
18.00/20.30
Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.
„Memories are like stories“ sagt eine weinende Frau zu Beginn des Films. Dann folgen 120 Minuten, in deren Verlauf sich bruchstückhafte Erinnerungsbilder wiederholen und überlagern. Daraus entsteht die Biographie der Protagonistin und die hat es in sich. Lidia (Imogen Poots) wird von ihrem Vater jahrelang vergewaltigt, auch ihre Schwester wird zu seinem Opfer. Lidia gelingt die Flucht; sie erhält ein Sportstipendium an der Universität. Schon als Jugendliche hat sie hart trainiert, um Profischwimmerin zu werden; nun will sie sich seelisch buchstäblich freischwimmen, doch ihre Traumata sitzen tief und reisen mit. „The Chronology of Water“ erzählt von dieser kaum zu ertragenden Kindheit, von Alkoholmissbrauch, von toxischen Beziehungen und einer Totgeburt, vor allem aber vom Schreiben als Prozess der Selbstfindung und, vielleicht, Selbstheilung. Die Schauspielerin Kristen Stewart verfilmt in ihrem Regiedebüt den autobiographischen gleichnamigen Roman von Lidia Yuknavitch aus dem Jahr 2011. Stewart erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sie arbeitet mit Rückblenden, die nicht immer als solche gekennzeichnet sind. Mit Thora Birch, Kim Gordon und Jim Belushi ist der Film bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, aber vor allem Imogen Poots spielt die Hauptfigur mit einer immensen Wut und Energie. Die realistisch dargestellte Mischung aus Sex, Missbrauch, Sucht und Kindstod schont weder die Protagonistin noch das Publikum – eine emotionale Zumutung und gleichzeitig ein mutiger und gesellschaftlich relevanter Film. Acht Jahre lang kämpfte Kristen Stewart um die Realisation ihres Regiedebüts, das schließlich bei den Filmfestspielen in Cannes 2025 Premiere feierte.
USA 2025, Regisseur: Kristen Stewart, Darsteller: Imogen Poots, Susannah Flood, Tom Sturridge, ab 16, 128 min
