12.8. | Couscous und Geheimnisse

18.00/20.30

Der junge algerische Koch Mehdi (Younes Boucif) führt ein Doppelleben – nicht so aufregend wie ein Agent, aber doch nicht ohne Stress. Während er nämlich tagsüber gemeinsam mit seiner Partnerin Lea (Clara Bretheau) als Koch in einem Bistro arbeitet, spielt er abends vor seiner algerischen Mutter Fatima (Malika Zerrouki) den perfekten Sohn und verbirgt vor ihr nicht nur seine Beziehung zu Lea, sondern auch seine Leidenschaft für französische Küche und Weine. Das muss er auch, denn die traditionsbewusste Mutter wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihr Sohn ein Mädchen aus der alten Heimat heiratet; eine Beziehung wie zu Lea ist in ihrer Welt nicht vorgesehen. Zunächst geht alles gut, doch irgendwann ist Lea das Versteckspiel leid und verlangt ultimativ ein Treffen mit Fatima. In die Enge getrieben, ersinnt Mehdi eine überaus unkonventionelle Lösung… Der Regisseur Amine Adjina mischt in seiner Komödie munter zusammen, was nicht zusammengehört. Bauchtanz im Zug, die Kunst des Kochens, einen ernsthaften Blick auf Traditionen und natürlich die Liebesgeschichte. Ein Zusammenprall der Kulturen der besonderen Art.

Frankreich 2025, Regie: Amine Adjina, Darsteller: Younes Boucif, Clara Bretheau, Malika Zerrouki, ab 6, 105 min

19.8. | The Piano Tuner

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Der junge New Yorker Musiker Niki White (Leo Woodall) leidet unter einer krankhaften Geräuschüberempfindlichkeit. Alltagssounds wirken für ihn ohrenbetäubend, die ganze Welt ist für ihn eine lärmende Baustelle. Ein Musiker, der unter Tönen leidet, muss sich notgedrungen neu orientieren. Seine vielversprechende Karriere als Konzertpianist gibt Niki auf, um sodann aus dem Fluch der Überempfindlichkeit einen Segen zu machen – er wird Klavierstimmer. Zusammen mit seinem älteren Kollegen Harry (Dustin Hoffman) zieht er von Auftrag zu Auftrag in den ehrwürdigen Konzertsälen New Yorks. Da schließt der zunehmend vergessliche Harry versehentlich sein Hörgerät im Safe ein und Niki findet quasi zufällig heraus, zu was sein übersensibles Gehör außerdem noch in der Lage ist. Es macht ihn zum perfekten Safeknacker, da er die Verschleißspuren am Zahlenrad sowie das Klacken des Schlosses genau hören kann. Und weil Harry nach einem Herzinfarkt die Krankenhauskosten nicht bezahlen kann, lässt sich Niki auf einen Pakt mit dem Teufel ein, genauer gesagt mit dem korrupten Boss einer Sicherheitsfirma, der sein Insiderwissen für Raubüberfälle nutzt. Der Regisseur Daniel Roher beginnt seinen Film als liebenswerte Kumpelkomödie über den Arbeitsalltag der beiden Klavierstimmer. Romantische Töne mischen sich dann hinein, als Niki die Musikstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) mit seinem absoluten Gehör betört und schließlich kippt der Film in einen veritablen Thriller. Und all dies geschieht so fließend, wie ein virtuoser Musiker die Tonlage wechselt.

USA/Kanada 2026, Regie: Daniel Roher, Darsteller: Leo Woodall, Dustin Hoffman, Havana Rose Liu, ab 12, 109 min

26.8. | Ich verstehe Ihren Unmut

18.00/20.30

Die 59-jährige Heike (Sabine Thalau) arbeitet als Objektleiterin einer Gebäudereinigungsfirma. Sie kontrolliert Reinigungskräfte in Einkaufszentren, Kindergärten und Bürohäusern.Sie organisiert Vertretungen und telefoniert pausenlos mit Leuten, die sich über mangelnde Hygiene beschweren.“Ich verstehe Ihren Unmut“, sagt sie dabei ständig. Ein höflicher Satz, aber schon nach der zehnten Wiederholung wirkt er vollkommen inhaltsleer. Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Kilian Armando Friedrich besticht durch seine unmittelbare Nähe zu seinen Figuren. Die eingesetzte Handkamera klebt geradezu an Heike. Sie rennt Treppen hoch, stopft Putzlappen in Säcke, hetzt mit dem Handy am Ohr durch Parkhäuser und Hintereingänge. Selbst beim Zuschauen bleibt einem irgendwann die Luft weg. Aus dieser Situation macht der Film aber keineswegs eine einfache Anklage und schon gar kein Wohlfühl-Arbeiterdrama. Heike ist keine Heldin. Sie sabotiert Streikversuche, streckt heimlich Reinigungsmittel zum Weiterverkauf, betreibt die Kündigung eines Mitarbeiters. Gerade diese Ambivalenz macht die Figur so stark. Regisseur Friedrich zeigt, wie Menschen unter permanentem Druck beginnen, das System zu unterstützen, das sie selbst zerstört. Sabine Thalau spielt Heike mit einer Wucht, die von der Wirklichkeit gespeist wird, sie stammt selbst aus der Reinigungsbranche. Zahlreiche weitere Szenen beruhen auf Erfahrungen aus Friedrichs Recherche. Das verleiht dem Film eine Rohheit, die man im deutschen Kino selten sieht. Wenn Heike im Auto gleichzeitig Kunden beruhigt, Krankmeldungen organisiert und von ihrem Chef zusammengestaucht wird, entsteht ein Stressniveau, das fast körperlich spürbar wird. Und doch blitzen zwischen all dem Druck auch immer wieder kleine Gesten der Solidarität auf, kurze Momente gemeinsamer Erschöpfung. Mehr Hoffnung wäre auch verlogen.

Deutschland 2026, Regie: Kilian Armando Friedrich, Darsteller: Sabine Thalau, Nada Kosturin, Sadibou Diabang, ohne Altersangabe, 93 min

1.7. | Der verlorene Mann

18.00/20.30

Die Künstlerin Hanne (Dagmar Manzel) und der pensionierte Pfarrer Bernd (August Zirner) führen eine glückliche, jedoch etwas festgefahrene Ehe, Da steht wie aus dem Nichts Hannes früherer Ehemann Kurt (Harald Krassnitzer) vor ihrer Tür. Aufgrund seiner Demenzerkrankung kann sich dieser nicht mehr daran erinnern, dass er und Hanne bereits seit 20 Jahren geschieden sind. Ins Pflegeheim kann er nicht mehr zurück, so dass ihn Hanne und Bernd als Dauergast in ihrem Gästezimmer aufnehmen. Was als Demenzgeschichte beginnt, entwickelt sich bald zu einem außergewöhnlichen Beziehungsdrama. Trotz seiner Krankheit hat Kurt seine Persönlichkeit behalten, er ist nach wie vor ein Charakter, charmant, aufmerksam und liebesbedürftig. Das zieht Hanne emotional in ihre gemeinsame Vergangenheit zurück und das kann Bernd nicht kaltlassen. In seinem Langfilmdebüt geht der Regisseur Welf Reinhart sehr behutsam zu Werke. Die Gefühle spielt er nicht aus, vielmehr setzt er auf die Vorstellungskraft des Zuschauers. Ein sanfter kleiner Film, der vollends seinen großartigen Schauspielern vertraut und darin so gefühlvoll wie bildreich bleibt.

Deutschland 2026, Regie: Welf Reinhart, Darsteller: Dagmar Manzel, Harald Krassnitzer, August Zirner, ab 12, 106 min

8.7. | Mit leiser Stimme

18.00/20.30

Aus Anlass des Christopher Street Days am 11.7.

Der Film wird in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Lilia reist nach dem Tod ihres Onkels für die Beerdigung aus Paris nach Tunesien zu ihrer Familie zurück. Ihre lesbische Beziehung hält sie vor ihrer Familie geheim, ihre Partnerin begleitet sie dennoch zurück in die Heimat. Sehen tun sich die beiden aber nur im Schutz des Hotelzimmers. Die Familie wiederum macht ein großes Geheimnis aus den Umständen, die zum Tode des Onkels führten. Während Lilia eigene Nachforschungen anstellt, stößt sie auf Familiengeheimnisse und lernt ihre Heimat und ihren Onkel noch einmal in einem ganz anderen Licht kennen. Leyla Bouzid vereint in ihrem Film Familiendrama und Krimi und zeigt ein generationen-übergreifendes Portrait zwischen Tradition, Veränderung, gesellschaftlichen Tabus und Identitätsfindung.

Frankreich/Tunesien 2026, Regisseur: Leyla Bouzid, Darsteller: Eya Bouteraa, Hiam Abbass, ohne Altersbeschränkung, 113 min

15.7. | Vivaldi und ich

18.00/20.30


Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der italienischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Das Ospedale della Pieta war zu Beginn des 18. Jahrhunderts eines von vier Waisenhäusern in der Adelsrepublik Venedig und verfügte bereits über eine Babyklappe. Die Findelkinder waren Waisen unter Vorbehalt: Ihre Mütter hinterließen Kennzeichen, um sie später gegebenenfalls zurückzufordern. Die Mädchen wurden musikalisch ausgebildet und traten öffentlich auf, allerdings hinter Gittern und Masken verborgen. Zugleich war die gewinnorientierte Verwahranstalt ein Heiratsmarkt für Männer aus der höheren Gesellschaft. Dieses Schicksal droht auch der Violinistin Cecilia (Tecla Insolia), die einem Offizier versprochen ist. Da übernimmt Antonio Vivaldi (Michele Ricondino) die Musikschule. Der große Komponist erkennt augenblicklich Cecilias Begabung und Ernsthaftigkeit. Keinesfalls will er zulassen, dass ihr Talent vergeudet wird und setzt alles daran, dem Mädchen eine musikalische Zukunft außerhalb des Heims zu ermöglichen. Die Situation spitzt sich zu, als der heiratswillige Offizier heimkehrt. Nun könnte die Violine für Cecilia ein Instrument der Befreiung werden. Der Regisseur Damiano Michieletto schildert in seinem Kinodebüt ein Kapitel im Schaffen Antonio Vivaldis – in welchem dieser nicht die Hauptrolle spielt.

Italien/Frankreich 2025, Regie: Damiano Michieletto, Darsteller: Tecla Insolia, Michele Riondino, Fabrizia Sacchi, ab 12, 110 min

22.7. | Nachbeben

18.00/20.30

Die Neurologin Alexandra (Özlem Saglanmak) arbeitet auf der unterbesetzten Schlaganfallstation eines dänischen Krankenhauses. Jedes Zögern und jede falsche Entscheidung können den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen. Als der 18-jährige Oliver (Jacob Spang Olsen) mit einem diffusen Kopfschmerz und einer Nackenstarre in die Klinik kommt, lautet ihr Befund „Unauffällig“ und sie entlässt den jungen Mann gemeinsam mit seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) wieder. Wenig später bricht Oliver mit einer Hirnblutung zusammen. Alex muss feststellen, dass sie einen Fehler gemacht hat, der nicht wiedergutzumachen ist. Das Second-Victim-Phänomen beschreibt die Belastung, die Behandlungsfehler beim Gesundheitspersonal auslösen können. „Second Victims“ lautet auch der internationale Titel dieses Langfilmdebüts der dänischen Regisseurin Zinnini Elkington und der hätte deutlich besser gepasst als der deutsche. Es gibt nämlich mehr als ein Opfer in „Nachbeben“ – neben dem toten 18-jährigen dessen Eltern, die Neurologin Alex und das gesamte Umfeld. Die Filmemacherin Elkington sucht dabei keine einfachen Antworten, sondern blättert in intensiven und dabei oft ganz leisen Bildern die Strukturen auf, die eingezwängt sind in einem dichten Geflecht aus Angst, Verantwortung und Trauer. Sie beschreibt ein System, das alle Beteiligten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt – mit einem brillanten Hauptdarsteller-Duo Özlem Saglanmak und Trine Dyrholm.

Dänemark 2025, Regie: Zinnini Elkington, Darsteller: Özlem Saglanmak, Trine Dyrholm, Mathilde Arcel Fock, ab 12, 92 min

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