische Töne mischen sich dann hinein, als Niki die Musikstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) mit seinem absoluten Gehör betört und schließlich kippt der Film in einen veritablen Thriller. Und all dies geschieht so fließend, wie ein virtuoser Musiker die Tonlage wechselt.
USA/Kanada 2026, Regie: Daniel Roher, Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, ab 12, 109 min
Die 59-jährige Heike (Sabine Thalau) arbeitet als Objektleiterin einer Gebäudereinigungsfirma. Sie kontrolliert Reinigungskräfte in Einkaufszentren, Kindergärten und Bürohäusern.Sie organisiert Vertretungen und telefoniert pausenlos mit Leuten, die sich über mangelnde Hygiene beschweren.“Ich verstehe Ihren Unmut“, sagt sie dabei ständig. Ein höflicher Satz, aber schon nach der zehnten Wiederholung wirkt er vollkommen inhaltsleer. Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Kilian Armando Friedrich besticht durch seine unmittelbare Nähe zu seinen Figuren. Die eingesetzte Handkamera klebt geradezu an Heike. Sie rennt Treppen hoch, stopft Putzlappen in Säcke, hetzt mit dem Handy am Ohr durch Parkhäuser und Hintereingänge. Selbst beim Zuschauen bleibt einem irgendwann die Luft weg. Aus dieser Situation macht der Film aber keineswegs eine einfache Anklage und schon gar kein Wohlfühl-Arbeiterdrama. Heike ist keine Heldin. Sie sabotiert Streikversuche, streckt heimlich Reinigungsmittel zum Weiterverkauf, betreibt die Kündigung eines Mitarbeiters. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur so stark. Regisseur Friedrich zeigt, wie Menschen unter permanentem Druck beginnen, das System zu unterstützen, das sie selbst zerstört. Sabine Thalau spielt Heike mit einer Wucht, die von der Wirklichkeit gespeist wird, sie stammt selbst aus der Reinigungsbranche. Zahlreiche weitere Szenen beruhen auf Erfahrungen aus Friedrichs Recherche. Das verleiht dem Film eine Rohheit, die man im deutschen Kino selten sieht. Wenn Heike im Auto gleichzeitig Kunden beruhigt, Krankmeldungen organisiert und von ihrem Chef zusammengestaucht wird, entsteht ein Stressniveau, das fast körperlich spürbar wird. Und doch blitzen zwischen all dem Druck auch immer wieder kleine Gesten der Solidarität auf, kurze Momente gemeinsamer Erschöpfung. Mehr Hoffnung wäre auch verlogen.
Deutschland 2026, Regie: Kilian Armando Friedrich, Darsteller: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Sadibou Diabang, ohne Altersangabe, 93 min
Beide Vorstellungen werden in der chinesischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Die Menschen haben Unsterblichkeit erlangt, indem sie das Träumen abgeschafft haben, denn sie haben herausgefunden, dass Träume die Lebenszeit aufzehren – wie die Flamme das Wachs einer Kerze. Das ist die Ausgangslage in dem phantastischen Science-Fiction-Film des chinesischen Regisseurs Bi Gan. Nur ein paar Unbelehrbare gibt es noch in dieser visionären Welt, „Deliriants“ genannt, die einfach nicht aufhören wollen, sich ihren Träumen hinzugeben. Unbarmherzig werden sie verfolgt von der Agentin „Die Große Andere“ (Shu Qi) und als die schließlich einen von ihnen aufspürt, macht sie eine besondere Entdeckung. Der Ungehorsame (Jackson Yee) trägt einen Projektor in seinem Körper und mit dem setzt die Andere nun die Träume des Delirienten wie einen Film in Gang – eine intensive innere, allerdings auch letzte Reise. Es ist eine Reise, die, mit Prolog und Epilog, aus sechs Episoden besteht, die unterschiedliche Filmgenres und Jahrzehnte repräsentieren. Vom Stummfilm-Prolog geht es über den deutschen Expressionismus, den film noir, den Gangster- und Vampirfilm zur Hongkong-New Wave in der Silvesternacht 1999. Ein hypnotischer Trip durch fremde Welten und durch die Filmgeschichte oder wie ein österreichischer Kritiker es euphorisch ausdrückte: „ „Resurrection“ übersetzt das Filmgedächtnis der Menschheit ins Chinesische.“
China/Frankreich 2025, Regie: Bi Gan, Darsteller: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, ab 16, 160 min
Die 16-jährige Lea (Frida Hornemann), mit einer schönen Singstimme begabt, hat es in die Vorrunde einer TV-Castingshow in München geschafft. Doch sie ist keine Selbstdarstellerin und weiß nicht, wie sie sich geschickt in Szene setzt. Und Leas familiäre Lebensumstände eignen sich auch nicht gerade für eine „Home Story“, die das Fernsehteam gerne erzählen möchte. Ihre Eltern haben sich vor kurzem getrennt, da ihre Mutter (Gina Henkel) ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Die Sechzehnjährige lebt nun mit ihrem Vater (Max Riemelt) im Waldhotel der Großeltern. Das ist allerdings in die Jahre gekommen und außerdem insolvent. Dann ist da noch ihre Tante Kati, die das Museum im Stadtschloss leitet. Ihr Geschichtskonzept stößt allerdings in der Familie auf wenig Gegenliebe. Es sind also einigermaßen turbulente Verhältnisse, die die Regisseurin Eva Trobisch hier ausbreitet. Atmosphärisch dicht und feinfühlig erzählt, umspannt der Film die Blickwinkel dreier Generationen. Die 1983 in Ost-Berlin geborene Filmemacherin siedelt die Handlung in der malerischen Residenzstadt Greiz im östlichen Thüringen an. Die Wahl des Schauplatzes sowie die Familienkonstellation mit all ihren Brüchen vor und nach dem Mauerfall werfen damit ein Schlaglicht auf historische und aktuelle ostdeutsche Lebensrealitäten.
Deutschland 2026, Regie: Eva Trobisch, Darsteller: Frida Hornemann, Eva Löbau, Rahel Ohm, ab 12, 116 min
Beide Vorstellungen werden in der zweisprachigen Original-fassung gezeigt (deutsch undenglisch / mit deutschenUntertiteln).
Erich Fried, einer der größten politischen Lyriker deutscher Zunge, starb 1988 im Alter von 67 Jahren. Von Geistesgrößen geradezu umschwärmt, blieb er seinem eigenen Sohn Klaus merkwürdig fremd. Der begibt sich mit seinem Dokumentarfilm „Friendly Fire – Erich Fried“ nun auf Spurensuche, um Stück für Stück die Puzzleteile des Lebensweges seines Vaters zusammenzusetzen. 1938 die Flucht des österreichisch-jüdischen Jugendlichen von Wien nach London, nachdem Hitler die Alpenrepublik überrollt hatte, gefolgt von den Ereignissen der deutschen Teilung nach dem II. Weltkrieg, Die turbulenten 1960-er bis 1980-er Jahre schließen sich an, die Zeit der 68-er- Bewegung und der Terroranschläge der Rote-Armee-Fraktion. Und mittendrin Erich Fried, der sich vor keinen ideologischen Karren spannen lässt. Als jüdischer Emigrant kritisiert er die israelische Politik auf das heftigste und als linker Pazifist und Antifaschist besucht er den Neonazi Michael Kühnen im Gefängnis, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen (überzeugen will er Kühnen natürlich auch, aber das misslingt). Klaus Fried präsentiert zusammen mit seiner Co-Autorin Julia Albrecht eine Mischung aus Roadmovie (gedreht in Berlin, Wien, London und Baden-Baden), zeitgeschicht-licher Dokumentation und Interviews zur Familiengeschichte. Und dass auch zahlreiche Gedichte des zeitlebens für Verständigung arbeitenden Lyrikers vorgetragen werden, wird seine Anhänger besonders erfreuen.
Deutschland/Österreich 2025, Regie: Klaus Fried und Julia Albrecht, Dokumentarfilm, ab 12, 109 min
Ein namenloser junger Mann (Kazunari Ninomiya) steigt in Tokio aus der U-Bahn aus und strebt dem Ausgang der Station zu – doch er kann ihn nicht finden. Keine Tür, keine Treppe, stattdessen kommt er immer wieder an denselben Schließfächern vorbei. Wird er ewig im Kreis laufen? „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen japanischen Computerspiels und das geht so: „Du bist in einer endlosen Untergrundpassage gefangen. Beobachte Deine Umgebung mit äußerster Sorgfalt und finde Ausgang 8.“ Es gilt, klitzekleine Abweichungen zu erkennen, die den Weg weisen aus der Endlosschleife. In der Filmadaption des Regisseurs Genki Kawamura begegnet die Hauptfigur immer wieder einem älteren Mann (sein gealtertes Ich?), der die Schleife offenbar seit Jahrzehnten wie ein Roboter durchläuft. Und dann ist da noch der kleine Junge (sein ungeborener Sohn?) – weiß der vielleicht den Weg nach draußen? „Exit 8“ ist die filmische Umsetzung der Angst eines jungen Mannes vor der Vaterschaft, die ihn mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Der weicht er aus, indem er sich in eine endlose Schleife flüchtet. Diese beklemmende Situation ist typisch für japanische Regisseure, die absurd erscheinende Ideen spielerisch aufgreifen, um sie dann konsequent auf die Spitze zu treiben. Ein psychedelischer Horror-Mysterythriller der besonderen Art.
Japan 2025, Regie: Genki Kawamura, Darsteller: Kazumari Ninomiya, Yamato Kochi, Nana Komatsu, ab 12, 95 min
Der Libanon, ein Land im permanenten Ausnahmezustand, in dem Krieg und wirtschaftliches Chaos den Alltag bestimmen. Mal sehr subtil, dann wieder ganz unmittelbar. Vor diesem Hintergrund erzählt der Regisseur Cyril Aris eine schmerzhafte Liebesgeschichte voller Magie, Poesie und unausweichlicher Grausamkeit. Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) heißt das Paar und es beginnt wie in einer turbulenten Hollywood-Liebeskomödie. Doch schon wenig später ziehen die ersten Wolken auf in der Beziehung des lebenslustigen, unverbesserlichen Optimisten Nino und der pragmatisch-sachlichen Yasmina. Beide tragen schwer an traumatischen Familienereignissen, an Trennung bzw. Tod ihrer Eltern. Collagenhaft und mit Zeitsprüngen folgt Cyril Aris dieser Liebe zweier so unterschiedlicher Menschen. Er findet dafür eindrückliche Bilder, mal von eleganter Schönheit, mal von verspielter Phantasie. Schon der Titel sagt es: Dieser Film erzählt eine wunderschöne und eine todtraurige Geschichte in einer beängstigenden Umgebung. So wird „A Sad and Beautiful World“ auch zu einer universellen Geschichte.
Libanon 2025, Regie: Cyril Aris, Darsteller: Mounia Akl, Hasan Akil, Julia Kassar, ab 12, 110 min
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