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Das Koki-Team wünscht allen Filmbegeisterten gute Unterhaltung.
Ein Soldat taucht nach dem Dreißigjährigen Krieg in einem abgelegenen Dorf auf. Doch es ist Rose, die sich als Mann ausgibt, weil sie darin die einzige Chance auf ein freies, selbstbestimmtes Leben sieht, „Obwohl als Weibsperson geboren, dem zum Trotz unter falschem Nam‘ als Mannsbild sich betragen“, sagt die sanfte Stimme aus dem Off (Marisa Growaldt), die mit ihrer altertümlich bedächtigen Sprache in diesem Film noch des öfteren zu hören sein wird. Zunächst funktioniert die Verstellung ganz gut, obwohl die Dorfbewohner den Neuankömmling zunächst misstrauisch beäugen. Erst als Rose einen Bären erlegt, der die Schafe der Bauern bedroht, wird das besser. Es könnte so weiter gehen, doch Rose reicht der kleine Hof nicht, den sie bewirtschaftet. „Aber ist der Notwendigkeit Genüge getan, stellt sich gern der Wunsch ein nach mehr“, warnt die samtige Stimme aus dem Off. Ein Stück Land, auf das Rose es abgesehen hat, will der besitzende Großbauer (Godehard Giese) nur im Tausch gegen die Ehe mit seiner Tochter Suzanna (Caro Braun) hergeben und damit nimmt das Unglück seinen Lauf. Der österreichische Regisseur Markus Schleinzer hat für seinen Film etwa 300 Schicksale von Frauen aus drei Jahrhunderten recherchiert, die sich als Männer ausgaben, um den eisernen Zwängen der patriarchalen Gesellschaft zu entkommen. Verdichtet in den Lebenslauf einer einzigen Frau im 17. Jahrhundert zeigt „Rose“ mit der Darstellung von Gewalt an und Diskriminierung von Frauen zugleich, dass das Streben nach weiblicher Selbstbestimmung auch heute noch aktuell ist.
Österreich/Deutschland 2025, Regie: Markus Schleinzer, Darsteller: Sandra Hüller, Caro Braun, Godehard Giese, schwarz-weiß, ab 12, 94 min
Die Künstlerin Hanne (Dagmar Manzel) und der pensionierte Pfarrer Bernd (August Zirner) führen eine glückliche, jedoch etwas festgefahrene Ehe, Da steht wie aus dem Nichts Hannes früherer Ehemann Kurt (Harald Krassnitzer) vor ihrer Tür. Aufgrund seiner Demenzerkrankung kann sich dieser nicht mehr daran erinnern, dass er und Hanne bereits seit 20 Jahren geschieden sind. Ins Pflegeheim kann er nicht mehr zurück, so dass ihn Hanne und Bernd als Dauergast in ihrem Gästezimmer aufnehmen. Was als Demenzgeschichte beginnt, entwickelt sich bald zu einem außergewöhnlichen Beziehungsdrama. Trotz seiner Krankheit hat Kurt seine Persönlichkeit behalten, er ist nach wie vor ein Charakter, charmant, aufmerksam und liebesbedürftig. Das zieht Hanne emotional in ihre gemeinsame Vergangenheit zurück und das kann Bernd nicht kaltlassen. In seinem Langfilmdebüt geht der Regisseur Welf Reinhart sehr behutsam zu Werke. Die Gefühle spielt er nicht aus, vielmehr setzt er auf die Vorstellungskraft des Zuschauers. Ein sanfter kleiner Film, der vollends seinen großartigen Schauspielern vertraut und darin so gefühlvoll wie bildreich bleibt.
Deutschland 2026, Regie: Welf Reinhart, Darsteller: Dagmar Manzel, Harald Krassnitzer, August Zirner, ab 12, 106 min
Der Film wird in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Lilia reist nach dem Tod ihres Onkels für die Beerdigung aus Paris nach Tunesien zu ihrer Familie zurück. Ihre lesbische Beziehung hält sie vor ihrer Familie geheim, ihre Partnerin begleitet sie dennoch zurück in die Heimat. Sehen tun sich die beiden aber nur im Schutz des Hotelzimmers. Die Familie wiederum macht ein großes Geheimnis aus den Umständen, die zum Tode des Onkels führten. Während Lilia eigene Nachforschungen anstellt, stößt sie auf Familiengeheimnisse und lernt ihre Heimat und ihren Onkel noch einmal in einem ganz anderen Licht kennen. Leyla Bouzid vereint in ihrem Film Familiendrama und Krimi und zeigt ein generationen-übergreifendes Portrait zwischen Tradition, Veränderung, gesellschaftlichen Tabus und Identitätsfindung.
Frankreich/Tunesien 2026, Regisseur: Leyla Bouzid, Darsteller: Eya Bouteraa, Hiam Abbass, ohne Altersbeschränkung, 113 min
Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der italienischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.
Das Ospedale della Pieta war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eines von vier Waisenhäusern in der Adelsrepublik Venedig und verfügte bereits über eine Babyklappe. Die Findelkinder waren Waisen unter Vorbehalt: Ihre Mütter hinterließen Kennzeichen, um sie später gegebenenfalls zurückzufordern. Die Mädchen wurden musikalisch ausgebildet und traten öffentlich auf, allerdings hinter Gittern und Masken verborgen. Zugleich war die gewinnorientierte Verwahranstalt ein Heiratsmarkt für Männer aus der höheren Gesellschaft. Dieses Schicksal droht auch der Violinistin Cecilia (Tecla Insolia), die einem Offizier versprochen ist. Da übernimmt Antonio Vivaldi (Michele Ricondino) die Musikschule. Der große Komponist erkennt augenblicklich Cecilias Begabung und Ernsthaftigkeit. Keinesfalls will er zulassen, dass ihr Talent vergeudet wird und setzt alles daran, dem Mädchen eine musikalische Zukunft außerhalb des Heims zu ermöglichen. Die Situation spitzt sich zu, als der heiratswillige Offizier heimkehrt. Nun könnte die Violine für Cecilia ein Instrument der Befreiung werden. Der Regisseur Damiano Michieletto schildert in seinem Kinodebüt ein Kapitel im Schaffen Antonio Vivaldis – in welchem dieser nicht die Hauptrolle spielt.
Italien/Frankreich 2025, Regie: Damiano Michieletto, Darsteller: Tecla Insolia, Michele Riondino, Fabrizia Sacchi, ab 12, 110 min
Die Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak) arbeitet auf der unterbesetzten Schlaganfallstation eines dänischen Krankenhauses. Jedes Zögern und jede falsche Entscheidung können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Als der 18-jährige Oliver (Jacob Spang Olsen) mit einem diffusen Kopfschmerz und einer Nackenstarre in die Klinik kommt, lautet ihr Befund „Unauffällig“ und sie entlässt den jungen Mann gemeinsam mit seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) wieder. Wenig später bricht Oliver mit einer Hirnblutung zusammen. Alex muss feststellen, dass sie einen Fehler gemacht hat, der nicht wiedergutzumachen ist. Das Second-Victim-Phänomen beschreibt die Belastung, die Behandlungsfehler beim Gesundheitspersonal auslösen können. „Second Victims“ lautet auch der internationale Titel dieses Langfilmdebüts der dänischen Regisseurin Zinnini Elkington und der hätte deutlich besser gepasst als der deutsche. Es gibt nämlich mehr als ein Opfer in „Nachbeben“ – neben dem toten 18-jährigen dessen Eltern, die Neurologin Alex und das gesamte Umfeld. Die Filmemacherin Elkington sucht dabei keine einfachen Antworten, sondern blättert in intensiven und dabei oft ganz leisen Bildern die Strukturen auf, die eingezwängt sind in einem dichten Geflecht aus Angst, Verantwortung und Trauer. Sie beschreibt ein System, das alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt – mit einem brillanten Hauptdarsteller-Duo Özlem Saglanmak und Trine Dyrholm.
Dänemark 2025, Regie: Zinnini Elkington, Darsteller: Özlem Saglanmak, Trine Dyrholm, Mathilde Arcel Fock, ab 12, 92 min
1983 im schottischen Ort Galashiels. Beim 12-jährigen John Richardson zeigen sich erste Symptome des Tourette-Syndroms. Es beginnt mit ruckartigen Bewegungen des Kopfes, unkontrollierbare, zumeist sexuell grundierte Flüche mitten im normalen Redefluss kommen hinzu. Entschuldigungen und Erklärungen ( „I can’t help it“) stoßen auf taube Ohren, die Krankheit als Ursache des Ganzen wird nicht erkannt. Stattdessen reagiert die Umwelt mit Spott, Strafen und Ausgrenzung. Es ist dieses Unverständnis seiner Umgebung, das John fünfzehn Jahre später immer noch verfolgt. Erst der Kontakt mit einem ehemaligen Mitschüler und dessen Mutter Dottie (Maxine Peake) bringt eine Wendung in sein Leben. Beide behandeln ihn mit Verständnis und Empathie. Auch in seinem ersten Job als Gemeinde-hausmeistergehilfe geht es voran. Sein Chef Tommy Trotter (Peter Mullan) ist ein Mann vorbehaltloser Toleranz. Der Regisseur Kirk Jones erzählt in seiner Mischung aus Humor, Drama und Aufklärung die, wahre, Geschichte dieses John Davidson, der, am Tourette-Syndrom erkrankt, jahrzehntelang über die neuropsychiatrische Krankheit aufklärte und für seinen Einsatz im Jahr 2019 mit dem Orden des British Empire (OBE) ausgezeichnet wurde. Robert Aramayo verkörpert ihn in „Verflucht normal“ auf eine Weise, die dem Schauspieler den britischen Filmpreis BAFTA einbrachte.
Großbritannien/Irland 2025, Regie: Kirk Jones, Darsteller: Robert Aramayo, Maxine Peake, Peter Mullan, ab 12, 121 min
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