KOKI-Filmprogramm

Das kommunale Kino Bremerhaven zeigt sein Filmprogramm immer mittwochs im Cinemotion Kino Komplex in Bremerhaven.

Die Vorstellungszeiten sind 18.00 und 20.30 Uhr,
abweichende Zeiten stehen im Filmprogramm.

Die Filme werden ohne Werbung präsentiert und beginnen direkt zu den angegebenen Vorstellungszeiten.

Kinokarten für unser KOKI Programm sind an der Kinokasse erhältlich oder online ausschließlich über die Internetseite des CineMotion.

Klicke Sie hier, um Karten über die CineMotion Website zu bestellen.

In der Regel können die Karten sieben Tage im Voraus erworben werden. Sollte ein Film noch nicht im Angebot sein, so besuchen Sie die Website bitte später noch einmal.

Alternativ können Sie auch die CineMotion Smartphone App verwenden.

Das Koki-Team wünscht allen Filmbegeisterten gute Unterhaltung.

22.7. | Nachbeben

18.00/20.30

Die Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak) arbeitet auf der unterbesetzten Schlaganfallstation eines dänischen Krankenhauses. Jedes Zögern und jede falsche Entscheidung können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Als der 18-jährige Oliver (Jacob Spang Olsen) mit einem diffusen Kopfschmerz und einer Nackenstarre in die Klinik kommt, lautet ihr Befund „Unauffällig“ und sie entlässt den jungen Mann gemeinsam mit seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) wieder. Wenig später bricht Oliver mit einer Hirnblutung zusammen. Alex muss feststellen, dass sie einen Fehler gemacht hat, der nicht wiedergutzumachen ist. Das Second-Victim-Phänomen beschreibt die Belastung, die Behandlungsfehler beim Gesundheitspersonal auslösen können. „Second Victims“ lautet auch der internationale Titel dieses Langfilmdebüts der dänischen Regisseurin Zinnini Elkington und der hätte deutlich besser gepasst als der deutsche. Es gibt nämlich mehr als ein Opfer in „Nachbeben“ – neben dem toten 18-jährigen dessen Eltern, die Neurologin Alex und das gesamte Umfeld. Die Filmemacherin Elkington sucht dabei keine einfachen Antworten, sondern blättert in intensiven und dabei oft ganz leisen Bildern die Strukturen auf, die eingezwängt sind in einem dichten Geflecht aus Angst, Verantwortung und Trauer. Sie beschreibt ein System, das alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt – mit einem brillanten Hauptdarsteller-Duo Özlem Saglanmak und Trine Dyrholm.

Dänemark 2025, Regie: Zinnini Elkington, Darsteller: Özlem Saglanmak, Trine Dyrholm, Mathilde Arcel Fock, ab 12, 92 min

29.7. | Verflucht normal

18.00/20.30

1983 im schottischen Ort Galashiels. Beim 12-jährigen John Richardson zeigen sich erste Symptome des Tourette-Syndroms. Es beginnt mit ruckartigen Bewegungen des Kopfes, unkontrollierbare, zumeist sexuell grundierte Flüche mitten im normalen Redefluss kommen hinzu. Entschuldigungen und Erklärungen ( „I can’t help it“) stoßen auf taube Ohren, die Krankheit als Ursache des Ganzen wird nicht erkannt. Stattdessen reagiert die Umwelt mit Spott, Strafen und Ausgrenzung. Es ist dieses Unverständnis seiner Umgebung, das John fünfzehn Jahre später immer noch verfolgt. Erst der Kontakt mit einem ehemaligen Mitschüler und dessen Mutter Dottie (Maxine Peake) bringt eine Wendung in sein Leben. Beide behandeln ihn mit Verständnis und Empathie. Auch in seinem ersten Job als Gemeinde-hausmeistergehilfe geht es voran. Sein Chef Tommy Trotter (Peter Mullan) ist ein Mann vorbehaltloser Toleranz. Der Regisseur Kirk Jones erzählt in seiner Mischung aus Humor, Drama und Aufklärung die, wahre, Geschichte dieses John Davidson, der, am Tourette-Syndrom erkrankt, jahrzehntelang über die neuropsychiatrische Krankheit aufklärte und für seinen Einsatz im Jahr 2019 mit dem Orden des British Empire (OBE) ausgezeichnet wurde. Robert Aramayo verkörpert ihn in „Verflucht normal“ auf eine Weise, die dem Schauspieler den britischen Filmpreis BAFTA einbrachte.

Großbritannien/Irland 2025, Regie: Kirk Jones, Darsteller: Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan, ab 12, 121 min

5.8. | Die kleine Amelie oder der Charakter des Regens

18.00

Das kleine Baby Amelie schaut aus großen grünen Augen in die Welt hinaus. Ansonsten verhält es sich für einen Säugling, nun ja, einigermaßen unkonventionell. Es schreit nicht und stellt keine Ansprüche, es will erst einmal gar nichts außer mit dabei sein. Den Eltern kommt das sehr gelegen, haben sie doch bereits zwei temperamentvolle Sprösslinge und mit diesen alle Hände voll zu tun. Die belgische Familie – der Vater arbeitet im diplomatischen Dienst – lebt in Japan und dort passiert es auch, dass Amelie an ihrem zweiten Geburtstag von einem ortstypischen Mini-Erdbeben wachgerüttelt wird. Danach ist es mit der Ruhe vorbei. Die Lage bessert sich erst, als die Oma aus Belgien mit der dortigen Geheimwaffe (Schokolade) anrückt sowie die Haushaltshilfe Nishio-San sich des nun putzmunteren Kleinkindes annimmt. Der oscarnominierte Animationsfilm „Die kleine Amelie….“ von Mailys Vallade und Liane-Cho Han ist eine Adaption des autobiogra-phischen Romans „Metaphysik der Röhren“ der Schriftstellerin Amelie Nothomb. Da seine Erzählperspektive die der kleinen Titelheldin ist, ist alles, was passiert, hochdramatisch, zutiefst emotional und von existenzieller Tragweite. Die Gefühle wechseln abrupt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wer eben erst in die Welt findet, kennt keine Zwischentöne. Komplex ist diese noch überschaubare Welt dennoch. Schließlich sind auch ganz kleine Menschen bereits konfrontiert mit Grundbegriffen des Lebens wie Verlust und Trauer, aber auch der Macht von Zuneigung und Gemeinsamkeit. All diese Weisheiten vermittelt „Die kleine Amelie…“ auf einfache und klare Art ohne zu verniedlichen – dargestellt in leuchtenden, aber zugleich sanften Farben, die an Pastellkreiden erinnern und damit an ein Werkzeug für erste kindliche Malversuche.

Frankreich 2025, Regie: Mailys Vallade, Liane-Cho Han, Animationsfilm, ab 6, 77 min

5.8. | Night on Earth

20.30

In fünf Episoden erzählt Night on Earth von den Ereignissen einer ganz bestimmten Nacht, die jeweils in einer von fünf großen Metropolen stattfinden. Ein Taxifahrer und seine teils aberwitzigen und kuriosen Erlebnisse mit einem seiner Fahrgäste stehen jeweils im Mittelpunkt des Geschehens. Alles beginnt in der Dämmerung von Los Angeles, führt dann weiter nach New York, von dort nach Paris und Rom und endet schließlich in Helsinki im Morgengrauen. Um die unterschiedliche landestypische Atmosphäre zu erhalten, wurden die einzelnen Episoden in der jeweiligen Landessprache gedreht und nicht synchronisiert, sondern nur mit Untertiteln versehen. In Jim Jarmuschs skurril-warmherziger Komödie bilden Humor und dramatischer Ernst ein Gleichgewicht, das den Ruf des Regisseurs als Meister des schrägen Humors untermauerte. Mit dem genialen Soundtrack von Tom Waits entsteht ein amüsanter Blick auf unsere Erde, der inzwischen Kultstatus erlangt hat.

USA 1991, Regisseur: Jim Jarmusch, Darsteller: Winona Ryder, Armin Mueller-Stahl, Isaach De Bankole, Roberto Benigni, Matti Pellonpää, ab 16, 128 min

12.8. | Couscous und Geheimnisse

18.00/20.30

Der junge algerische Koch Mehdi (Younes Boucif) führt ein Doppelleben – nicht so aufregend wie ein Agent, aber doch nicht ohne Stress. Während er nämlich tagsüber gemeinsam mit seiner Partnerin Lea (Clara Bretheau) als Koch in einem Bistro arbeitet, spielt er abends vor seiner algerischen Mutter Fatima (Malika Zerrouki) den perfekten Sohn und verbirgt vor ihr nicht nur seine Beziehung zu Lea, sondern auch seine Leidenschaft für französische Küche und Weine. Das muss er auch, denn die traditionsbewusste Mutter wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihr Sohn ein Mädchen aus der alten Heimat heiratet; eine Beziehung wie zu Lea ist in ihrer Welt nicht vorgesehen. Zunächst geht alles gut, doch irgendwann ist Lea das Versteckspiel leid und verlangt ultimativ ein Treffen mit Fatima. In die Enge getrieben, ersinnt Mehdi eine überaus unkonventionelle Lösung… Der Regisseur Amine Adjina mischt in seiner Komödie munter zusammen, was nicht zusammengehört. Bauchtanz im Zug, die Kunst des Kochens, einen ernsthaften Blick auf Traditionen und natürlich die Liebesgeschichte. Ein Zusammenprall der Kulturen der besonderen Art.

Frankreich 2025, Regie: Amine Adjina, Darsteller: Younes Boucif, Clara Bretheau, Malika Zerrouki, ab 6, 105 min

19.8. | The Piano Tuner

18.00/20.30


Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Der junge New Yorker Musiker Niki White (Leo Woodall) leidet unter einer krankhaften Geräuschüberempfindlichkeit. Alltagssounds wirken für ihn ohrenbetäubend, die ganze Welt ist für ihn eine lärmende Baustelle. Ein Musiker, der unter Tönen leidet, muss sich notgedrungen neu orientieren. Seine vielversprechende Karriere als Konzertpianist gibt Niki auf, um sodann aus dem Fluch der Überempfindlichkeit einen Segen zu machen – er wird Klavierstimmer. Zusammen mit seinem älteren Kollegen Harry (Dustin Hoffman) zieht er von Auftrag zu Auftrag in den ehrwürdigen Konzertsälen New Yorks. Da schließt der zunehmend vergessliche Harry versehentlich sein Hörgerät im Safe ein und Niki findet quasi zufällig heraus, zu was sein übersensibles Gehör außerdem noch in der Lage ist. Es macht ihn zum perfekten Safeknacker, da er die Verschleißspuren am Zahlenrad sowie das Klacken des Schlosses genau hören kann. Und weil Harry nach einem Herzinfarkt die Krankenhauskosten nicht bezahlen kann, lässt sich Niki auf einen Pakt mit dem Teufel ein, genauer gesagt mit dem korrupten Boss einer Sicherheitsfirma, der sein Insiderwissen für Raubüberfälle nutzt. Der Regisseur Daniel Roher beginnt seinen Film als liebenswerte Kumpelkomödie über den Arbeitsalltag der beiden Klavierstimmer. Romantische Töne mischen sich dann hinein, als Niki die Musikstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) mit seinem absoluten Gehör betört und schließlich kippt der Film in einen veritablen Thriller. Und all dies geschieht so fließend, wie ein virtuoser Musiker die Tonlage wechselt.

USA/Kanada 2026, Regie: Daniel Roher, Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, ab 12, 109 min

26.8. | Ich verstehe Ihren Unmut

18.00/20.30

Die 59-jährige Heike (Sabine Thalau) arbeitet als Objektleiterin einer Gebäudereinigungsfirma. Sie kontrolliert Reinigungskräfte in Einkaufszentren, Kindergärten und Bürohäusern.Sie organisiert Vertretungen und telefoniert pausenlos mit Leuten, die sich über mangelnde Hygiene beschweren.“Ich verstehe Ihren Unmut“, sagt sie dabei ständig. Ein höflicher Satz, aber schon nach der zehnten Wiederholung wirkt er vollkommen inhaltsleer. Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Kilian Armando Friedrich besticht durch seine unmittelbare Nähe zu seinen Figuren. Die eingesetzte Handkamera klebt geradezu an Heike. Sie rennt Treppen hoch, stopft Putzlappen in Säcke, hetzt mit dem Handy am Ohr durch Parkhäuser und Hintereingänge. Selbst beim Zuschauen bleibt einem irgendwann die Luft weg. Aus dieser Situation macht der Film aber keineswegs eine einfache Anklage und schon gar kein Wohlfühl-Arbeiterdrama. Heike ist keine Heldin. Sie sabotiert Streikversuche, streckt heimlich Reinigungsmittel zum Weiterverkauf, betreibt die Kündigung eines Mitarbeiters. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur so stark. Regisseur Friedrich zeigt, wie Menschen unter permanentem Druck beginnen, das System zu unterstützen, das sie selbst zerstört. Sabine Thalau spielt Heike mit einer Wucht, die von der Wirklichkeit gespeist wird, sie stammt selbst aus der Reinigungsbranche. Zahlreiche weitere Szenen beruhen auf Erfahrungen aus Friedrichs Recherche. Das verleiht dem Film eine Rohheit, die man im deutschen Kino selten sieht. Wenn Heike im Auto gleichzeitig Kunden beruhigt, Krankmeldungen organisiert und von ihrem Chef zusammengestaucht wird, entsteht ein Stressniveau, das fast körperlich spürbar wird. Und doch blitzen zwischen all dem Druck auch immer wieder kleine Gesten der Solidarität auf, kurze Momente gemeinsamer Erschöpfung. Mehr Hoffnung wäre auch verlogen.

Deutschland 2026, Regie: Kilian Armando Friedrich, Darsteller: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Sadibou Diabang, ohne Altersangabe, 93 min

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