7.10. | Teenage Sex and Death at Camp Miasma

20.30

Der Film wird in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Die queere Filmemacherin Kris (Hannah Einbinder) soll eine Fortsetzung der Slasherfilm-Reihe „Camp Miasma“ drehen. Um das Niveau der Reihe zu halten, will sie die frühere Filmheldin (Billy Presley (Gillian Anderson) erneut als Hauptdarstellerin gewinnen. In dem Film der Regisseurin Jane Schoenbrun geht es um nichts geringeres als Sex, Tod und wie beides miteinander zusammenhängt. Blut und jegliche andere Art von Körpersäften fließen reichlich; der titelgebende Name „Miasma“, das altgriechische Wort für Besudelung, macht das von Anfang an klar. „Teenage Sex and Death…“ ist ein typisches Beispiel eines Slasherfilms, einem Subgenre des Horrorfilms, in denen eine Gruppe (weiblicher) Personen durch einen (männlichen) Killer bedroht wird. Die Haupthandlung siedelt Schoenbrun in der Gegenwart an, aber historischer Bezugspunkt sind die 1980-er Jahre, die Blütezeit des Slasherkinos. Ein brachialer Splatterfilm im Arthousegewand.

USA 2026, Regie: Jane Schoenbrun, Darsteller: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Jack Haven, ab 16, 106 min

14.10. | Vaterland

18.00/20.30

Der 1933 ins Exil gegangene Thomas Mann (Hanns Zischler) kehrt sechzehn Jahre später nach Deutschland zurück, um zwei Goethepreise entgegenzunehmen, einen im amerikanisch besetzten Frankfurt am Main, den anderen im sowjetisch kontrollierten Weimar. Begleitet von seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) fährt der Literatur-Nobelpreisträger durch ein fremd gewordenes Land. Der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski macht daraus ein ungewöhnlich stilles Roadmovie, gedreht in zeittypischem Schwarz-Weiß und dem damals gebräuchlichen Format 1:1,33. Er rekonstruiert die Reise nicht akribisch und authentisch, er macht von Anfang an klar, dass er zuspitzt und verdichtet. So ersetzt er in seinem Film Manns Ehefrau Katia durch die Tochter Erika und rückt die Vater-Tochter-Beziehung ins Zentrum. Hanns Zischler spielt diesen Thomas Mann in der vielleicht besten Leistung seiner Karriere. Die ebenso beeindruckende Sandra Hüller drückte das nach den Dreharbeiten so aus: „Ich liebe Thomas Mann jetzt wegen Hanns Zischler“. Ein Film über eine Familie, die im beginnenden Kalten Krieg mit den politischen und moralischen Erschütterungen ihrer Zeit ringt. Sohn Klaus Mann (August Diehl) bringt diese Orientierungs-losigkeit für sich persönlich auf die prägnante Formel „Mickey oder Stalin“.

Polen/Deutschland 2026, Regie: Pawel Pawlikowski, Darsteller: Hanns Zischler, Sandra Hüller, August Diehl, ohne Altersbeschrän-kung, 82 min

21.10. | Skiff

18.00/20.30

im Rahmen des Queer-Film-Festivals Bremerhaven

Beide Vorstellungen werden in der niederländisch/französischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Der belgische Coming of Age-Film begleitet über einen Sommer hinweg Malou (15). Malou verbringt die meiste Zeit im Ruderverein und gehört dort zu den talentiertesten Mitgliedern. Trotzdem ist Malou hier immer wieder dem Mobbing anderer Mitglieder ausgesetzt, denn Malou kann mit märchenhaften Geschlechterrollen wenig anfangen und orientiert sich viel lieber an den älteren Brüdern, die Malou Halt geben. Als Malous Bruder Max eine Beziehung mit Nouria beginnt, fühlt sich auch Malou zu Nouria hingezogen. Das führt nicht nur zu Konflikten innerhalb der Familie, sondern auch Malou selbst beginnt, sich zunehmend mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen.

Belgien 2025, Regie: Cecilia Verheyden, Darsteller: Femke Vanhove, Lina Miftan, Wout Vleugels, ab 12, 106 min

9.9. | Etwas ganz besonderes

18.00/20.30

Die 16-jährige Lea (Frida Hornemann), mit einer schönen Singstimme begabt, hat es in die Vorrunde einer TV-Castingshow in München geschafft. Doch sie ist keine Selbstdarstellerin und weiß nicht, wie sie sich geschickt in Szene setzt. Und Leas familiäre Lebensumstände eignen sich auch nicht gerade für eine „Home Story“, die das Fernsehteam gerne erzählen möchte. Ihre Eltern haben sich vor kurzem getrennt, da ihre Mutter (Gina Henkel) ein Kind von einem anderen Mann erwartet. Die Sechzehnjährige lebt nun mit ihrem Vater (Max Riemelt) im Waldhotel der Großeltern. Das ist allerdings in die Jahre gekommen und außerdem insolvent. Dann ist da noch ihre Tante Kati, die das Museum im Stadtschloss leitet. Ihr Geschichtskonzept stößt allerdings in der Familie auf wenig Gegenliebe. Es sind also einigermaßen turbulente Verhältnisse, die die Regisseurin Eva Trobisch hier ausbreitet. Atmosphärisch dicht und feinfühlig erzählt, umspannt der Film die Blickwinkel dreier Generationen. Die 1983 in Ost-Berlin geborene Filmemacherin siedelt die Handlung in der malerischen Residenzstadt Greiz im östlichen Thüringen an. Die Wahl des Schauplatzes sowie die Familienkonstellation mit all ihren Brüchen vor und nach dem Mauerfall werfen damit ein Schlaglicht auf historische und aktuelle ostdeutsche Lebensrealitäten.

Deutschland 2026, Regie: Eva Trobisch, Darsteller: Frida Hornemann, Eva Löbau, Rahel Ohm, ab 12, 116 min

16.9. | Friendly Fire – Erich Fried

18.00/20.30

Beide Vorstellungen werden in der zweisprachigen Original-fassung gezeigt (deutsch und englisch / mit deutschen Untertiteln).

Erich Fried, einer der größten politischen Lyriker deutscher Zunge, starb 1988 im Alter von 67 Jahren. Von Geistesgrößen geradezu umschwärmt, blieb er seinem eigenen Sohn Klaus merkwürdig fremd. Der begibt sich mit seinem Dokumentarfilm „Friendly Fire – Erich Fried“ nun auf Spurensuche, um Stück für Stück die Puzzleteile des Lebensweges seines Vaters zusammenzusetzen. 1938 die Flucht des österreichisch-jüdischen Jugendlichen von Wien nach London, nachdem Hitler die Alpenrepublik überrollt hatte, gefolgt von den Ereignissen der deutschen Teilung nach dem II. Weltkrieg, Die turbulenten 1960-er bis 1980-er Jahre schließen sich an, die Zeit der 68-er- Bewegung und der Terroranschläge der Rote-Armee-Fraktion. Und mittendrin Erich Fried, der sich vor keinen ideologischen Karren spannen lässt. Als jüdischer Emigrant kritisiert er die israelische Politik auf das heftigste und als linker Pazifist und Antifaschist besucht er den Neonazi Michael Kühnen im Gefängnis, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen (überzeugen will er Kühnen natürlich auch, aber das misslingt). Klaus Fried präsentiert zusammen mit seiner Co-Autorin Julia Albrecht eine Mischung aus Roadmovie (gedreht in Berlin, Wien, London und Baden-Baden), zeitgeschicht-licher Dokumentation und Interviews zur Familiengeschichte. Und dass auch zahlreiche Gedichte des zeitlebens für Verständigung arbeitenden Lyrikers vorgetragen werden, wird seine Anhänger besonders erfreuen.

Deutschland/Österreich 2025, Regie: Klaus Fried und Julia Albrecht, Dokumentarfilm, ab 12, 109 min

23.9. | Exit 8

18.00/20.30

Ein namenloser junger Mann (Kazunari Ninomiya) steigt in Tokio aus der U-Bahn aus und strebt dem Ausgang der Station zu – doch er kann ihn nicht finden. Keine Tür, keine Treppe, stattdessen kommt er immer wieder an denselben Schließfächern vorbei. Wird er ewig im Kreis laufen? „Exit 8“ ist die Verfilmung des gleichnamigen japanischen Computerspiels und das geht so: „Du bist in einer endlosen Untergrundpassage gefangen. Beobachte Deine Umgebung mit äußerster Sorgfalt und finde Ausgang 8.“ Es gilt, klitzekleine Abweichungen zu erkennen, die den Weg weisen aus der Endlosschleife. In der Filmadaption des Regisseurs Genki Kawamura begegnet die Hauptfigur immer wieder einem älteren Mann (sein gealtertes Ich?), der die Schleife offenbar seit Jahrzehnten wie ein Roboter durchläuft. Und dann ist da noch der kleine Junge (sein ungeborener Sohn?) – weiß der vielleicht den Weg nach draußen? „Exit 8“ ist die filmische Umsetzung der Angst eines jungen Mannes vor der Vaterschaft, die ihn mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Der weicht er aus, indem er sich in eine endlose Schleife flüchtet. Diese beklemmende Situation ist typisch für japanische Regisseure, die absurd erscheinende Ideen spielerisch aufgreifen, um sie dann konsequent auf die Spitze zu treiben. Ein psychedelischer Horror-Mysterythriller der besonderen Art.

Japan 2025, Regie: Genki Kawamura, Darsteller: Kazumari Ninomiya, Yamato Kochi, Nana Komatsu, ab 12, 95 min

30.9. | A Sad and Beautiful World

18.00/20.30

Der Libanon, ein Land im permanenten Ausnahmezustand, in dem Krieg und wirtschaftliches Chaos den Alltag bestimmen. Mal sehr subtil, dann wieder ganz unmittelbar. Vor diesem Hintergrund erzählt der Regisseur Cyril Aris eine schmerzhafte Liebesgeschichte voller Magie, Poesie und unausweichlicher Grausamkeit. Nino (Hasan Akil) und Yasmina (Mounia Akl) heißt das Paar und es beginnt wie in einer turbulenten Hollywood-Liebeskomödie. Doch schon wenig später ziehen die ersten Wolken auf in der Beziehung des lebenslustigen, unverbesserlichen Optimisten Nino und der pragmatisch-sachlichen Yasmina. Beide tragen schwer an traumatischen Familienereignissen, an Trennung bzw. Tod ihrer Eltern. Collagenhaft und mit Zeitsprüngen folgt Cyril Aris dieser Liebe zweier so unterschiedlicher Menschen. Er findet dafür eindrückliche Bilder, mal von eleganter Schönheit, mal von verspielter Phantasie. Schon der Titel sagt es: Dieser Film erzählt eine wunderschöne und eine todtraurige Geschichte in einer beängstigenden Umgebung. So wird „A Sad and Beautiful World“ auch zu einer universellen Geschichte.

Libanon 2025, Regie: Cyril Aris, Darsteller: Mounia Akl, Hasan Akil, Julia Kassar, ab 12, 110 min

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung