25.3. | Hamnet

18.00/20.30

Die zweite Vorstellung um 20.30 Uhr wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

England im Jahr 1580. In dem kleinen Dorf Stratford upon Avon heiratet der Lateinlehrer und spätere Schriftsteller William Shakespeare seine geliebte Agnes (Jessie Buckley); das Ehepaar bekommt drei Kinder, zuerst Susanna und dann die Zwillinge Judith und Hamnet. Doch dann stirbt Hamnet 1596 im Alter von elf Jahren an der Pest und der Tod des Jungen droht die Familie zu zerreißen. Die Mutter taumelt durch ein Leben, das nicht wiederzuerkennen ist. Dem Vater wiederum wohnt eine gespaltene Persönlichkeit inne. Seine Trauer befindet sich im steten Widerstreit mit der fiebrigen Besessenheit eines literarischen Genies. Sein Leid verarbeitet er folgerichtig in einem Theaterstück, der Tragödie „Hamlet“. Die Schriftstellerin Maggie O’Farrell schildert diese Geschichte in ihrem 2020 erschienenen Buch „Judith und Hamnet“. Gemeinsam mit ihr hat die Regisseurin Chloé Zhao den Roman in bravouröse Filmsprache verwandelt. Zhao malt Tableaus im Stil alter niederländischer Meister, spielt virtuos mit Licht und Schatten. Nahaufnahmen vermitteln Intimität, Liebe, Zorn, Eifersucht und Traumata. Die emotionale Wucht und Intensität des Romans steigert der Film sogar noch. „Hamnet“ wendet sich mit maximaler Wirkung an Herz und Hirn gleichermaßen. Mit einem Wort: ein Meisterwerk des Kinos.

Großbritannien 2025, Regie: Chloé Zhao, Darsteller: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, ab 12, 125 min

7.1. | The Mastermind

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird im englischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Wir befinden uns in den siebziger Jahren, in Neu-England. J.B.Mooney (Josh O’Connor), ehemaliger Kunststudent, sattelt in seinem Fach quasi um. Gemeinsam mit zwei Kumpeln tüftelt er am Diebstahl zweier Gemälde aus einem regionalen Kunstmuseum. Nach dem zunächst erfolgreichen Coup erweist sich J.B. jedoch als komplett überfordert mit den bald eintretenden Folgen der Aktion. Am Ende bleibt von seinem romantischen Gangster-Traum des perfekten Kunstdiebstahls nicht viel übrig. Die Regisseurin Kelly Reichardt nimmt in ihren Filmen immer wieder die Verlierer und Außenseiter der amerikanischen Gesellschaft in den Blick. Dabei werden diese Randgestalten nicht romantisiert, sondern mit all ihren Fehlern und Macken präsentiert. So auch hier. Was als Rebellion eines naiven Freigeists gegen die Zwänge des bürgerlichen Lebens beginnt, entpuppt sich am Ende als Irrfahrt eines unbedingten und egoistischen Individualisten.

USA 2025, Regie: Kelly Reichardt, Darsteller: Josh O’Connor, Alana Haim, Gaby Hoffmann, ab 12, 110 min

Als Dank gibt es für unser treues Publikum nach der 18-Uhr-Vorstellung einen Neujahrsempfang mit Sekt.

14.1. | Im Schatten des Orangenbaums

17.30/20.30

Es beginnt 1988. Der palästinensische Jugendliche Noor wird bei einer Demonstration im Westjordanland von israelischen Soldaten schwer verletzt. Für Noors Mutter Hanan (Cherien Dabis) fühlt sich das an wie ein folgerichtiges Kapitel in der entbehrungsreichen Geschichte ihrer Familie. Die besaß einst eine ertragreiche Orangen-Plantage in Jaffa. Im Zuge des israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948 greifen israelische Truppen die Stadt an, die Familie muss ins Westjordanland flüchten. Den Schlüssel zum alten Haus nimmt der Großvater mit – das Trauma der Vertreibung wirkt über Generationen fort. Die in den USA geborene, palästinensischstämmige Regisseurin Cherien Dabis filtert in ihrem auf dem Sundance-Festival gefeierten Drama rund 60 Jahre palästinensischer Geschichte, von der „Nakba“, der Vertreibung im Jahr 1948, bis in die nahe Gegenwart – konsequent aus der Perspektive einer einzigen Familie.

Deutschland/Zypern/Jordanien 2025, Regie: Cherien Dabis, Darsteller: Saleh Bakri, Cherien Dabis, Adam Bakri, ab 12, 145 min

21.1. | Herz aus Eis

18.00/20.30

Hans-Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ wurde schon vielfach verfilmt, vom sowjetischen Märchenklassiker bis zum Disney-Animationsfilm. Eine besonders freie und zeitgenössische Interpretation liefert nun die Regisseurin Lucile Hadzihalilovic mit ihrem neuen Film „Herz aus Eis“. Das 15-jährige Waisenmädchen Jeanne (Clara Pacini) flieht aus dem Kinderheim, um im Paris der 1970-er Jahre ein besseres Leben zu finden. Sie gerät in ein Filmstudio, in dem gerade ihr Lieblingsmärchen „Die Schneekönigin“ verfilmt wird. Jeanne wird als Komparsin Teil des Teams und bald verschwimmen für sie Film und Wirklichkeit. Die märchenhafte Erzähllogik führt das Publikum an labyrinthische Orte voller Rätsel und Geheimnisse, in denen Traum und Realität ineinander übergehen. Schnell gerät Jeanne in den Bann der Schauspielerin Cristina de Berg (Marion Cotillard), die die Schneekönigin verkörpert. Cristina bindet das Mädchen immer stärker an sich; sie zeigt Jeanne deutlich, wer hier die Macht besitzt, wird übergriffig. Der Film ist ein düsteres, märchenhaftes Melodram über Herrschaft, Besessenheit und Opferbereitschaft. Über die Konstruktion Film im Film wirft die Regisseurin dabei gleichzeitig einen klaren, kritischen Blick auf die Machtstrukturen und Abhängigkeitsverhältnisse in der Branche. Und der Film zeigt in Gestalt der genauso eiskalten wie faszinierenden Schneekönigin, welch eine Verführungskraft im Medium Film steckt.

Frankreich/Deutschland 2025, Regie: Lucile Hadzihalilovic, Darsteller: Marion Cotillard, Clara Pacini, August Diehl, Gaspar Noe, ab 12, 117 min

3.12. | After the Hunt

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird im englischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt

Alma Olsson (Julia Roberts) hat es als Philosophieprofessorin an der Elite-Universität Yale weit gebracht. Gerne lädt sie zu ebenso intellektuellen wie alkoholreichen Partys ein. Ins Wanken gerät ihr privilegiertes Dasein, als ihre Star-Studentin Maggie (Ayo Edebiri) nach einer von Almas Soireen schwere Vorwürfe erhebt: Hat sich Hank (Andrew Garfield), Almas Professorenkollege und guter Freund, sexuell an Maggie vergangen? Der italienische Regisseur Luca Guadagnino liefert in seinem Film keine eindeutigen Antworten. Es ist kompliziert, alle Figuren haben ihre Gründe und Eigeninteressen. „After the Hunt“ erzählt intensiv von Begehren nach Macht, nach Liebe, nach Anerkennung und gesellschaftlichem Status. Der Thriller unterläuft Erwartungen ganz bewusst und rückt die Ereignisse und Protagonisten immer wieder in ein anderes Licht. Der Regisseur Guadagnino wertet nicht und stellt sich filmisch gegen den populistischen Hang zur Vereinfachung. Das führte bei der Premiere dieses vielschichtigen Dramas beim Filmfestival in Venedig zu kontroversen Diskussionen.

USA/Italien 2025, Regie: Luca Guadagnino, Darsteller: Julia Roberts, Ayo Edebiri, Andrew Garfield, ab 12, 139 min

10.12. | Jane Austen und das Chaos in meinem Leben

18.00/20.30

Agathe (Camille Rutherford) arbeitet in der Pariser Buchhandlung „Shakespeare & Co“. Die Literatur vergangener Zeiten ist für sie ein Fluchtort vor den Zumutungen der Gegenwart und Trauma-Therapie gleichzeitig. Männern traut sie nur in Gestalt ihres Kollegen und Kumpels Felix. Der ist es auch, der Agathe dazu bringt, ihr Schneckenhaus zu verlassen und an einem Literatur-Workshop für angehende Autoren in England teilzunehmen. Die in einem Herrenhaus auf dem Lande stattfindende Schreibwerkstatt trägt den schönen Namen „Jane Austen Writers Residency“ und wird von einem liebenswürdigen Ehepaar, Nachkommen der Austen-Familie, organisiert. Camille Rutherford verkörpert die Nachwuchsautorin als eine komplexe Frauenfigur, die zerrissen ist zwischen Begehren und Weltflucht, dem Drang auszubrechen und sich zu verkriechen. Gleichzeitig geht es in dieser romantischen Komödie um den permanenten Druck, unter dem Autoren ganz allgemein stehen. Es ist die Angst vor dem leeren Blatt, die sich zuweilen bis zur Schreibblockade steigern kann. Die renommierte Drehbuchautorin Laura Piani präsentiert in ihrem Regiedebüt eine geradezu unverfroren lässige Vereinnahmung der Welt der Jane Austen, einer Welt, die als Inspirationsquelle noch lange nicht ausgereizt ist.

Frankreich 2024, Regie: Laura Piani, Darsteller: Camille Rutherford, Pablo Pauly, Charlie Anson, ohne Altersbeschränkung, 98 min

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