Aktuelle Information zum Spielbetrieb

Aufgrund der im Rahmen der Coronavirus-Infektionen aktuell notwendigen
Vorsichtsmaßnahmen unterbrechen wir unseren Spielbetrieb vom 18.03. bis zum 05.05.2020.


Die Programmplanung ist derzeit:

06.05.
Die Farbe aus dem All

13.05.
Transit (in Kooperation mit dem DAH und mit Gästen)

20.05.
Emma

27.05.
Butenland

Änderungen sind möglich.
Mit der Bitte um Verständnis.

11.3. | Pferde stehlen

18.00/20.30

Im Rahmen der Literarischen Wochen in Kooperation mit der Volkshochschule Bremerhaven

Eigentlich ist der alte Trond Sander (Stellan Skarsgard) in das einsame Haus am Wald gezogen, um nicht länger behelligt zu werden. Selbst den bevorstehenden Jahrtausendwechsel, die Silvesternacht 1999, will der 67-jährige alleine mit seinem Hund verbringen. Aber dann trifft er seinen Nachbarn Lars (Björn Floberg), auch der ein alter Mann. In ihm erkennt Trond einen Freund aus Jugendtagen und die Erinnerung an den Sommer 1948 bricht sich Bahn in ihm mit einer Naturgewalt, die ihn überwältigt. Mit seinem Vater hatte der 15-jährige Trond (Jon Ranes) jenen Sommer verbracht, in einer Sennhütte nahe der norwegisch-schwedischen Grenze. Lars, der kleine Nachbarsjunge, hatte beim Spielen versehentlich seinen Zwillingsbruder erschossen. Das geheime Verhältnis zwischen Tronds Vater und Lars‘ Mutter offenbart sich erst nach und nach. Am Ende des Sommers wird der Vater seine Familie für die andere verlassen. Trond sieht ihn nie wieder. „Du entscheidest selbst, wann es wehtut“, diese Lebensregel hatte ihm sein Vater bei verschiedenster Gelegenheit beigebracht, aber der Trennungsschmerz ist für den Jungen kaum zu bewältigen. „Pferde stehlen“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Per Petterson, dem erfolgreichsten norwegischen Roman überhaupt, in 50 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Der Regisseur Hans Petter Moland hat das Buch, neben der eigentlichen Handlung, visuell großartig umgesetzt. Er zeigt die norwegische Landschaft in all ihrer kraftvollen Schönheit. Und Bäume, immer wieder Bäume. Die vor der Hütte gefällten Tannen, die mit all ihrem Gewicht in den Fluss donnern, um stromabwärts nach Schweden transportiert zu werden. Der bei der letztjährigen Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären laufende Film ist eine zutiefst beeindruckende Vater-Sohn-Geschichte, eine Saga über Schuld und Vergebung und vor allem ein Film über die Wucht der Erinnerung.

Norwegen/Schweden 2019, Regie: Hans Petter Moland, Darsteller: Stellan Skarsgard, Jon Ranes, Tobias Santelmann, Björn Floberg, ab 12, 123 min

Zur 18-Uhr-Vorstellung gibt es eine Einführung von Silke Siedenburg (Kommunales Kino Bremerhaven)

4.3.| Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao

18.00/20.30
Zum Internationalen Frauentag 2020
In Kooperation mit den Soroptimisten Bremerhaven

Rio de Janeiro, 1950. Die unzertrennlichen Schwestern Euridice und Guida Gusmao (Carol Duarte und Julia Stockler) sind voller Träume. Euridice will Konzertpianistin werden, Guida träumt von Liebe und Freiheit. Doch die Enge ihres konservativen Elternhauses und die traditionellen Vorstellungen ihres Vaters Manuel (Antonio Fonseca) lassen keinen Platz für solche Sehnsüchte. Gute Ehefrauen und Mütter – einen anderen Weg kann sich Manuel nicht für seine Töchter vorstellen. Euridice heiratet denn auch den konservativen Antenor (Gregorio Duvivier), mit dem sie ein Kind bekommt. Doch Guida will sich nicht fügen und wandert mit dem griechischen Matrosen Iorgos (Nikolas Antunes) in dessen Heimat aus. Als sie ebenfalls schwanger wird, die Beziehung zu Iorgos aber scheitert, kehrt sie in die Heimat zurück. Doch statt dort von ihrer Familie aufgenommen zu werden, sieht der strenge Vater nur die Schmach, die die unehelich schwangere Tochter über den guten Familiennamen zu bringen droht. Er verstößt Guida und lügt ihr gleichzeitig vor, Euridice sei nach Österreich ausgewandert. In den nächsten Jahren leben beide Schwestern in Rio de Janeiro, ohne jeweils zu wissen, dass die schmerzlich vermisste Verbündete in derselben Stadt wohnt. Der brasilianisch-algerische Regisseur Karim Ainouz hat sich für seinen Film den Roman „Die vielen Talente der Schwestern Gusmao“ von Martha Batalha vorgenommen. Er erzählt die doppelte Lebensgeschichte der getrennten Schwestern vor dem Hintergrund der konservativ-patriarchalischen brasilianischen Gesellschaft der 1950-er Jahre. Die Tragik, dass die Leben der beiden Schwestern parallel stattfinden, wo sie sich gegenseitig doch eine wichtige Stütze sein könnten, liegt dabei über jeder Szene. Dennoch wirft der Film aller tränenreichen Schwermut zum Trotz einen optimistischen Blick auf das Leben, das Lieben und die vielen Hochs und Tiefs, die damit einhergehen. Farbenfroh sind die Bilder, ohne in Kitsch abzudriften. Ein Film der großen Gefühle, der beim Filmfestival in Cannes 2019 mit dem Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard ausgezeichnet wurde.

Brasilien 2019, Regie: Karim Ainouz, Darsteller: Carol Duarte, Julia Stockler, Antonio Fonseca, ab 12, 139 min