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Das Koki-Team wünscht allen Filmbegeisterten gute Unterhaltung.
Im Botanischen Garten der Universität Marburg steht ein uralter Gingko-Baum, mächtig und majestätisch. Er ist stummer, jedoch aufmerksamer Zeuge unzähliger Lebensgeschichten, die über die Generationen an ihm vorüberziehen. Die Regisseurin Ildiko Enyedi hat drei davon ausgewählt, aus unterschiedlichen Epochen. Im Jahr 1908 wird Grete (Luna Wedler) als erste Frau zum Biologiestudium zugelassen und entdeckt dabei verborgene, bislang unbekannte Pflanzenstrukturen. 1972 verliebt sich der anfangs noch etwas ziellose Studienanfänger Hannes (Enzo Brumm) in seine Mitbewohnerin und setzt in den Semesterferien aufopferungsvoll deren Experimente mit einer empfindsamen Geranie fort. 2020 schließlich wird der Hongkonger Neurowissenschaftler Tony (Tony Leung Chiu-wai) während seiner Gastprofessur in Marburg von der Corona-Pandemie ausgebremst. Im Lockdown setzt er daraufhin seine Forschungen an eben jenem Gingko-Baum fort. Die Regisseurin Enyedi wechselt flink und assoziativ zwischen den drei Erzählebenen hin und her, Als Unterscheidungsmerkmal dienen ihr drei verschiedene Aufnahmeverfahren, monochromer 35-mm-Film zu Beginn des 20.Jahrhunderts, 16-mm-Farbfilm in den 70-ern und HD in der Gegenwart. Ein heiterer und leiser Film über das Innenleben von Mensch und Botanik, der der Pflanzenwelt das gleiche Bildrecht wie den menschlichen Schauspielern einräumt. „Silent Friend“ dürfte der erste Film sein, in dessen Abspann Pflanzen als gleichrangige Hauptdarsteller genannt werden.
Deutschland/Ungarn 2025, Regie: Ildiko Enyedi, Darsteller: Luna Wedler, Enzo Brumm, Tony Leung Chiu-wai, ab 6, 145 min
Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der spanischen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Wenn Maria Angeles (Carmen Maura) durch ihre Straße spaziert, erinnert sie in ihrem farbenfrohen Kleid an eine bunte Blume. Alle grüßen die gepflegte alte Dame, die seit Jahrzehnten in derselben Wohnung im spanischen Viertel von Tanger lebt. Doch dann bekommt sie Besuch von ihrer aus Spanien angereisten Tochter Clara und die verkündet eine Hiobsbotschaft, Sie brauche dringend Geld und müsse die, ihr gehörende, Wohnung der Mutter verkaufen. Die todunglückliche Maria zieht ins Altersheim – und geht heimlich in die leere Wohnung, um ihr kleines persönliches Paradies wieder einzurichten. Not macht bekanntlich erfinderisch und sie stürzt sich in, maximal, halblegale Aktivitäten. Die charismatische 79-jährige Carmen Maura, bekannt aus zahlreichen Filmen Pedro Almodovars, verkörpert diese sympathische Heldin des Alltags, voller Kraft, sehr feminin und im Notfall gerissen. Doch so märchenhaft dieser zweite Frühling auch daherkommt, so sehr ist er auch von tiefer Melancholie durchzogen. Die Tragikomödie der marokkanischen Regisseurin Maryam Touzani ist gleichzeitig eine Liebeserklärung an ihre eigene Heimatstadt, diesen Kreuzungspunkt zwischen Orient und Okzident. das kosmopolitische Tanger. Bekannt als Lieblingsort vieler Künstler im frühen 20. Jahrhundert, war das einstige spanische Protektorat Tanger auch Heimat zahlreicher vor dem Diktator Franco geflüchteter Spanier. Ein sympathisches Plädoyer dafür, die Gegenwart zu genießen, statt sich um die Zukunft zu sorgen.
Spanien/Marokko 2025, Regisseur: Maryam Touzani, Darsteller: Carmen Maura, Marta Etura, Ahmed Boulane, ab 12, 116 min
Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Das Leben von Ann Lee (Amanda Seyfried) um 1730 in Manchester ist hart. Alle ihre vier Kinder sterben im Säuglingsalter. Durch den tiefen Schmerz über diesen Verlust gezeichnet und nach einer Vision mit Adam und Eva im Garten Eden gründet sie 1736 die freikirchliche Shaker-Gemeinschaft. In der utopisch-christlichen Bewegung sind Männer und Frauen gleichberechtigt, harte Arbeit und das Zölibat die obersten Gebote. Dabei ist der Name wörtlich zu verstehen. Die Nähe zu Gott suchen die Shaker mittels rhythmischer und schüttelnder Tanzbewegungen, die im Film ausgiebig gezeigt werden. Der von traditionellen Shaker-Hymnen inspirierte Soundtrack verleiht dem düsteren Musicaldrama seine Struktur. Während sich Gospel, Choräle und elektronische Klänge fließend ablösen, zucken Körper rhythmisch, kreischend und stöhnend durch kerzenbeschienene Szenerien. Mit der folgenden Übersiedlung von Manchester nach New York verbinden sich dann weitere Hoffnungen, an Deck des Schiffes singt Ann Lee „All is peace before us.“ Doch wirklichen Frieden findet die Gemeinschaft in Amerika nicht, Ann Lee persönlich wird sogar immer wieder der Hexerei verdächtigt. In dem sich formierenden Mob manifestiert sich die den Film durchziehende Gewalt und Frauenfeindlichkeit; die Flucht ins Spirituelle hat hier eine ihrer Ursachen. Die Regisseurin Mona Fastvold erzählt diese Suche nach Freiheit, Glück und Gemeinschaft mit monumentalen Bildern und mitreißender Musik und beweist, dass auch bei historisch grundierten Filmstoffen frische Zugänge möglich sind.
Gr6ßbritannien/USA 2025, Regie: Mona Fastvold, Darsteller: Amanda Seyfried, Lewis Pullman, Thomasin McKenzie, ab 12, 137 min
Clowns wollen die Menschen zum Lachen bringen und strahlen doch oft etwas Melancholisches aus. Vielleicht müssen auch die Menschen, die in ein Clownskostüm schlüpfen, diese gegensätzlichen Emotionen in sich vereinen. So wie Barbara (Valerie Pachner) und Heli (Robert Stadtlober). Sie arbeitet als Clown in einer Kinderklinik, er auf der Bühne. Mit ihren beiden kleinen Kindern Fini und Thimo leben sie fröhlich, liebevoll und voller Phantasie auf einem sehr sanierungsbedürftigen Hof. Doch eines Tages gibt es am Bahnübergang einen Unfall mit einem Clownsbus. Heli ist sofort tot, Fini und Thimo sterben wenig später im Krankenhaus. Wie gelähmt ist Barbara, sie verzweifelt an ihrem Leben und droht daran zu zerbrechen. Irgendwann jedoch beginnt sie, sich ihrem Schicksal zu stellen: „Ich bin am Leben und ich möchte Teil des ganz normalen Lebens bleiben“, schreibt sie an alle ihre Freunde. Die Trauer, der Schmerz und die Liebe verschwinden dabei nicht. Sollen sie auch gar nicht. Der österreichische Regisseur Adrian Goiginger hat den autobiographischen Roman von Barbara Pachl-Eberhart sanft und ohne Verklärung verfilmt. Goiginger erzählt mit Rückblenden vom Vorher und Nachher, stellt den unsagbaren Schmerz die Ausgelassenheit der Vergangenheit gegenüber. „Vier minus drei“ ist ein eindringlicher, zärtlicher Film der großen Gefühle und kleinen Blicke, der sanften Gesten und stillen Momente. Er wirft einen frischen Blick auf Trauer und Verlust, er feiert das Leben auch im Angesicht des Todes. Er bietet einen versöhnlichen Zugang zum Sterben und erinnert zugleich an die Dankbarkeit, die man für sein Glück haben sollte. Ein berührendes Drama über eine Frau, die ihre Familie verliert und trotz aller Trauer wieder lernt, das Leben zu feiern, die ihre Clownsphilosophie zum Lebensmotto macht.
Österreich/Deutschland 2026, Regie: Adrian Goiginger, Darsteller: Valerie Pachner, Robert Stadtlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, ab 12, 121 min
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