4.3. | Der Fremde

18.00/20.30

Im Algier der 1930-er Jahre sehen wir Meursault (Benjamin Voisin) in seinem gleichförmigen Alltag bestehend aus Arbeit, Meer und beiläufiger Sinnlichkeit. Seine Beziehung zu Marie (Rebecca Marder) ist nur von körperlicher Nähe bestimmt, nicht von wirklicher Zuneigung. Benjamin Voisin gestaltet diesen Meursault als nahezu undurchdringlichen Zeitgenossen, seine sparsamen Gesten und der monotone Blick spiegeln den Kern der Figur. Gegenpart ist der schmierige Raymond (Pierre Lottin), der Meursault in eine Konfliktspirale zieht, die im tödlichen Schuss auf einen Araber kulminiert. Anders als im gleichnamigen Roman Albert Camus‘ von 1942 zieht der Regisseur Francois Ozon die Geschichte des Protagonisten Meursault von hinten auf, mit dessen Ankunft im Gefängnis, wo er der einzige Weiße in der überfüllten Sammelzelle ist. Desgleichen bricht er mit dem kolonialen Blick der literarischen Vorlage und verleiht den algerischen Figuren zumindest punktuell eine Stimme. Das im Buch namenlose Mordopfer heißt im Film Moussa Hamdani und der Abspann mit dem Song „Killing an Arab“ von The Cure aus dem Jahr 1979 schlägt eine Brücke zu heutigen Diskussionen über Rassismus und Repräsentation. Ein Film, der historische Werktreue erfüllt und zugleich auf sensible Weise heutige Wertvorstellungen einbezieht.

Frankreich 2025, Regie: Francois Ozon, Darsteller: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, ab 12, 120 min

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