17.9. | Leonora im Morgenlicht

18.00/20.30

In Europa ist die surrealistische Malerin Leonora Carrington (1917-2011) erst in den letzten Jahren bekannt geworden; heute zählt sie zu den Bestsellerinnen des internationalen Kunstmarktes. Die erste Hälfte ihrer bewegten Lebensgeschichte hat das Regie-Duo Thor Klein und Lena Vurma jetzt für die Kinoleinwand adaptiert. Basierend auf dem Roman der mexikanischen Schriftstellerin Elena Poniatowska erzählt der Film episodenhaft und in nicht-chronologischen Rückblenden aus dem Leben der Malerin (dargestellt von Olivia Vinall). In den 1930-er Jahren lebt sie als Geliebte des deutlich älteren Max Ernst (Alexander Scheer) in Paris, dann in Südfrankreich. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wird Ernst als feindlicher Ausländer interniert; Carrington erleidet einen Zusammenbruch und findet sich in einer Nervenheilanstalt wieder. Schließlich gelangt sie über Lissabon nach Mexiko, wo sie später mit dem ungarischen Fotografen Emerico Weisz eine Familie gründet. Ihren inneren Dämonen kann sie jedoch nie wirklich entkommen. An Originalschauplätzen in Südfrankreich und Mexiko gedreht, finden die Regisseure Klein und Vurma dafür atmosphärisch beeindruckende Bilder. Etwas zu kurz kommt dabei das künstlerische Schaffen der Malerin. Ob das eine bewusste Entscheidung des Regie-Duos ist oder schlicht eine Frage der fehlenden Bildrechte, muss an dieser Stelle offen bleiben.

Deutschland/Mexiko/Großbritannien 2025, Regie: Thor Klein und Lena Vurma, Darsteller: Olivia Vinall, Alexander Scheer, ab 12, 103 min

24.9. | The Life of Chuck

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Der Regisseur Mike Flanagan hat bereits mehrere Werke von Stephen King verfilmt; nun hat er sich dem Buch „The Life of Chuck“ angenommen. Chucks Leben wird vom Ende her aufgerollt, das mit dem Ende der Welt zusammenfällt. Wir sehen ein Klassenzimmer in einer Schule in einem kleinen amerikanischen Provinzstädtchen. Plötzlich breitet sich Unruhe aus bei den Schülern, Handynachrichten von einer Katastrophe machen die Runde. Halb Kalifornien sei im Wasser versunken, einfach abgebrochen und weggespült. Schnell folgen weitere Hiobsbotschaften und dann dauert es nicht mehr lange, bis Bildschirme dunkel werden, Fernsehnachrichten abbrechen und Autos mitten auf der Straße stehen bleiben. Irgendwann gehen auch die Lichter aus. Im Vergleich mit klassischen Apokalypse-Filmen verläuft hier alles jedoch eher gewaltfrei und unblutig. Es geht weniger um den Thrill der Ereignisse als darum, was das für die Menschen bedeutet, die sich fragen, mit wem sie ihre letzten Minuten verbringen möchten. Außerdem fragen sie sich, wer Chuck ist, dessen Botschaften jetzt plötzlich überall auftauchen, auf Plakaten gedruckt, im Fernsehen gesendet und nach dem Blackout auf Fenster projiziert. „Thank you Chuck, for 39 Years“ steht da geschrieben. Ehe das Rätsel gelöst ist, begleiten wir Chuck (Tom Hiddleston) in drei Rückblenden in seine Vergangenheit, einige Monate vor seinem Tod, in seine Jugend und seine Kindheit. Der Regisseur Flanagan bietet eine bunte Mischung aus fiktiven Biopic, entspanntem Katastrophenfilm und melancholischer Coming-of-Age-Erzählung.

USA 2024, Regie: Mike Flanagan, Darsteller: Mark Hamill, Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, ab 12, 110 min

6.8. | One to One : John & Yoko

18.00/20.30

Beide Vorstellungen werden in der englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

1971 zogen John Lennon und Yoko Ono von England nach New York, wo sie die nächsten 18 Monate in einem kleinen Apartment in Greenwich Village lebten, in die Gegenkultur eintauchten, sich mit Künstlern und Aktivisten trafen und ihre Popularität für friedenspolitische Belange einsetzten. Vor allem aber verbrachten sie viel Zeit vor dem Fernseher. Der Umzug sollte, nach dem Auseinanderbrechen der Beatles im April 1970, eine Art Atempause sein. Zugleich war es für das Paar auch eine prägende Zeit der Veränderungen, an deren Ende das „One to One“-Benefizkonzert im Madison Square Garden am 30. August 1972 stand. Restaurierte Aufnahmen dieses Auftritts bilden das Herzstück des Films. Der Regisseur Kevin MacDonald und sein Co-Autor Sam Rice-Edwards betten dieses Live-Material ein in den politischen Kontext der Vereinigten Staaten mit dem Vietnamkrieg, der angestrebten Wiederwahl des US-Präsidenten Richard Nixon und der landesweiten Protestbewegung. Im Gegensatz dazu steht der möglichst originalgetreue Nachbau des Lennon & Ono-Apartments mit dem Fernsehschirm als Mittelpunkt und gleichzeitig als Fenster zur Welt – ein effektives Spiel mit dem Kontrast aus intimem Alltag und dem endlosen Bilderstrom aus dem TV-Gerät (was die beiden damals allerdings wirklich sahen, muss Spekulation bleiben). Als ebenso erhellend wie vergnüglich erweisen sich die zahlreichen Telefonate, die das Paar damals in dieser Wohnung führte und die sie akribisch mitschnitten. Ein beeindruckendes Schlaglicht auf das Leben der beiden weltbekannten Künstler und ihr popkulturelles Umfeld Anfang der 1970-er Jahre.

Großbritannien 2024, Regie: Kevin MacDonald, Sam Rice-Edwards, Dokumentation, 101 min

13.8. | Oslo Stories: Träume

18.00/20.30

Die 16-jährige Schülerin Johanne (Ella Överbye) hat sich in ihre Sprachlehrerin Johanna (Selome Emnetu) verliebt. Sie vergeht vor Eifersucht, wenn ihre Klassenkameradinnen irgendeine Art der Nähe zu Johanna erleben dürfen. Der Regisseur Dag Johan Haugerud zeigt uns die Lehrerin in weichgezeichneten Bildern als das wärmste Wesen der Welt. Die Schülerin wiederum schreibt sich ihre gefühlsmäßige Achterbahnfahrt von der Seele; die als Voiceover vorgetragenen Aufzeichnungen leiten durch den Film. Johannes Großmutter (Anne Marit Jacobsen), die Lyrikerin ist, und ihre Mutter (Ane Dahl Torp) bekommen die Texte zu lesen. Ihre empathische Sorge um das Mädchen wird bald zur Begeisterung über Johannes Talent zum Schreiben. Man könne das Manuskript doch einem Verlag anbieten und einen Erfolgsroman daraus machen! Dass so nüchtern-praktisch über ihr Innerstes gesprochen wird, muss Johanne kränken. Eine gefeierte Autorin werden, schön und gut, aber gehen ihre geheimsten Gefühle eigentlich irgendjemanden da draußen irgendetwas an? Den ganzen Film hindurch klingt deshalb auch der filigran-schöne Doppelsinn des Für-Sich-Behaltens an. Was du nicht teilst, ist allein dir eigen. Für diesen dritten Teil seiner Oslo Stories – Trilogie bekam der Regisseur Johan Dag Haugerud auf der Berlinale im Februar den Goldenen Bären verliehen.

Norwegen 2024, Regie: Dag Johan Haugerud, Darsteller: Ella Överbye, Selome Emnetu, Ane Dahl Torp, Anne Marit Jacobsen, ab 12, 110 min

20.8. | Ice Aged

18.00/20.30

In Kooperation mit der Großen Kirche

Eiskunstlauf betreiben und das ernsthaft und mit sportlichem Ehrgeiz, das kann man auch noch in gereifterem Alter. Das finden zumindest die sechs Spätberufenen, die die Regisseurin Alexandra Sell in diesem Dokumentarfilm vorstellt. Da ist Elena, Ingenieurin für Kraftwerkstechnik, außerdem Nadja, die mit 44 Jahren mit dem Eislauf anfing und Linda, in ihrer Jugend mehrfache britische Meisterin im Paarlauf. Weiterhin begegnen wir der Endsechzigerin Toos Wintjes aus den Niederlanden sowie den beiden US-Amerikanern Robert und Erica, die auf dem Eis erfolgreich die Rolle des „grollenden Pärchens“ geben. Ziel und Sehnsuchtspunkt für alle ist die „Adult Figure Skating Competition“ in Oberstdorf. Die Regisseurin begleitet die Eisbegeisterten mit einem erzählenden Kommentar und verdichtet dabei die komplexen biographischen Elemente so geschickt, dass „Ice Aged“ ganz ohne die in Dokumentationen sonst üblichen Interview-Einblendungen auskommt. Ein äußerst origineller Dokumentarfilm, insbesondere für alle, die sich für Doppelaxel und dreifache Rittberger begeistern.

Deutschland 2024, Regie: Alexandra Sell, Dokumentarfilm, ohne Altersbeschränkung, 110 min

Die Große Kirche präsentiert im Juli und August die Skulptur „Tanzender Christus“ der Eisen-Bildhauerin Hilke Leu, begleitet von zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Tanz. Die Pastorin Barbara Dietrich wird vor der zweiten Vorstellung um 20.30 Uhr eine kurze Einführung dazu geben.

27.8. | Vier Mütter für Edward

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Der Schriftsteller Edward (James Mc Ardle) steht kurz vor seinem literarischen Durchbruch; eine geplante Lesereise in den USA soll hierfür als Katalysator dienen. Aber wer kann seine kranke und hilfsbedürftige Mutter Alina (Fionnula Flanagan) versorgen, wenn er zwei Wochen unterwegs ist? Und dann stehen auch noch seine drei besten Freunde vor der Tür, um ihre Mütter bei ihm abzuliefern, zur Kurzzeitpflege sozusagen. Der eigentlich mit seiner Karriere beschäftigte Autor muss nun an einem turbulenten Wochenende auch noch die Betreuung von vier exzentrischen, streitlustigen und vollkommen unterschiedlichen Damen bewältigen. Der britische Regisseur Darren Thornton hat sich für seine herzerwärmende, skurrile Komödie von dem italienischen Film „Das Festmahl im August“ (2008) und eigenen Erfahrungen inspirieren lassen. „Vier Mütter für Edward“ wird dabei nie kitschig oder sentimental; die vier Frauen untereinander schenken sich – und dem armen Edward – nichts. Bissige Dialoge wechseln sich mit vielen stillen Momenten ab, in denen sich der Film nur auf seine Figuren konzentriert, die mit Wärme und Witz gezeichnet sind.

Großbritannien 2024, Regie: Darren Thornton, Darsteller: James McArdle, Fionnula Flanagan, Dearbhla Molloy, ab 6, 89 min

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