8.4. | No Other Choice

18.00/20.30

Man-soo (Lee Byung-hun) hat sich so richtig nach oben gearbeitet. Als leitender Angestellter in einer Papierfabrik hat er sich die Grundlage geschaffen für das perfekte Glück mit Ehefrau Mi-ri, zwei Kindern und zwei Golden Retrievern, einem Haus mit Garten und Gewächshaus. Die Entlassung bei „Solar Paper“ nach der amerikanischen Übernahme der Firma ist dann der Schock. Nicht nur wegen des bedrohten Wohlstands, sondern auch wegen der Degradierung, denn Entlassung ist für Koreaner wie eine Hinrichtung – „Kopf ab!“. Nun sollen ja Arbeitslose bekanntlich Eigeninitiative ergreifen, um wieder in Lohn und Brot zu gelangen. Man-soo verhält sich da vorbildlich, wenn auch auf etwas, nun ja, spezielle Art und Weise. Aus der Überlegung, dass nicht die zu wenigen Jobs, sondern die zu vielen Konkurrenten das Problem sind, zieht der Familienvater mörderische Konsequenzen. Er gibt ein Inserat der erfundenen Fabrik „Moon Paper“ auf, mit der Bitte um aussagekräftige Bewerbungen, um seine ahnungslosen Opfer danach von der Bildfläche zu putzen. Die nun einsetzende Mordserie erzählt der Regisseur Park Chan-wook mit viel schwarzem Humor, der sich sowohl aus Situations- und Dialogkomik als auch aus rustikalem Slapstick speist. Dies reicht bis zu einem gezielt herbeigeführten Alkohol-Exzess mit koreanischem Trinkritual plus einer spontanen Zahnextraktion. Regisseur Park liefert mit seinem neuen Werk eine Kapitalismus-Kritik der besonderen Art. Zentral bleibt die Frage nach der Identität in der Leistungsgesellschaft: Was sind wir ohne Job? Und warum sehen wir den Feind nicht im System, sondern in unseren Mitmenschen, die demselben Druck ausgesetzt sind wie wir? Die Verfilmung von Donald Westlakes Satire „Die Axt“ aus dem Jahr 1997 geht für Südkorea in das diesjährige Oscar-Rennen.

Südkorea 2025, Regisseur: Park Chan-wook, Darsteller: Lee Byung-hun, Sun Ye-jin, Park Hee- soon, ab 16, 139 min

15.4. | Father Mother Sister Brother

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Es gibt diese Momente am Familientisch, in denen alles gesagt scheint und doch nichts ausgesprochen wird. Zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern herrscht nur noch höfliche und zugleich angespannte Stille. Genau in diese Risse schaut der Regisseur Jim Jarmusch in seinem Film „Father Mother Sister Brother“. Er entdeckt dort ein Universum an Blicken, Pausen und verpassten Sätzen. In drei Episoden blickt Jarmusch auf verschiedene Familiendynamiken. Angesiedelt in New Jersey, Dublin und Paris könnten sie auch an beliebig vielen anderen Orten spielen. Ein lakonischer Film, der nicht auf einen spannenden Plot setzt, sondern auf Situations-Komik und -Tragikomik und in seinem formalen Aufbau an Jarmuschs Kultfilm „Night on Earth“ erinnert. Der mit Tom Waits, Charlotte Rampling, Cate Blanchett und anderen Schauspielgrößen äußerst prominent besetzte Episodenfilm gewann beim letztjährigen Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen.

USA/Frankreich/Irland 2025, Regie: Jim Jarmusch, Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, ab 12, 110 min

4.3. | Der Fremde

18.00/20.30

Im Algier der 1930-er Jahre sehen wir Meursault (Benjamin Voisin) in seinem gleichförmigen Alltag bestehend aus Arbeit, Meer und beiläufiger Sinnlichkeit. Seine Beziehung zu Marie (Rebecca Marder) ist nur von körperlicher Nähe bestimmt, nicht von wirklicher Zuneigung. Benjamin Voisin gestaltet diesen Meursault als nahezu undurchdringlichen Zeitgenossen, seine sparsamen Gesten und der monotone Blick spiegeln den Kern der Figur. Gegenpart ist der schmierige Raymond (Pierre Lottin), der Meursault in eine Konfliktspirale zieht, die im tödlichen Schuss auf einen Araber kulminiert. Anders als im gleichnamigen Roman Albert Camus‘ von 1942 zieht der Regisseur Francois Ozon die Geschichte des Protagonisten Meursault von hinten auf, mit dessen Ankunft im Gefängnis, wo er der einzige Weiße in der überfüllten Sammelzelle ist. Desgleichen bricht er mit dem kolonialen Blick der literarischen Vorlage und verleiht den algerischen Figuren zumindest punktuell eine Stimme. Das im Buch namenlose Mordopfer heißt im Film Moussa Hamdani und der Abspann mit dem Song „Killing an Arab“ von The Cure aus dem Jahr 1979 schlägt eine Brücke zu heutigen Diskussionen über Rassismus und Repräsentation. Ein Film, der historische Werktreue erfüllt und zugleich auf sensible Weise heutige Wertvorstellungen einbezieht.

Frankreich 2025, Regie: Francois Ozon, Darsteller: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, ab 12, 120 min

11.3. | Die jüngste Tochter

18.00/20.30

Fatima (Nadia Melliti) führt das normale Leben einer 17-jährigen. Sie ist eine gute Schülerin, hängt mit ihren Freunden ab, albert herum mit ihren älteren Schwestern und ihren Eltern in der kleinen Wohnung in einem Pariser Vorort. Dennoch brodelt es in der jungen Frau. Als gläubige Muslimin ist sie den religiösen Traditionen verpflichtet und das verträgt sich nicht mit ihrem Gefühl Frauen zu lieben. Fatima will sich ihre sexuelle Neigung zunächst nicht eingestehen; erst als sie die Koreanerin Ji-Na (Ji-Min Park) kennenlernt, öffnet sie sich und beginnt, ihre Sexualität zu akzeptieren und zu genießen. Mit „Die jüngste Tochter“ verfilmt die Französin Hafsia Herzi sehr frei den autofiktionalen Roman von Fatima Daas. Sie erzählt nuanciert und einfühlsam von den inneren, unausgesprochenen Konflikten und dies ohne jeden Voyeurismus, dafür mit langsamen, intensiven Bildern von Berührungen und Bewegungen, die stets ganz nah an den Protagonistinnen sind. Das stille Drama über eine junge Frau zwischen Tradition und Selbstfindung gewann bei den Filmfestspielen in Cannes den Queer Film Award und Nadia Melliti den Preis als beste Darstellerin.

Frankreich 2025, Regie: Hafsia Herzi, Darsteller: Nadia Melliti, Ji-Min Park, Amina Ben Mohamed, ab 12, 106 min

15.3. | Lolita lesen in Teheran

11.00

Anlässlich des Weltfrauentages und in Kooperation mit den Soroptimistinnen Bremerhaven

Nach dem Sturz von Schah Reza Pahlewi kehrt die iranische Literaturwissenschaftlerin Azar Nafisi (Golshifteh Farahani) im August 1979 voller Hoffnung in ihre Heimat zurück. Doch der Neuanfang am Lehrstuhl für Englische Literatur gestaltet sich schwierig. Romane unterliegen zunehmend der Zensur des neuen Mullah-Regimes und außerdem verlieren Frauen ihre Rechte. Als Azar sich weigert ein Kopftuch zu tragen, muss sie die Universität verlassen. Fortan unterrichtet sie bei sich zu Hause. Das packende Drama basiert auf den autobiographischen Erinnerungen von Azar Nafisi und verhandelt die Bedeutung von Literatur in einer repressiven Gesellschaft. Gleichzeitig geht es um die Unterdrückung der Frau und um den Widerstand einer Professorin, die sich unbeirrt für die Freiheit des Denkens einsetzt.

Italien/Israel 2024, Regie: Eran Riklis, Darsteller: Golshifteh Farahani, Zar Amir Ebrahimi, Mina Kavani, ab 12, 108 min

Im Anschluss an die Filmvorführung laden die Soroptimistinnen zum Sektempfang ein.

18.3. | The Life of Chuck

18.00/20.30

In Kooperation mit der Volkshochschule Bremerhaven
und im Rahmen der Literarischen Wochen 2026

Vor der 18.00 Uhr-Vorstellung gibt es eine Einführung von Silke Siedenburg (Kommunales Kino Bremerhaven).

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Gleich im ersten Kapitel kündigt sich der Untergang der Welt an. Halb Kalifornien scheint im Wasser versunken zu sein, einfach abgebrochen und weggespült. Schnell folgen weitere Hiobsbotschaften und dann dauert es nicht mehr lange, bis Bildschirme dunkel werden, Fernsehnachrichten abbrechen und Autos mitten auf der Straße stehen bleiben. Irgendwann gehen auch die Lichter aus. Und dann ist da noch Chuck, dessen Botschaften jetzt plötzlich überall auftauchen, auf Plakaten, im Fernsehen und nach dem Blackout auf Fenster projiziert. „Thank you, Chuck, for 39 Years“. Schön und gut, doch Dank wofür eigentlich genau? Der Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen King, aber das Publikum erwartet kein handelsüblicher Katastrophenfilm. Im Gegenteil präsentiert der Regisseur Mike Flanagan eine im Kern leichtfüßige und gleichzeitig tiefgründige Auseinandersetzung mit philosophisch-existenziellen Fragen in Form eines spannenden Gedankenexperiments. Ein Film, der die ganze Tragik und Schönheit des Lebens feiert.

USA 2024, Regie: Mike Flanagan, Darsteller: Mark Hamill, Tom Hiddleston, Chiwetel Ejiofor, ab 12, 110 min

25.3. | Hamnet

18.00/20.30

Die zweite Vorstellung um 20.30 Uhr wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

England im Jahr 1580. In dem kleinen Dorf Stratford upon Avon heiratet der Lateinlehrer und spätere Schriftsteller William Shakespeare seine geliebte Agnes (Jessie Buckley); das Ehepaar bekommt drei Kinder, zuerst Susanna und dann die Zwillinge Judith und Hamnet. Doch dann stirbt Hamnet 1596 im Alter von elf Jahren an der Pest und der Tod des Jungen droht die Familie zu zerreißen. Die Mutter taumelt durch ein Leben, das nicht wiederzuerkennen ist. Dem Vater wiederum wohnt eine gespaltene Persönlichkeit inne. Seine Trauer befindet sich im steten Widerstreit mit der fiebrigen Besessenheit eines literarischen Genies. Sein Leid verarbeitet er folgerichtig in einem Theaterstück, der Tragödie „Hamlet“. Die Schriftstellerin Maggie O’Farrell schildert diese Geschichte in ihrem 2020 erschienenen Buch „Judith und Hamnet“. Gemeinsam mit ihr hat die Regisseurin Chloé Zhao den Roman in bravouröse Filmsprache verwandelt. Zhao malt Tableaus im Stil alter niederländischer Meister, spielt virtuos mit Licht und Schatten. Nahaufnahmen vermitteln Intimität, Liebe, Zorn, Eifersucht und Traumata. Die emotionale Wucht und Intensität des Romans steigert der Film sogar noch. „Hamnet“ wendet sich mit maximaler Wirkung an Herz und Hirn gleichermaßen. Mit einem Wort: ein Meisterwerk des Kinos.

Großbritannien 2025, Regie: Chloé Zhao, Darsteller: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, ab 12, 125 min

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