
18.00/20.30
Beide Vorstellungen werden in der zweisprachigen Original-fassung gezeigt (deutsch und englisch / mit deutschen Untertiteln).
Erich Fried, einer der größten politischen Lyriker deutscher Zunge, starb 1988 im Alter von 67 Jahren. Von Geistesgrößen geradezu umschwärmt, blieb er seinem eigenen Sohn Klaus merkwürdig fremd. Der begibt sich mit seinem Dokumentarfilm „Friendly Fire – Erich Fried“ nun auf Spurensuche, um Stück für Stück die Puzzleteile des Lebensweges seines Vaters zusammenzusetzen. 1938 die Flucht des österreichisch-jüdischen Jugendlichen von Wien nach London, nachdem Hitler die Alpenrepublik überrollt hatte, gefolgt von den Ereignissen der deutschen Teilung nach dem II. Weltkrieg, Die turbulenten 1960-er bis 1980-er Jahre schließen sich an, die Zeit der 68-er- Bewegung und der Terroranschläge der Rote-Armee-Fraktion. Und mittendrin Erich Fried, der sich vor keinen ideologischen Karren spannen lässt. Als jüdischer Emigrant kritisiert er die israelische Politik auf das heftigste und als linker Pazifist und Antifaschist besucht er den Neonazi Michael Kühnen im Gefängnis, um sich selbst ein Bild von ihm zu machen (überzeugen will er Kühnen natürlich auch, aber das misslingt). Klaus Fried präsentiert zusammen mit seiner Co-Autorin Julia Albrecht eine Mischung aus Roadmovie (gedreht in Berlin, Wien, London und Baden-Baden), zeitgeschicht-licher Dokumentation und Interviews zur Familiengeschichte. Und dass auch zahlreiche Gedichte des zeitlebens für Verständigung arbeitenden Lyrikers vorgetragen werden, wird seine Anhänger besonders erfreuen.
Deutschland/Österreich 2025, Regie: Klaus Fried und Julia Albrecht, Dokumentarfilm, ab 12, 109 min
