14.1. | Im Schatten des Orangenbaums

17.30/20.30

Es beginnt 1988. Der palästinensische Jugendliche Noor wird bei einer Demonstration im Westjordanland von israelischen Soldaten schwer verletzt. Für Noors Mutter Hanan (Cherien Dabis) fühlt sich das an wie ein folgerichtiges Kapitel in der entbehrungsreichen Geschichte ihrer Familie. Die besaß einst eine ertragreiche Orangen-Plantage in Jaffa. Im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 greifen israelische Truppen die Stadt an, die Familie muss ins Westjordanland flüchten. Den Schlüssel zum alten Haus nimmt der Großvater mit – das Trauma der Vertreibung wirkt über Generationen fort. Die in den USA geborene, palästinensischstämmige Regisseurin Cherien Dabis filtert in ihrem auf dem Sundance-Festival gefeierten Drama rund 60 Jahre palästinensischer Geschichte, von der „Nakba“, der Vertreibung im Jahr 1948, bis in die nahe Gegenwart – konsequent aus der Perspektive einer einzigen Familie.

Deutschland/Zypern/Jordanien 2025, Regie: Cherien Dabis, Darsteller: Saleh Bakri, Cherien Dabis, Adam Bakri, ab 12, 145 min

21.1. | Herz aus Eis

18.00/20.30

Hans-Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ wurde schon vielfach verfilmt, vom sowjetischen Märchenklassiker bis zum Disney-Animationsfilm. Eine besonders freie und zeitgenössische Interpretation liefert nun die Regisseurin Lucile Hadzihalilovic mit ihrem neuen Film „Herz aus Eis“. Das 15-jährige Waisenmädchen Jeanne (Clara Pacini) flieht aus dem Kinderheim, um im Paris der 1970-er Jahre ein besseres Leben zu finden. Sie gerät in ein Filmstudio, in dem gerade ihr Lieblingsmärchen „Die Schneekönigin“ verfilmt wird. Jeanne wird als Komparsin Teil des Teams und bald verschwimmen für sie Film und Wirklichkeit. Die märchenhafte Erzähllogik führt das Publikum an labyrinthische Orte voller Rätsel und Geheimnisse, in denen Traum und Realität ineinander übergehen. Schnell gerät Jeanne in den Bann der Schauspielerin Cristina de Berg (Marion Cotillard), die die Schneekönigin verkörpert. Cristina bindet das Mädchen immer stärker an sich; sie zeigt Jeanne deutlich, wer hier die Macht besitzt, wird übergriffig. Der Film ist ein düsteres, märchenhaftes Melodram über Herrschaft, Besessenheit und Opferbereitschaft. Über die Konstruktion Film im Film wirft die Regisseurin dabei gleichzeitig einen klaren, kritischen Blick auf die Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse in der Branche. Und der Film zeigt in Gestalt der genauso eiskalten wie faszinierenden Schneekönigin, welch eine Verführungskraft im Medium Film steckt.

Frankreich/Deutschland 2025, Regie: Lucile Hadzihalilovic, Darsteller: Marion Cotillard, Clara Pacini, August Diehl, Gaspar Noe, ab 12, 117 min

3.12. | After the Hunt

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird im englischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt

Alma Olsson (Julia Roberts) hat es als Philosophieprofessorin an der Elite-Universität Yale weit gebracht. Gerne lädt sie zu ebenso intellektuellen wie alkoholreichen Partys ein. Ins Wanken gerät ihr privilegiertes Dasein, als ihre Star-Studentin Maggie (Ayo Edebiri) nach einer von Almas Soireen schwere Vorwürfe erhebt: Hat sich Hank (Andrew Garfield), Almas Professorenkollege und guter Freund, sexuell an Maggie vergangen? Der italienische Regisseur Luca Guadagnino liefert in seinem Film keine eindeutigen Antworten. Es ist kompliziert, alle Figuren haben ihre Gründe und Eigeninteressen. „After the Hunt“ erzählt intensiv von Begehren nach Macht, nach Liebe, nach Anerkennung und gesellschaftlichem Status. Der Thriller unterläuft Erwartungen ganz bewusst und rückt die Ereignisse und Protagonisten immer wieder in ein anderes Licht. Der Regisseur Guadagnino wertet nicht und stellt sich filmisch gegen den populistischen Hang zur Vereinfachung. Das führte bei der Premiere dieses vielschichtigen Dramas beim Filmfestival in Venedig zu kontroversen Diskussionen.

USA/Italien 2025, Regie: Luca Guadagnino, Darsteller: Julia Roberts, Ayo Edebiri, Andrew Garfield, ab 12, 139 min

10.12. | Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

18.00/20.30

Agathe (Camille Rutherford) arbeitet in der Pariser Buchhandlung „Shakespeare & Co“. Die Literatur vergangener Zeiten ist für sie ein Fluchtort vor den Zumutungen der Gegenwart und Trauma-Therapie gleichzeitig. Männern traut sie nur in Gestalt ihres Kollegen und Kumpels Felix. Der ist es auch, der Agathe dazu bringt, ihr Schneckenhaus zu verlassen und an einem Literatur-Workshop für angehende Autoren in England teilzunehmen. Die in einem Herrenhaus auf dem Lande stattfindende Schreibwerkstatt trägt den schönen Namen „Jane Austen Writers Residency“ und wird von einem liebenswürdigen Ehepaar, Nachkommen der Austen-Familie, organisiert. Camille Rutherford verkörpert die Nachwuchsautorin als eine komplexe Frauenfigur, die zerrissen ist zwischen Begehren und Weltflucht, dem Drang auszubrechen und sich zu verkriechen. Gleichzeitig geht es in dieser romantischen Komödie um den permanenten Druck, unter dem Autoren ganz allgemein stehen. Es ist die Angst vor dem leeren Blatt, die sich zuweilen bis zur Schreibblockade steigern kann. Die renommierte Drehbuchautorin Laura Piani präsentiert in ihrem Regiedebüt eine geradezu unverfroren lässige Vereinnahmung der Welt der Jane Austen, einer Welt, die als Inspirationsquelle noch lange nicht ausgereizt ist.

Frankreich 2024, Regie: Laura Piani, Darsteller: Camille Rutherford, Pablo Pauly, Charlie Anson, ohne Altersbeschränkung, 98 min

14.12. | Bremerhaven im Film

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11.00

Wiederholung der Vorstellung vom 16. November

Sonntags-Matinee: Mirko Becker vom Landesfilmarchiv Bremen präsentiert Bremerhavener Amateur- und Werbefilme aus den

1930er- bis 1980er Jahren, Laufzeit ca. 70 min

Die neu digitalisierten Aufnahmen aus den Beständen des Landesfilmarchivs erzählen auf sehr persönliche Weise vom Leben in der Seestadt. Ergänzt werden sie durch historische Werbefilme, die zeigen, wie sich Bremerhaven in Deutschland und der Welt präsentierte.

17.12. | Deutscher Kurzfilmpreis

18.00/20.30

In guter Tradition präsentieren wir zum kürzesten Tag des Jahres sieben im Jahr 2025 preisgekrönte Kurzfilme

Nuestra Sombra (Our Own Shadow)

In einem kleinen argentinischen Dorf sehen die Menschen einer Sonnen-finsternis entgegen. Für einige Minuten scheint alles still zu stehen; der unbeirrte Lauf der Natur wirkt wie eine transzendente Kraft auf die Menschen ein. Ein phantastisches-realistisches Requiem / Spielfilm Argentinien/ Deutschland 2024, Regie: Agustina Sanchez Gavier, spanisch mit deutschen Untertiteln, 20 min

Dull Spots of Greenish Colours

In Zeiten des Krieges sind Informationstechnologien nicht mehr nur bloßes Mittel zum Zweck, sondern eine Macht für sich selbst. Wir haben keine Kontrolle über sie und sind dazu verdammt, ohne Pause durch die Informationsflut hindurch zu scrollen / Animationsfilm Deutschland, Regie: Sascha Svirsky

Bull’s Heart

Am Rande einer anonymen Großstadt. Vater, Sohn, sein Geliebter, Hitze, Sommer, Nacht. Eine kleine männliche Welt, ungewöhnlich zart und verletzlich, so wie das gesamte Leben von Migranten in großen Städten. Aber auch: Liebe muss verborgen werden, besonders wenn es um queere Liebe geht. Dann ein Telefonat mit der Tochter, die im Heimatland geblieben ist. Ein transnationaler Kurzfilm mit dichten Momenten, Gesten und Sounds / Spielfilm Deutschland/Russland/Ukraine/Usbekistan 2023, Regie: Margarita Bagdasaryan, russisch und usbekisch mit deutschen Untertiteln, 15 min

Tako Tsubo

Herr Ham entschließt sich dazu, sein Herz operativ entfernen zu lassen, um von der Last seiner Gefühle befreit zu werden. Modernste medizinische Möglichkeiten machen die Operation zu einem lapidaren Eingriff. Der surrealistische Film greift mit lakonischem Humor das Motiv des Herzens auf, sowohl als Zentrum des Lebens als auch als Symbol des Liebens und des Leidens / Animationsfilm, Regie: Eva Pedroza und Fanny Sorgo, 6 min

Fire Drill

Ein junger Mann aus der Ukraine heuert auf einem Frachtschiff an. Der Krieg in der Heimat flackert wie die fernen Tanker am Horizont. Das Schiff wird zur Schicksalsgemeinschaft auf Zeit. Eine Welt im Wassertropfen. Die Bildsprache des Films verwandelt die rauhen Eindrücke des Alltags auf einem Containerschiff zu impressionistischen Innenbildern, zu einem leisen, lyrischen Film voller Hoffnung / Spielfilm, Regie: Maximilian Villwock

As If Mother Cried That Night

Hoda Taheri ist eine iranische Künstlerin, die im Exil in Deutschland lebt. Sie zeigt die Flüchtlingserfahrung aus einer ungewohnten Perspektive, ihrer eigenen. Sie selbst spielt Hoda, eine iranische Frau, die zusammen mit ihrem Mann Sirvan vergeblich hofft, das Aufenthaltsrecht in Deutschland zu bekommen. Die deutsche Bürokratie erscheint ihr als ein absurdes, labyrinthisches System. Als letzte Hoffnung versucht Hoda sich von einem deutschen Mann schwängern zu lassen. Ein radikaler und künstlerisch überzeugender Film / Spielfilm

Melody of Barking Dogs

Der siebzehnjährige Toni verbringt den Abend mit seinen Freunden im Vereinsheim. Eigentlich unspektakulär, doch in den Details sind feinfühlige und kluge Auseinandersetzungen zu Themen wie Männlichkeit, versteckter Intimität, Einsamkeit und einer generellen Sinnsuche zu finden. Ein ruhiger Film, zelebriert mit einem ganz besonderen Humor / Spielfilm Deutschland 2023, Regie: Daniel Huss, 9 min / Die Drehbuchautorin Nicola Jacobi wird nach der 18-Uhr-Vorstellung anwesend sein.

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