11.1. | Der Mann, der vom Himmel fiel

18.00/20.30

2023 feiert das Kommunale Kino Bremerhaven sein 40-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass präsentieren wir den Kultfilm „Der Mann, der vom Himmel fiel“ mit David Bowie in der Hauptrolle.

Thomas Jerome Newton (David Bowie) fällt vom Himmel. Der Außerirdische besitzt einen britischen Reisepass und wirkt überhaupt ausgesprochen angelsächsisch. Konzentriert verfolgt er seinen Plan, während seines Aufenthalts nach Mitteln und Wegen zu suchen, die letzten Überlebenden einer kosmischen Katastrophe auf seinem Heimatplaneten zu retten. Newton verfügt über ein technisches und soziales Wissen, das dem Kenntnisstand der irdischen Forschung um Jahrzehnte voraus ist. Innerhalb kürzester Zeit wird er so zum reichsten und mächtigsten Mann Amerikas. Zwei Menschen begleiten den so merkwürdig gefühlskalt und doch so zerbrechlich wirkenden Fremdling: der Universitätsprofessor Dr. Bryce (Rip Torn) und das Zimmermädchen Mary Lou (Candy Clark). Dieses Zusammentreffen völlig unterschiedlicher Menschen ist die eigentliche Handlung des Films. Die Suche nach Zuwendung und Liebe und das gleichzeitige Unvermögen, auf den anderen einzugehen und sich ihm zu öffnen, richten die Beteiligten zugrunde. Der Regisseur Nicolas Roeg begeisterte im Jahre 1975 das Publikum mit diesem Höhepunkt des Science-Fiction-Genres, der sehr schnell zum Kultfilm avancierte. Roeg hat mit dem unterkühlt-unnahbaren und zugleich melancholisch-sensiblen David Bowie in der Hauptrolle eine erstklassige Besetzung gefunden. Ein Science-Fiction-Film, der auch durch seine faszinierende Atmosphäre besticht – und das ist in diesem Genre ja bei weitem nicht immer der Fall.

Großbritannien 1975, Regie: Nicolas Roeg, Darsteller: David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, 133 min

18.1. | Emily

18.00/20.30

Wie für das Kino gemacht scheint das familiäre Zusammenleben der Geschwister Emily, Charlotte, Anne und Branwell Bronte. Es ist immer wieder faszinierend, das Pfarrhaus in Yorkshire, in dem die Schriftstellerfamilie aufwächst, als ein Treibhaus der Geschwisterliebe, Rivalität und Inspiration zu erkunden. Die Regisseurin Frances O’Connor legt den Schwerpunkt auf Emily, den ewigen Sonderling der Familie, die Verfasserin von „Sturmhöhe“. Filme über die Bronte-Schwestern sind nicht immer eine Freude für Anhänger einer originalgetreuen Verfilmung. Auch O’Connor geht in ihrem Film recht nonchalant mit den Fakten um. So dichtet ihr Drehbuch Emily (Emma Mackey) eine stürmische Liebesgeschichte mit dem neuen Vikar der Gemeinde (Oliver Jackson-Cohen) an, einem charmanten Puritaner, der nun erfährt, wie zerrissen sich das Leben anfühlen kann. Die geheime Leidenschaft weckt die Eifersucht des Bruders Branwell (Fionn Whitehead), der bis dahin Emilys engster Seelenvertrauter war. O’Connor ist eine Spezialistin für die sittlichen Verschnürungen des viktorianischen Zeitalters. Genau und betont unironisch nimmt sie in den Blick, wie ehern die Vorstellungen von Schicklichkeit und Anstößigkeit sind in dieser engen und abgeschiedenen Provinzwelt. „Emily“ ist aber auch ein Schauspielerfilm: Gesichter, intim und frontal aufgenommen, offen, angreifbar und zugleich widerständig. Ein eindringliches Portrait Emily Brontes und ihrer Familie.

Großbritannien 2022, Regie: Frances O’Connor, Darsteller: Emma Mackey, Oliver Jackson-Cohen, Fionn Whitehead, ab 12 , 130 min

25.1. | Anima – Die Kleider meines Vaters

18.00/20.30

Wir sehen einen Mann in seiner bürgerlichen, ländlich oberbayerischen Welt. Des Nachts jedoch, in den Straßen von München, verwandelt er sich in eine Frau. Seine Leidenschaft, Frauenkleider zu tragen, lebt er heimlich aus. Erst als seine Frau die weiblichen Dessous im Schrank entdeckt, offenbart er ihr, dass die Kleidungsstücke keiner möglichen Geliebten, sondern ihm selbst gehören. Seine Frau jedoch akzeptiert ihren geliebten Mann so wie er ist und schweigt, auch vor ihren zwei Töchtern. Erst nach dem Unfalltod des Vaters erfahren die beiden von dessen Doppelleben. Die Regisseurin Uli Decker ist eine dieser Töchter und sie erkundet in „Anima – Die Kleider meines Vaters“ dieses Doppelleben. Natürlich gibt es keine Bilder vom Vater in Frauenkleidern, geschweige denn Filmaufnahmen und so macht sie sich auf die Suche nach Zeugen. Menschen, die ihr erklären sollen, was der Vater nicht mehr erklären konnte. Sie spricht mit Angehörigen, mit Freunden der Familie, zeigt das Umfeld ihres Vaters und die Fernsehnachrichten, die seinen tragischen Tod melden. Dazwischen setzt sie collagierte, gezeichnete und animierte Szenen und Fotos. Decker zeigt auf ungeheuer leichte und humorvolle Weise, wie variantenreich sexuelle Identität sein kann, die sich nicht auf das binäre Modell von Mann und Frau beschränken lässt. Sie zeigt die vielen Möglichkeiten von Graustufen auf – ein Weg hinaus aus jenem Schwarz-Weiß-Denken, das die Welt ihres Vaters noch bestimmte. Ein Film, der klug und witzig über geschlechtliche Vielfalt nachdenkt. In Saarbrücken bekam Uli Decker dafür den Max-Ophüls-Preis für den besten Dokumentarfilm.

Deutschland 2022, Regie: Uli Decker, Dokumentation, ab 6, 94 min