2.9. | Resurrection

17.30/20.30

Beide Vorstellungen werden in der chinesischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Die Menschen haben Unsterblichkeit erlangt, indem sie das Träumen abgeschafft haben, denn sie haben herausgefunden, dass Träume die Lebenszeit aufzehren – wie die Flamme das Wachs einer Kerze. Das ist die Ausgangslage in dem phantastischen Science-Fiction-Film des chinesischen Regisseurs Bi Gan. Nur ein paar Unbelehrbare gibt es noch in dieser visionären Welt, „Deliriants“ genannt, die einfach nicht aufhören wollen, sich ihren Träumen hinzugeben. Unbarmherzig werden sie verfolgt von der Agentin „Die Große Andere“ (Shu Qi) und als die schließlich einen von ihnen aufspürt, macht sie eine besondere Entdeckung. Der Ungehorsame (Jackson Yee) trägt einen Projektor in seinem Körper und mit dem setzt die Andere nun die Träume des Delirienten wie einen Film in Gang – eine intensive innere, allerdings auch letzte Reise. Es ist eine Reise, die, mit Prolog und Epilog, aus sechs Episoden besteht, die unterschiedliche Filmgenres und Jahrzehnte repräsentieren. Vom Stummfilm-Prolog geht es über den deutschen Expressionismus, den film noir, den Gangster- und Vampirfilm zur Hongkong-New Wave in der Silvesternacht 1999. Ein hypnotischer Trip durch fremde Welten und durch die Filmgeschichte oder wie ein österreichischer Kritiker es euphorisch ausdrückte: „ „Resurrection“ übersetzt das Filmgedächtnis der Menschheit ins Chinesische.“

China/Frankreich 2025, Regie: Bi Gan, Darsteller: Jackson Yee, Shu Qi, Mark Chao, ab 16, 160 min

9.9. | Etwas ganz besonderes

18.00/20.30

Die 16-jährige Lea (Frida Hornemann), mit einer schönen Singstimme begabt, hat es in die Vorrunde einer TV-Castingshow in München geschafft. Doch sie ist keine Selbstdarstellerin und weiß nicht, wie sie sich geschickt in Szene setzt. Und Leas familiäre Lebensumstände eignen sich auch nicht gerade für eine „Home Story“, die das Fernsehteam gerne erzählen möchte. Ihre Eltern haben sich vor kurzem getrennt, da ihre Mutter (Gina Henkel) ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Die Sechzehnjährige lebt nun mit ihrem Vater (Max Riemelt) im Waldhotel der Großeltern. Das ist allerdings in die Jahre gekommen und außerdem insolvent. Dann ist da noch ihre Tante Kati, die das Museum im Stadtschloss leitet. Ihr Geschichtskonzept stößt allerdings in der Familie auf wenig Gegenliebe. Es sind also einigermaßen turbulente Verhältnisse, die die Regisseurin Eva Trobisch hier ausbreitet. Atmosphärisch dicht und feinfühlig erzählt, umspannt der Film die Blickwinkel dreier Generationen. Die 1983 in Ost-Berlin geborene Filmemacherin siedelt die Handlung in der malerischen Residenzstadt Greiz im östlichen Thüringen an. Die Wahl des Schauplatzes sowie die Familienkonstellation mit all ihren Brüchen vor und nach dem Mauerfall werfen damit ein Schlaglicht auf historische und aktuelle ostdeutsche Lebensrealitäten.

Deutschland 2026, Regie: Eva Trobisch, Darsteller: Frida Hornemann, Eva Löbau, Rahel Ohm, ab 12, 116 min

16.9. | Friendly Fire – Erich Fried

18.00/20.30

Beide Vorstellungen werden in der zweisprachigen Original-fassung gezeigt (deutsch und englisch / mit deutschen Untertiteln).

Erich Fried, einer der größten politischen Lyriker deutscher Zunge, starb 1988 im Alter von 67 Jahren. Von Geistesgrößen geradezu umschwärmt, blieb er seinem eigenen Sohn Klaus merkwürdig fremd. Der begibt sich mit seinem Dokumentarfilm „Friendly Fire – Erich Fried“ nun auf Spurensuche, um Stück für Stück die Puzzleteile des Lebensweges seines Vaters zusammenzusetzen. 1938 die Flucht des österreichisch-jüdischen Jugendlichen von Wien nach London, nachdem Hitler die Alpenrepublik überrollt hatte, gefolgt von den Ereignissen der deutschen Teilung nach dem II. Weltkrieg, Die turbulenten 1960-er bis 1980-er Jahre schließen sich an, die Zeit der 68-er- Bewegung und der Terroranschläge der Rote-Armee-Fraktion. Und mittendrin Erich Fried, der sich vor keinen ideologischen Karren spannen lässt. Als jüdischer Emigrant kritisiert er die israelische Politik auf das heftigste und als linker Pazifist und Antifaschist besucht er den Neonazi Michael Kühnen im Gefängnis, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen (überzeugen will er Kühnen natürlich auch, aber das misslingt). Klaus Fried präsentiert zusammen mit seiner Co-Autorin Julia Albrecht eine Mischung aus Roadmovie (gedreht in Berlin, Wien, London und Baden-Baden), zeitgeschicht-licher Dokumentation und Interviews zur Familiengeschichte. Und dass auch zahlreiche Gedichte des zeitlebens für Verständigung arbeitenden Lyrikers vorgetragen werden, wird seine Anhänger besonders erfreuen.

Deutschland/Österreich 2025, Regie: Klaus Fried und Julia Albrecht, Dokumentarfilm, ab 12, 109 min

23.9. | Exit 8

18.00/20.30

Ein namenloser junger Mann (Kazunari Ninomiya) steigt in Tokio aus der U-Bahn aus und strebt dem Ausgang der Station zu – doch er kann ihn nicht finden. Keine Tür, keine Treppe, stattdessen kommt er immer wieder an denselben Schließfächern vorbei. Wird er ewig im Kreis laufen? „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen japanischen Computerspiels und das geht so: „Du bist in einer endlosen Untergrundpassage gefangen. Beobachte Deine Umgebung mit äußerster Sorgfalt und finde Ausgang 8.“ Es gilt, klitzekleine Abweichungen zu erkennen, die den Weg weisen aus der Endlosschleife. In der Filmadaption des Regisseurs Genki Kawamura begegnet die Hauptfigur immer wieder einem älteren Mann (sein gealtertes Ich?), der die Schleife offenbar seit Jahrzehnten wie ein Roboter durchläuft. Und dann ist da noch der kleine Junge (sein ungeborener Sohn?) – weiß der vielleicht den Weg nach draußen? „Exit 8“ ist die filmische Umsetzung der Angst eines jungen Mannes vor der Vaterschaft, die ihn mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Der weicht er aus, indem er sich in eine endlose Schleife flüchtet. Diese beklemmende Situation ist typisch für japanische Regisseure, die absurd erscheinende Ideen spielerisch aufgreifen, um sie dann konsequent auf die Spitze zu treiben. Ein psychedelischer Horror-Mysterythriller der besonderen Art.

Japan 2025, Regie: Genki Kawamura, Darsteller: Kazumari Ninomiya, Yamato Kochi, Nana Komatsu, ab 12, 95 min

30.9. | A Sad and Beautiful World

18.00/20.30

Der Libanon, ein Land im permanenten Ausnahmezustand, in dem Krieg und wirtschaftliches Chaos den Alltag bestimmen. Mal sehr subtil, dann wieder ganz unmittelbar. Vor diesem Hintergrund erzählt der Regisseur Cyril Aris eine schmerzhafte Liebesgeschichte voller Magie, Poesie und unausweichlicher Grausamkeit. Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) heißt das Paar und es beginnt wie in einer turbulenten Hollywood-Liebeskomödie. Doch schon wenig später ziehen die ersten Wolken auf in der Beziehung des lebenslustigen, unverbesserlichen Optimisten Nino und der pragmatisch-sachlichen Yasmina. Beide tragen schwer an traumatischen Familienereignissen, an Trennung bzw. Tod ihrer Eltern. Collagenhaft und mit Zeitsprüngen folgt Cyril Aris dieser Liebe zweier so unterschiedlicher Menschen. Er findet dafür eindrückliche Bilder, mal von eleganter Schönheit, mal von verspielter Phantasie. Schon der Titel sagt es: Dieser Film erzählt eine wunderschöne und eine todtraurige Geschichte in einer beängstigenden Umgebung. So wird „A Sad and Beautiful World“ auch zu einer universellen Geschichte.

Libanon 2025, Regie: Cyril Aris, Darsteller: Mounia Akl, Hasan Akil, Julia Kassar, ab 12, 110 min

5.8. | Die kleine Amelie oder der Charakter des Regens

18.00

Das kleine Baby Amelie schaut aus großen grünen Augen in die Welt hinaus. Ansonsten verhält es sich für einen Säugling, nun ja, einigermaßen unkonventionell. Es schreit nicht und stellt keine Ansprüche, es will erst einmal gar nichts außer mit dabei sein. Den Eltern kommt das sehr gelegen, haben sie doch bereits zwei temperamentvolle Sprösslinge und mit diesen alle Hände voll zu tun. Die belgische Familie – der Vater arbeitet im diplomatischen Dienst – lebt in Japan und dort passiert es auch, dass Amelie an ihrem zweiten Geburtstag von einem ortstypischen Mini-Erdbeben wachgerüttelt wird. Danach ist es mit der Ruhe vorbei. Die Lage bessert sich erst, als die Oma aus Belgien mit der dortigen Geheimwaffe (Schokolade) anrückt sowie die Haushaltshilfe Nishio-San sich des nun putzmunteren Kleinkindes annimmt. Der oscarnominierte Animationsfilm „Die kleine Amelie….“ von Mailys Vallade und Liane-Cho Han ist eine Adaption des autobiogra-phischen Romans „Metaphysik der Röhren“ der Schriftstellerin Amelie Nothomb. Da seine Erzählperspektive die der kleinen Titelheldin ist, ist alles, was passiert, hochdramatisch, zutiefst emotional und von existenzieller Tragweite. Die Gefühle wechseln abrupt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Wer eben erst in die Welt findet, kennt keine Zwischentöne. Komplex ist diese noch überschaubare Welt dennoch. Schließlich sind auch ganz kleine Menschen bereits konfrontiert mit Grundbegriffen des Lebens wie Verlust und Trauer, aber auch der Macht von Zuneigung und Gemeinsamkeit. All diese Weisheiten vermittelt „Die kleine Amelie…“ auf einfache und klare Art ohne zu verniedlichen – dargestellt in leuchtenden, aber zugleich sanften Farben, die an Pastellkreiden erinnern und damit an ein Werkzeug für erste kindliche Malversuche.

Frankreich 2025, Regie: Mailys Vallade, Liane-Cho Han, Animationsfilm, ab 6, 77 min

5.8. | Night on Earth

20.30

In fünf Episoden erzählt Night on Earth von den Ereignissen einer ganz bestimmten Nacht, die jeweils in einer von fünf großen Metropolen stattfinden. Ein Taxifahrer und seine teils aberwitzigen und kuriosen Erlebnisse mit einem seiner Fahrgäste stehen jeweils im Mittelpunkt des Geschehens. Alles beginnt in der Dämmerung von Los Angeles, führt dann weiter nach New York, von dort nach Paris und Rom und endet schließlich in Helsinki im Morgengrauen. Um die unterschiedliche landestypische Atmosphäre zu erhalten, wurden die einzelnen Episoden in der jeweiligen Landessprache gedreht und nicht synchronisiert, sondern nur mit Untertiteln versehen. In Jim Jarmuschs skurril-warmherziger Komödie bilden Humor und dramatischer Ernst ein Gleichgewicht, das den Ruf des Regisseurs als Meister des schrägen Humors untermauerte. Mit dem genialen Soundtrack von Tom Waits entsteht ein amüsanter Blick auf unsere Erde, der inzwischen Kultstatus erlangt hat.

USA 1991, Regisseur: Jim Jarmusch, Darsteller: Winona Ryder, Armin Mueller-Stahl, Isaach De Bankole, Roberto Benigni, Matti Pellonpää, ab 16, 128 min

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