17.6. | Gelbe Briefe

20.30

Derya (Özgü Namal) ist eine gefeierte Schauspielerin im Staatstheater in Ankara. Ihr Mann Aziz (Tansu Bicer) unterrichtet an der Universität. Das Ehepaar ist fester Bestandteil des kulturellen Bildungsbürgertums, selbstverständlich links und regierungskritisch. Deswegen macht sich das verschärfte politische Klima auch in ihrem Alltag ganz handfest bemerkbar. Erst wird Aziz gemeinsam mit etlichen Kollegen an der Hochschule ohne Angabe von Gründen beurlaubt, wenig später Derya vom Theater entlassen. Als auch noch ihr Vermieter Besuch von der Polizei bekommt, ziehen die Eheleute mit ihrer Tochter Ezgi (Leyla Smyrna Cabas) zu Aziz‘ Mutter (Ipek Bilgin) nach Istanbul. Doch Geldsorgen, Platznot und Zukunftsängste gehen nicht spurlos an der Ehe vorbei. Immer offensichtlicher wird, dass die beiden in dem Spannungsfeld zwischen ideologischen Überzeugungen und handfestem Pragmatismus oft unterschiedliche Vorstellungen davon haben, mit ihrer Situation umzugehen. Ohne konkrete Namen und Ereignisse zu nennen oder die innenpolitische Lage näher zu umreißen, erzählt der Berliner Regisseur Ilker Catak mit „Gelbe Briefe“ viel über die heutige Türkei – und lässt doch keinen Zweifel daran, dass seine Geschichte eine universelle ist, die Kunstschaffende und Intellektuelle überall auf der Welt erwarten könnte. Dass ihm Berlin als Kulisse für Ankara dient und Hamburg Istanbul „spielt“, macht das überdeutlich. Cataks Verbindung von gesellschaftlichen Entwicklungen mit einem emotionalen Familiendrama brachte „Gelbe Briefe“ bei der diesjährigen Berlinale den Goldenen Bären ein.

Deutschland/Türkei 2026, Regie: Ilker Catak, Darsteller: Özgü Namal, Tansu Bicer, Leyla Smyrna Cabas, Ipek Bilgin, ab 12, 128 min

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