25.2. | Sorry, Baby

18.00/20.30

Die zweite Vorstellung um 20.30 Uhr wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Die begabte Literaturstudentin Agnes (Eva Victor) besucht eine Hochschule im ländlichen Massachusetts. Ein Techtelmechtel mit ihrem attraktiven, allseits beliebten Doktorvater endet tragisch, eine zunächst einvernehmliche körperliche Annäherung mündet in einen Vergewaltigungsversuch. Ein sexueller Übergriff ist ausnahmslos immer eine Attacke, die das Opfer versehrt zurücklässt und in ihrem Regiedebüt „Sorry, Baby“ zeigt Eva Victor auf eindringliche Weise, wie viel Kraft es kostet, nach einem solchen Angriff auf Körper und Seele weiterzumachen – nicht wie bisher, sondern irgendwie. Die Regisseurin erzählt ihre Geschichte in fünf Kapiteln, aber nicht chronologisch. Sie schildert markante Situationen aus Agnes‘ Leben vor und nach der Tat, verschiebt dabei aber die Zeitebenen. Dabei gelingt es ihr auch, das ernste Thema mit Momenten feinen Humors und sogar einem Hauch Romantik zu verflechten, zum Beispiel wenn Agnes eine Affäre mit ihrem Nachbarn beginnt. Doch obwohl die Uni-Karriere der Studentin weiter vorangeht, bleibt der Übergriff auch nach Jahren ein bestimmendes Ereignis. Eva Victor inszeniert und spielt das nicht bitter, sondern mit schwarzhumoriger Traurigkeit und Melancholie. Und irgendwann erschließt sich auch der Titel des Films. „Sorry, Baby, wir müssen damit leben.“ Das klingt einerseits nach Resignation – aber zugleich auch nach Akzeptanz und Aufbruch.

USA 2025, Regie: Eva Victor, Darsteller: Eva Victor, Naomi Ackie, Lucas Hedges, ab 12, 104 min

7.1. | The Mastermind

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird im englischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Wir befinden uns in den siebziger Jahren, in Neu-England. J.B.Mooney (Josh O’Connor), ehemaliger Kunststudent, sattelt in seinem Fach quasi um. Gemeinsam mit zwei Kumpeln tüftelt er am Diebstahl zweier Gemälde aus einem regionalen Kunstmuseum. Nach dem zunächst erfolgreichen Coup erweist sich J.B. jedoch als komplett überfordert mit den bald eintretenden Folgen der Aktion. Am Ende bleibt von seinem romantischen Gangster-Traum des perfekten Kunstdiebstahls nicht viel übrig. Die Regisseurin Kelly Reichardt nimmt in ihren Filmen immer wieder die Verlierer und Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft in den Blick. Dabei werden diese Randgestalten nicht romantisiert, sondern mit all ihren Fehlern und Macken präsentiert. So auch hier. Was als Rebellion eines naiven Freigeists gegen die Zwänge des bürgerlichen Lebens beginnt, entpuppt sich am Ende als Irrfahrt eines unbedingten und egoistischen Individualisten.

USA 2025, Regie: Kelly Reichardt, Darsteller: Josh O’Connor, Alana Haim, Gaby Hoffmann, ab 12, 110 min

Als Dank gibt es für unser treues Publikum nach der 18-Uhr-Vorstellung einen Neujahrsempfang mit Sekt.

14.1. | Im Schatten des Orangenbaums

17.30/20.30

Es beginnt 1988. Der palästinensische Jugendliche Noor wird bei einer Demonstration im Westjordanland von israelischen Soldaten schwer verletzt. Für Noors Mutter Hanan (Cherien Dabis) fühlt sich das an wie ein folgerichtiges Kapitel in der entbehrungsreichen Geschichte ihrer Familie. Die besaß einst eine ertragreiche Orangen-Plantage in Jaffa. Im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 greifen israelische Truppen die Stadt an, die Familie muss ins Westjordanland flüchten. Den Schlüssel zum alten Haus nimmt der Großvater mit – das Trauma der Vertreibung wirkt über Generationen fort. Die in den USA geborene, palästinensischstämmige Regisseurin Cherien Dabis filtert in ihrem auf dem Sundance-Festival gefeierten Drama rund 60 Jahre palästinensischer Geschichte, von der „Nakba“, der Vertreibung im Jahr 1948, bis in die nahe Gegenwart – konsequent aus der Perspektive einer einzigen Familie.

Deutschland/Zypern/Jordanien 2025, Regie: Cherien Dabis, Darsteller: Saleh Bakri, Cherien Dabis, Adam Bakri, ab 12, 145 min

21.1. | Herz aus Eis

18.00/20.30

Hans-Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ wurde schon vielfach verfilmt, vom sowjetischen Märchenklassiker bis zum Disney-Animationsfilm. Eine besonders freie und zeitgenössische Interpretation liefert nun die Regisseurin Lucile Hadzihalilovic mit ihrem neuen Film „Herz aus Eis“. Das 15-jährige Waisenmädchen Jeanne (Clara Pacini) flieht aus dem Kinderheim, um im Paris der 1970-er Jahre ein besseres Leben zu finden. Sie gerät in ein Filmstudio, in dem gerade ihr Lieblingsmärchen „Die Schneekönigin“ verfilmt wird. Jeanne wird als Komparsin Teil des Teams und bald verschwimmen für sie Film und Wirklichkeit. Die märchenhafte Erzähllogik führt das Publikum an labyrinthische Orte voller Rätsel und Geheimnisse, in denen Traum und Realität ineinander übergehen. Schnell gerät Jeanne in den Bann der Schauspielerin Cristina de Berg (Marion Cotillard), die die Schneekönigin verkörpert. Cristina bindet das Mädchen immer stärker an sich; sie zeigt Jeanne deutlich, wer hier die Macht besitzt, wird übergriffig. Der Film ist ein düsteres, märchenhaftes Melodram über Herrschaft, Besessenheit und Opferbereitschaft. Über die Konstruktion Film im Film wirft die Regisseurin dabei gleichzeitig einen klaren, kritischen Blick auf die Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse in der Branche. Und der Film zeigt in Gestalt der genauso eiskalten wie faszinierenden Schneekönigin, welch eine Verführungskraft im Medium Film steckt.

Frankreich/Deutschland 2025, Regie: Lucile Hadzihalilovic, Darsteller: Marion Cotillard, Clara Pacini, August Diehl, Gaspar Noe, ab 12, 117 min

28.1. | Therapie für Wikinger

18.00/20.30

Manfred (Mads Mikkelsen), befindet sich im mittleren Alter. Er hat eine seltsame Frisur und trägt eine seltsame Brille. Auch im Kopf ist er nicht gerade der Schnellste. Als sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) nach 15 Jahren Gefängnis nach Hause kommt, erfährt er, dass Manfred nun nicht mehr „Manfred“ gerufen werden möchte, sondern nur noch auf „John“ hört. Er hält sich nämlich für John Lennon. Und wann immer jemand den falschen Namen sagt, flippt er aus. Notgedrungen stellt sich Anker auf die neue Marotte seines Bruders ein, denn er braucht ihn: Anker hat seinerzeit mit Flemming (Nicolas Bro) eine Bank ausgeraubt und vor der Verhaftung seinen Anteil an Manfred übergeben, der das Geld vergraben sollte. Aber da Manfred nun John ist, kann er sich nicht mehr an das Versteck erinnern. Beide Brüder suchen ihr früheres Zuhause auf, das jedoch von den neuen Besitzern als Ferienwohnung angeboten wird. Zu allem Unglück folgt ihnen auch noch Manfreds Psychiater (Lars Brygmann), der sich von „John“ inspiriert fühlt, die Beatles wieder aufleben zu lassen. In Hamdan (Kardo Razzazi) hat er auch schon jemanden gefunden, der sich zugleich für Paul und Ringo (oder war es George?) hält. Der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen präsentiert einen Film vollgestopft mit skurrilen Szenen und makabrem, auch gewalttätigem Humor. Da bleibt dem Zuschauer manchmal das Lachen im Halse stecken. Vor allem aber erreicht es Jensen, dass exzentrisch-neurotisches Verhalten im Verlauf des Films für das Publikum zur Normalität wird. Ein satirisches Chaos aus Geschwisterdrama, Schatzsuche und Horrorfilm – mit eingebauten Widerhaken.

Dänemark/Schweden 2025, Regie: Anders Thomas Jensen, Darsteller: Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Nikolaj Lie Kaas, Lars Brygmann, Kardo Razzazi, ab 16, 116 min

3.12. | After the Hunt

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird im englischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt

Alma Olsson (Julia Roberts) hat es als Philosophieprofessorin an der Elite-Universität Yale weit gebracht. Gerne lädt sie zu ebenso intellektuellen wie alkoholreichen Partys ein. Ins Wanken gerät ihr privilegiertes Dasein, als ihre Star-Studentin Maggie (Ayo Edebiri) nach einer von Almas Soireen schwere Vorwürfe erhebt: Hat sich Hank (Andrew Garfield), Almas Professorenkollege und guter Freund, sexuell an Maggie vergangen? Der italienische Regisseur Luca Guadagnino liefert in seinem Film keine eindeutigen Antworten. Es ist kompliziert, alle Figuren haben ihre Gründe und Eigeninteressen. „After the Hunt“ erzählt intensiv von Begehren nach Macht, nach Liebe, nach Anerkennung und gesellschaftlichem Status. Der Thriller unterläuft Erwartungen ganz bewusst und rückt die Ereignisse und Protagonisten immer wieder in ein anderes Licht. Der Regisseur Guadagnino wertet nicht und stellt sich filmisch gegen den populistischen Hang zur Vereinfachung. Das führte bei der Premiere dieses vielschichtigen Dramas beim Filmfestival in Venedig zu kontroversen Diskussionen.

USA/Italien 2025, Regie: Luca Guadagnino, Darsteller: Julia Roberts, Ayo Edebiri, Andrew Garfield, ab 12, 139 min

10.12. | Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

18.00/20.30

Agathe (Camille Rutherford) arbeitet in der Pariser Buchhandlung „Shakespeare & Co“. Die Literatur vergangener Zeiten ist für sie ein Fluchtort vor den Zumutungen der Gegenwart und Trauma-Therapie gleichzeitig. Männern traut sie nur in Gestalt ihres Kollegen und Kumpels Felix. Der ist es auch, der Agathe dazu bringt, ihr Schneckenhaus zu verlassen und an einem Literatur-Workshop für angehende Autoren in England teilzunehmen. Die in einem Herrenhaus auf dem Lande stattfindende Schreibwerkstatt trägt den schönen Namen „Jane Austen Writers Residency“ und wird von einem liebenswürdigen Ehepaar, Nachkommen der Austen-Familie, organisiert. Camille Rutherford verkörpert die Nachwuchsautorin als eine komplexe Frauenfigur, die zerrissen ist zwischen Begehren und Weltflucht, dem Drang auszubrechen und sich zu verkriechen. Gleichzeitig geht es in dieser romantischen Komödie um den permanenten Druck, unter dem Autoren ganz allgemein stehen. Es ist die Angst vor dem leeren Blatt, die sich zuweilen bis zur Schreibblockade steigern kann. Die renommierte Drehbuchautorin Laura Piani präsentiert in ihrem Regiedebüt eine geradezu unverfroren lässige Vereinnahmung der Welt der Jane Austen, einer Welt, die als Inspirationsquelle noch lange nicht ausgereizt ist.

Frankreich 2024, Regie: Laura Piani, Darsteller: Camille Rutherford, Pablo Pauly, Charlie Anson, ohne Altersbeschränkung, 98 min

14.12. | Bremerhaven im Film

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11.00

Wiederholung der Vorstellung vom 16. November

Sonntags-Matinee: Mirko Becker vom Landesfilmarchiv Bremen präsentiert Bremerhavener Amateur- und Werbefilme aus den

1930er- bis 1980er Jahren, Laufzeit ca. 70 min

Die neu digitalisierten Aufnahmen aus den Beständen des Landesfilmarchivs erzählen auf sehr persönliche Weise vom Leben in der Seestadt. Ergänzt werden sie durch historische Werbefilme, die zeigen, wie sich Bremerhaven in Deutschland und der Welt präsentierte.

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