15.4. | Father Mother Sister Brother

18.00/20.30

Die 20.30 Uhr-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalversion mit deutschen Untertiteln gezeigt.

Es gibt diese Momente am Familientisch, in denen alles gesagt scheint und doch nichts ausgesprochen wird. Zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern herrscht nur noch höfliche und zugleich angespannte Stille. Genau in diese Risse schaut der Regisseur Jim Jarmusch in seinem Film „Father Mother Sister Brother“. Er entdeckt dort ein Universum an Blicken, Pausen und verpassten Sätzen. In drei Episoden blickt Jarmusch auf verschiedene Familiendynamiken. Angesiedelt in New Jersey, Dublin und Paris könnten sie auch an beliebig vielen anderen Orten spielen. Ein lakonischer Film, der nicht auf einen spannenden Plot setzt, sondern auf Situations-Komik und -Tragikomik und in seinem formalen Aufbau an Jarmuschs Kultfilm „Night on Earth“ erinnert. Der mit Tom Waits, Charlotte Rampling, Cate Blanchett und anderen Schauspielgrößen äußerst prominent besetzte Episodenfilm gewann beim letztjährigen Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen.

USA/Frankreich/Irland 2025, Regie: Jim Jarmusch, Darsteller: Tom Waits, Adam Driver, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps, ab 12, 110 min

22.4. | A Useful Ghost

18.00/20.30

Können Alltagsgegenstände von Geistern besessen sein? Für die Protagonisten in „A Useful Ghost“ scheint dies selbstverständlich. In einer Staubsaugerfabrik sorgen verstorbene Mitarbeiter für Unruhe. Dann erscheint auf einmal auch Nat, die verstorbene Frau von March, dem Sohn der Fabrikbesitzerin, als Geist und lebt fortan in einem der Staubsauger weiter. Der von Sehnsucht geplagte March tut alles, um mit Geister-Nat zusammenleben zu können. Der Debütfilm des thailändischen Regisseurs Ratchapoom Boonbunchachoke, der als groteske Komödie beginnt, verwandelt sich dann nach und nach in eine philosophische Betrachtung über das mögliche Wesen von Geistern. Sie können nur existieren, wenn ein noch lebender Mensch sich an die verstorbene Person erinnert – und diese Schwachstelle macht sich Nat konsequent zunutze. Sie befreit die Fabrik von den Geistern, indem sie diese Erinnerungen per Elektroschock-Einsatz auslöscht. Mit derselben Methode hilft sie auch einem Minister, der offensichtlich ein Massaker des thailändischen Militärs an prodemokratischen Demonstranten zu verantworten hat und nun von den Geistern der Opfer heimgesucht wird. Da vollführt der Film auf einmal noch eine komplette Kehrtwende und zwar ins Hoch-politische, von der skurrilen Komödie hinein in die Erinnerung an unaufgearbeitete Verbrechen.

Thailand 2025, Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke, Darsteller: Davika Hoorne, Apasiri Nitibhon, Wisarut Himmarat, ab 16, 130 min

29.4. | Nouvelle Vague

18.00/20.30

Der legendäre französische Filmemacher Jean-Luc Godard (1930-2022) gehörte mit Francois Truffaut und Claude Chabrol zu den führenden Köpfen der Nouvelle Vague, einer Bewegung, die in den späten 1950-er und in den 1960-er Jahren das Kino revolutionierte. Der Einsatz von Handkameras, spontanen Dialogen und dokumentarisch anmutenden Drehs auf der Straße wurde zum Markenzeichen der Neuen Welle. Einem Symbol dieser Filmepoche, Godards Meisterwerk „Außer Atem“, hat sich nun der US-amerikanische Regisseur Richard Linklater angenommen. Humorvoll erzählt er die Entstehungsgeschichte dieses Films von 1959 nach, gedreht in edlem Schwarz-Weiß und im klassischen 35mm-Format. Guillaume Marbeck verkörpert Godard als Künstler, der regelrecht besoffen ist von seiner eigenen Genialität. Ohne Unterlass strapaziert der Maestro die Nerven und die Geduld seiner Umgebung. Die Hauptdarsteller, der Kameramann, der Produzent und alle anderen müssen seine täglichen Launen ertragen. Dies alles ist eingebettet in ein Pariser Künstlermilieu mit Wein und Zigaretten, in dem Eitelkeit und Ehrgeiz eine produktive Allianz eingehen. Linklaters stilvolle Hommage an die berühmte Filmbewegung ist nicht nur ein Film für Cineasten, sondern auch ein Werk fürs große Publikum.

Frankreich/USA 2025, Regie: Richard Linklater, Darsteller: Guillaume Marbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, ab 12, 106 min

4.3. | Der Fremde

18.00/20.30

Im Algier der 1930-er Jahre sehen wir Meursault (Benjamin Voisin) in seinem gleichförmigen Alltag bestehend aus Arbeit, Meer und beiläufiger Sinnlichkeit. Seine Beziehung zu Marie (Rebecca Marder) ist nur von körperlicher Nähe bestimmt, nicht von wirklicher Zuneigung. Benjamin Voisin gestaltet diesen Meursault als nahezu undurchdringlichen Zeitgenossen, seine sparsamen Gesten und der monotone Blick spiegeln den Kern der Figur. Gegenpart ist der schmierige Raymond (Pierre Lottin), der Meursault in eine Konfliktspirale zieht, die im tödlichen Schuss auf einen Araber kulminiert. Anders als im gleichnamigen Roman Albert Camus‘ von 1942 zieht der Regisseur Francois Ozon die Geschichte des Protagonisten Meursault von hinten auf, mit dessen Ankunft im Gefängnis, wo er der einzige Weiße in der überfüllten Sammelzelle ist. Desgleichen bricht er mit dem kolonialen Blick der literarischen Vorlage und verleiht den algerischen Figuren zumindest punktuell eine Stimme. Das im Buch namenlose Mordopfer heißt im Film Moussa Hamdani und der Abspann mit dem Song „Killing an Arab“ von The Cure aus dem Jahr 1979 schlägt eine Brücke zu heutigen Diskussionen über Rassismus und Repräsentation. Ein Film, der historische Werktreue erfüllt und zugleich auf sensible Weise heutige Wertvorstellungen einbezieht.

Frankreich 2025, Regie: Francois Ozon, Darsteller: Benjamin Voisin, Rebecca Marder, Pierre Lottin, ab 12, 120 min

11.3. | Die jüngste Tochter

18.00/20.30

Fatima (Nadia Melliti) führt das normale Leben einer 17-jährigen. Sie ist eine gute Schülerin, hängt mit ihren Freunden ab, albert herum mit ihren älteren Schwestern und ihren Eltern in der kleinen Wohnung in einem Pariser Vorort. Dennoch brodelt es in der jungen Frau. Als gläubige Muslimin ist sie den religiösen Traditionen verpflichtet und das verträgt sich nicht mit ihrem Gefühl Frauen zu lieben. Fatima will sich ihre sexuelle Neigung zunächst nicht eingestehen; erst als sie die Koreanerin Ji-Na (Ji-Min Park) kennenlernt, öffnet sie sich und beginnt, ihre Sexualität zu akzeptieren und zu genießen. Mit „Die jüngste Tochter“ verfilmt die Französin Hafsia Herzi sehr frei den autofiktionalen Roman von Fatima Daas. Sie erzählt nuanciert und einfühlsam von den inneren, unausgesprochenen Konflikten und dies ohne jeden Voyeurismus, dafür mit langsamen, intensiven Bildern von Berührungen und Bewegungen, die stets ganz nah an den Protagonistinnen sind. Das stille Drama über eine junge Frau zwischen Tradition und Selbstfindung gewann bei den Filmfestspielen in Cannes den Queer Film Award und Nadia Melliti den Preis als beste Darstellerin.

Frankreich 2025, Regie: Hafsia Herzi, Darsteller: Nadia Melliti, Ji-Min Park, Amina Ben Mohamed, ab 12, 106 min

15.3. | Lolita lesen in Teheran

11.00

Anlässlich des Weltfrauentages und in Kooperation mit den Soroptimistinnen Bremerhaven

Nach dem Sturz von Schah Reza Pahlewi kehrt die iranische Literaturwissenschaftlerin Azar Nafisi (Golshifteh Farahani) im August 1979 voller Hoffnung in ihre Heimat zurück. Doch der Neuanfang am Lehrstuhl für Englische Literatur gestaltet sich schwierig. Romane unterliegen zunehmend der Zensur des neuen Mullah-Regimes und außerdem verlieren Frauen ihre Rechte. Als Azar sich weigert ein Kopftuch zu tragen, muss sie die Universität verlassen. Fortan unterrichtet sie bei sich zu Hause. Das packende Drama basiert auf den autobiographischen Erinnerungen von Azar Nafisi und verhandelt die Bedeutung von Literatur in einer repressiven Gesellschaft. Gleichzeitig geht es um die Unterdrückung der Frau und um den Widerstand einer Professorin, die sich unbeirrt für die Freiheit des Denkens einsetzt.

Italien/Israel 2024, Regie: Eran Riklis, Darsteller: Golshifteh Farahani, Zar Amir Ebrahimi, Mina Kavani, ab 12, 108 min

Im Anschluss an die Filmvorführung laden die Soroptimistinnen zum Sektempfang ein.

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