27.5. | Vier minus drei

18.00/20.30

Clowns wollen die Menschen zum Lachen bringen und strahlen doch oft etwas Melancholisches aus. Vielleicht müssen auch die Menschen, die in ein Clownskostüm schlüpfen, diese gegensätzlichen Emotionen in sich vereinen. So wie Barbara (Valerie Pachner) und Heli (Robert Stadtlober). Sie arbeitet als Clown in einer Kinderklinik, er auf der Bühne. Mit ihren beiden kleinen Kindern Fini und Thimo leben sie fröhlich, liebevoll und voller Phantasie auf einem sehr sanierungsbedürftigen Hof. Doch eines Tages gibt es am Bahnübergang einen Unfall mit einem Clownsbus. Heli ist sofort tot, Fini und Thimo sterben wenig später im Krankenhaus. Wie gelähmt ist Barbara, sie verzweifelt an ihrem Leben und droht daran zu zerbrechen. Irgendwann jedoch beginnt sie, sich ihrem Schicksal zu stellen: „Ich bin am Leben und ich möchte Teil des ganz normalen Lebens bleiben“, schreibt sie an alle ihre Freunde. Die Trauer, der Schmerz und die Liebe verschwinden dabei nicht. Sollen sie auch gar nicht. Der österreichische Regisseur Adrian Goiginger hat den autobiographischen Roman von Barbara Pachl-Eberhart sanft und ohne Verklärung verfilmt. Goiginger erzählt mit Rückblenden vom Vorher und Nachher, stellt den unsagbaren Schmerz die Ausgelassenheit der Vergangenheit gegenüber. „Vier minus drei“ ist ein eindringlicher, zärtlicher Film der großen Gefühle und kleinen Blicke, der sanften Gesten und stillen Momente. Er wirft einen frischen Blick auf Trauer und Verlust, er feiert das Leben auch im Angesicht des Todes. Er bietet einen versöhnlichen Zugang zum Sterben und erinnert zugleich an die Dankbarkeit, die man für sein Glück haben sollte. Ein berührendes Drama über eine Frau, die ihre Familie verliert und trotz aller Trauer wieder lernt, das Leben zu feiern, die ihre Clownsphilosophie zum Lebensmotto macht.

Österreich/Deutschland 2026, Regie: Adrian Goiginger, Darsteller: Valerie Pachner, Robert Stadtlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, ab 12, 121 min

25.3. | Hamnet

18.00/20.30

Die zweite Vorstellung um 20.30 Uhr wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

England im Jahr 1580. In dem kleinen Dorf Stratford upon Avon heiratet der Lateinlehrer und spätere Schriftsteller William Shakespeare seine geliebte Agnes (Jessie Buckley); das Ehepaar bekommt drei Kinder, zuerst Susanna und dann die Zwillinge Judith und Hamnet. Doch dann stirbt Hamnet 1596 im Alter von elf Jahren an der Pest und der Tod des Jungen droht die Familie zu zerreißen. Die Mutter taumelt durch ein Leben, das nicht wiederzuerkennen ist. Dem Vater wiederum wohnt eine gespaltene Persönlichkeit inne. Seine Trauer befindet sich im steten Widerstreit mit der fiebrigen Besessenheit eines literarischen Genies. Sein Leid verarbeitet er folgerichtig in einem Theaterstück, der Tragödie „Hamlet“. Die Schriftstellerin Maggie O’Farrell schildert diese Geschichte in ihrem 2020 erschienenen Buch „Judith und Hamnet“. Gemeinsam mit ihr hat die Regisseurin Chloé Zhao den Roman in bravouröse Filmsprache verwandelt. Zhao malt Tableaus im Stil alter niederländischer Meister, spielt virtuos mit Licht und Schatten. Nahaufnahmen vermitteln Intimität, Liebe, Zorn, Eifersucht und Traumata. Die emotionale Wucht und Intensität des Romans steigert der Film sogar noch. „Hamnet“ wendet sich mit maximaler Wirkung an Herz und Hirn gleichermaßen. Mit einem Wort: ein Meisterwerk des Kinos.

Großbritannien 2025, Regie: Chloé Zhao, Darsteller: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, ab 12, 125 min

4.2. | Zweitland

18.00/20.30

Nach der Niederlage Österreichs im Ersten Weltkrieg wird das mehrheitlich deutschsprachige Südtirol von Italien annektiert. Es kommt zu jahrzehntelangen Kämpfen zwischen der Separatisten-Organisation Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) und der italienischen Staatsmacht. Der Regisseur Michael Kofler, der selbst aus dieser Region stammt, siedelt seine Geschichte im Jahr 1961 an, in dem der Konflikt in der sogenannten „Feuernacht“ blutig eskalierte. Seine beiden Protagonisten, die Brüder Paul (Thomas Prenn) und Anton (Laurence Rupp) gehen ganz unterschiedlich mit den Geschehnissen um. Während es den musisch begabten Paul an die Kunsthochschule in München zieht, führt der bodenständige Anton den Bauernhof der Eltern weiter und muss die alltäglichen Schikanen der italienischen Regierung ertragen. Kofler beleuchtet den tief verwurzelten Konflikt in all seinen Facetten, von der separatistischen Gewalt über die Gegengewalt der Staatsmacht bis hin zu dem Versuch der Vermittlung zwischen den Volksgruppen. Besonders authentisch wird dieser Anti-Heimatfilm durch die Untertitelung des deutschen Dialekts sowie des Italienischen. Durch die Anerkennung des Autonomiestatus in den frühen 1970-er Jahren ist die separatistische Eskalation in Südtirol mittlerweile in Vergessenheit geraten. „Zweitland“ ruft diesen Unabhängigkeitskampf jetzt noch einmal ins Bewusstsein zurück.

Deutschland/Italien/Österreich 2025, Regie: Michael Kofler, Darsteller: Thomas Prenn, Laurence Rupp, Aenne Schwarz, ab 12, 112 min

11.2. | Ein einfacher Unfall

18.00/20.30

Der Iraner Eqbal (Ebrahim Azizi) ist nachts mit seiner Frau und seiner Tochter mit dem Auto unterwegs. Nach dem Zusammenprall mit einem Hund muss er eine nahe gelegene Werkstatt aufsuchen. Der Mechaniker Vahid (Vahid Mobasseri) glaubt in ihm den Mann wiederzuerkennen, der ihn einst im Gefängnis gefoltert hat. Von Rachegefühlen getrieben entführt er seinen vermeintlichen Peiniger. Als der seine Unschuld beteuert, kontaktiert Vahid mehrere andere Opfer Eqbals, die ihm helfen sollen, seinen Verdacht zu bestätigen. Der Regisseur Jafar Panahi, selbst seit vielen Jahren durch das iranische Regime verfolgt, verarbeitet in seinem Film eigene Erlebnisse zu einer Parabel über oppositionelle Strömungen und ihren Umgang mit dem Terror der Staatsgewalt. Es geht um Schuld und Sühne und die Frage, ob man aus Rache töten oder doch Gnade walten lassen sollte. Panahi zeichnet zudem ein komplexes Bild der iranischen Gesellschaft. Er zeigt Frauen, die ohne Kopftuch durch die Straßen laufen und es dann doch schnell zur Hand haben, wenn Obrigkeiten im Anmarsch sind. Wenn sich dann die gleichen Obrigkeiten durch ein angemessenes Bakschisch besänftigen lassen und bei fehlendem Bargeld auch gerne mit Kartenzahlung einverstanden sind, wird der spannungsreiche Thriller zum absurden Theater. Mit dieser filmischen Abrechnung mit dem Mullah-Regime gewann Panahi im letzten Frühjahr die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes und ist außerdem Frankreichs Kandidat für die anstehende Oscar-Verleihung.

Iran/Frankreich 2025, Regie: Jafar Panahi, Darsteller: Vahid Mobasseri, Ebrahim Azizi, Mariam Afshari, ab 16, 105 min

18.2. | Sentimental Value

18.00/20.30

Der Drachenstil setzte sich in Norwegens Architektur am Ende des 19. Jahrhunderts durch. Seinen Namen verdankt er den auskragenden Dachgiebeln der mehrstöckigen Holzhäuser. Die Villa, in der die Familie Borg seit Generationen lebt, ist ein Juwel dieses Baustils.Für „Sentimental Value“ ist dieser Schauplatz so unverzichtbar, dass er eine eigene Erzählstimme erhält, die aus dem Off berichtet, wie die Räume mit ihren Bewohnern leben. Die Villa wird zu einem emotionalen Minenfeld, als Gustav Borg (Stellan Skarsgard) nach der Beerdigung seiner Frau plötzlich in das Leben seiner Töchter zurückkehrt. Nora (Renate Reinsve) hat ihm nie verziehen, dass er die Familie verließ, ihre jüngere Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) ist milder gestimmt. Der Vater war einmal ein berühmter Regisseur und hat ein Drehbuch über den Selbstmord seiner Mutter mitgebracht, das er am Realschauplatz verfilmen will. Nora, eine gefeierte Bühnenschauspielerin, soll die Hauptrolle spielen. Brüsk weist sie sein Angebot zurück, das insgeheim ein väterliches Liebeswerben ist. Gustav macht sich notgedrungen auf die Suche nach einer neuen Hauptdarstellerin, gibt die Hoffnung auf Noras Teilnahme aber nicht auf. Ein Drama über konfliktbeladene Familienverhältnisse verbunden mit der Zuversicht, dass die Dinge sich schließlich doch so entwickeln, wie man es sich vorgestellt hat.

Norwegen/Dänemark/Schweden 2025, Regie und Drehbuch: Joachim Trier und Eskil Vogt, Darsteller: Stellan Skarsgard, Renate Reinsve, Inga Ibsdotter Lilleaas, ab 12, 133 min

25.2. | Sorry, Baby

18.00/20.30

Die zweite Vorstellung um 20.30 Uhr wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Die begabte Literaturstudentin Agnes (Eva Victor) besucht eine Hochschule im ländlichen Massachusetts. Ein Techtelmechtel mit ihrem attraktiven, allseits beliebten Doktorvater endet tragisch, eine zunächst einvernehmliche körperliche Annäherung mündet in einen Vergewaltigungsversuch. Ein sexueller Übergriff ist ausnahmslos immer eine Attacke, die das Opfer versehrt zurücklässt und in ihrem Regiedebüt „Sorry, Baby“ zeigt Eva Victor auf eindringliche Weise, wie viel Kraft es kostet, nach einem solchen Angriff auf Körper und Seele weiterzumachen – nicht wie bisher, sondern irgendwie. Die Regisseurin erzählt ihre Geschichte in fünf Kapiteln, aber nicht chronologisch. Sie schildert markante Situationen aus Agnes‘ Leben vor und nach der Tat, verschiebt dabei aber die Zeitebenen. Dabei gelingt es ihr auch, das ernste Thema mit Momenten feinen Humors und sogar einem Hauch Romantik zu verflechten, zum Beispiel wenn Agnes eine Affäre mit ihrem Nachbarn beginnt. Doch obwohl die Uni-Karriere der Studentin weiter vorangeht, bleibt der Übergriff auch nach Jahren ein bestimmendes Ereignis. Eva Victor inszeniert und spielt das nicht bitter, sondern mit schwarzhumoriger Traurigkeit und Melancholie. Und irgendwann erschließt sich auch der Titel des Films. „Sorry, Baby, wir müssen damit leben.“ Das klingt einerseits nach Resignation – aber zugleich auch nach Akzeptanz und Aufbruch.

USA 2025, Regie: Eva Victor, Darsteller: Eva Victor, Naomi Ackie, Lucas Hedges, ab 12, 104 min

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung