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Man-soo (Lee Byung-hun) hat sich so richtig nach oben gearbeitet. Als leitender Angestellter in einer Papierfabrik hat er sich die Grundlage geschaffen für das perfekte Glück mit Ehefrau Mi-ri, zwei Kindern und zwei Golden Retrievern, einem Haus mit Garten und Gewächshaus. Die Entlassung bei „Solar Paper“ nach der amerikanischen Übernahme der Firma ist dann der Schock. Nicht nur wegen des bedrohten Wohlstands, sondern auch wegen der Degradierung, denn Entlassung ist für Koreaner wie eine Hinrichtung – „Kopf ab!“. Nun sollen ja Arbeitslose bekanntlich Eigeninitiative ergreifen, um wieder in Lohn und Brot zu gelangen. Man-soo verhält sich da vorbildlich, wenn auch auf etwas, nun ja, spezielle Art und Weise. Aus der Überlegung, dass nicht die zu wenigen Jobs, sondern die zu vielen Konkurrenten das Problem sind, zieht der Familienvater mörderische Konsequenzen. Er gibt ein Inserat der erfundenen Fabrik „Moon Paper“ auf, mit der Bitte um aussagekräftige Bewerbungen, um seine ahnungslosen Opfer danach von der Bildfläche zu putzen. Die nun einsetzende Mordserie erzählt der Regisseur Park Chan-wook mit viel schwarzem Humor, der sich sowohl aus Situations- und Dialogkomik als auch aus rustikalem Slapstick speist. Dies reicht bis zu einem gezielt herbeigeführten Alkohol-Exzess mit koreanischem Trinkritual plus einer spontanen Zahnextraktion. Regisseur Park liefert mit seinem neuen Werk eine Kapitalismus-Kritik der besonderen Art. Zentral bleibt die Frage nach der Identität in der Leistungsgesellschaft: Was sind wir ohne Job? Und warum sehen wir den Feind nicht im System, sondern in unseren Mitmenschen, die demselben Druck ausgesetzt sind wie wir? Die Verfilmung von Donald Westlakes Satire „Die Axt“ aus dem Jahr 1997 geht für Südkorea in das diesjährige Oscar-Rennen.
Südkorea 2025, Regisseur: Park Chan-wook, Darsteller: Lee Byung-hun, Sun Ye-jin, Park Hee- soon, ab 16, 139 min
