12.11. | Hannah Arendt – Denken ist gefährlich

18.00/20.30

Hannah Arendt ist eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Kurz vor ihrem 50. Todestag am 4. Dezember 2025 kommt nun ein Dokumentarfilm über diese faszinierende Persönlichkeit in die Kinos; Nina Hoss verleiht ihr ihre Stimme. Als die junge Hannah Arendt in den 1920-er Jahren ihr Philosophie-studium in Marburg aufnimmt, betritt Adolf Hitler die politische Bühne. Nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 beherbergt sie verfolgte Kommunisten in ihrer Berliner Wohnung; sie wird denunziert und verhaftet. Nach ihrer Freilassung flieht sie nach Paris, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich 1940 gelingt ihr die Flucht in die USA. Arendt mischt sich dort in die politischen Debatten ein. Die McCarthy-Ära, der Vietnamkrieg und die Watergate-Affäre beschäftigen sie und sie warnt vor der Krise der amerikanischen Demokratie. Der Film der Regisseure Jeff Bieber und Chana Gazit stützt sich auf eingesprochene Zitate aus Arendts Schriften, Briefen und Gedichten sowie auf Fotos von ihr und Menschen, die ihr nahestanden. Ausschnitte aus Fernsehinterviews, Einschätzungen von Weggefährten und Einordnungen heutiger Wissenschaftler ergänzen dieses persönliche Material. Ein sehenswerter Film über eine Philosophin und Publizistin, die voller Lebensmut steckte und deren Gedanken noch immer aktuell sind.

Deutschland/USA 2025, Regie: Jeff Bieber und Chana Gazit, Dokumentarfilm, Stimme Nina Hoss, ab 12, 86 min

16.11. | Bremerhaven im Film

11.00 Uhr – Matinée

Mirko Becker aus dem Landesfilmarchiv Bremen präsentiert seltene Amateur- und Werbefilme aus Bremerhaven, aufgenommen zwischen den 1930er und 1980er Jahren auf 8- bis 35mm-Film.

Die neu digitalisierten Aufnahmen aus den Beständen des Landesfilmarchivs erzählen auf sehr persönliche Weise vom Leben in der Seestadt: vom Alltag, von Spaziergängen und besonderen Momenten.
Ergänzt werden sie durch historische Werbefilme, die zeigen, wie sich Bremerhaven in Deutschland und der Welt präsentierte.

So entsteht ein eindrucksvolles filmisches Panorama, das den Wandel der Stadt über viele Jahrzehnte hinweg lebendig macht – und einen einzigartigen Blick auf das Bremerhaven vergangener Zeiten eröffnet.

Programmdauer: ca. 70 Minuten

19.11. | Was uns verbindet

18.00/20.30

Die Mittfünfzigerin Sandra (Valeria Bruni Tedeschi) ist eine unabhängige Frau, die sich bewusst für ein Leben ohne Mann und Kinder entschieden hat. Ihr Lebensinhalt ist die Führung eines feministischen Buchladens. Nebenan wohnt der sechsjährige Elliott (Cesar Botti) mit seinen Eltern. Sandra und Elliott freunden sich an, schnell wird sie zur wichtigen Bezugsperson für die ganze Familie.Als Elliotts Mutter Cecile bei der Geburt ihres Kindes stirbt und der Vater Alex (Pio Marmais) alleine mit Elliott und dem Säugling dasteht, ist Sandra noch mehr gefordert. Valeria Bruni Tedeschi glänzt in ihrer Rolle als stille und dann wieder aufgekratzt-phantasievolle Sandra ebenso wie Pio Marmais als überforderter Vater und Cesar Botti als aufgeweckter Junge, der in Sandra keinen Mutterersatz sucht, sondern eine erwachsene Freundin findet. Der Regisseurin Carine Tardieu ist ein bezaubernder Film gelungen, ein einfühlsames Drama über Verlust und Trauer, Hoffnung und Freiheit.

Frankreich 2024, Regie: Carine Tardieu, Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi, Pio Marmais, Cesar Botti, ab 6, 106 min

1.10. | Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

In Kooperation mit der Philosophischen Gesellschaft Bremerhaven anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums

18.00/20.30

Hannover im Jahr 1704: Der Haus- und Hofmaler Pierre Albert Delalandre (Lars Eidinger) soll im kurfürstlichen Schloss Herrenhausen den berühmten Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (Edgar Selge) porträtieren. Mit weitgehend vorgefertigten Gemälden angereist, will er diesen vor Ort nur noch das Gesicht einfügen. Leibniz gefällt dieses Vorgehen überhaupt nicht, es kommt zum Streit und Delalandre ergreift samt seinen Utensilien entnervt die Flucht. Im zweiten Anlauf stellt sich die, als Mann verkleidete, junge flämische Malerin Aaltje Van de Meer (Aenne Schwarz) im Schloss vor. Nach anfänglichen Dissonanzen entwickelt sich die mehrtägige Portrait-Sitzung zu einem vergnüglichen (Streit)gespräch über Gott, die Welt und die Wahrheit in der Kunst. Der Film der beiden Regisseure Edgar Reitz und Anatol Schuster ist ein Kammerspiel, das sich auf das als Atelier genutzte Arbeitszimmer des Philosophen beschränkt und nur hin und wieder den barocken Park des Schlosses einbezieht. Und „Leibniz“ ist ein Film der Bilder, der zurückgreift auf die Barockmaler Michelangelo da Caravaggio und Jan Vermeer.

Deutschland 2025, Regie: Edgar Reitz, Anatol Schuster, Darsteller: Edgar Selge, Aenne Schwarz, Lars Eidinger, ab 6, 104 min

Vor der 18.00 Uhr-Vorstellung gibt es eine Einführung durch den Vorstand der Philosophischen Gesellschaft.

8.10. | In die Sonne schauen

17.30/20.30

Ein abgelegener Bauernhof in der Altmark, vier Frauen lebten hier nacheinander über die Jahrzehnte – Alma (Hanna Heckt), Erika (Lea Drinda), Angelika (Lena Urzendowsky) und Nelly (Zoe Baier). Jede von ihnen verbringt ihre Kindheit und Jugend an diesem Ort. Über ein Jahrhundert spannt sich die Erzählung, vom Kaiserreich über den Zweiten Weltkrieg und die DDR der achtziger Jahre bis in die Gegenwart. Alle vier haben ihre Erinnerungen und es sind kaum glückliche darunter; vielmehr pflanzt sich Verdrängtes und Traumatisches über die Generationen fort. Mitten im Leben stehend wird den Protagonistinnen immer wieder der Boden unter den Füßen weggezogen – der internationale Titel des Films „Sound of Falling“ ist tatsächlich der deutlich passendere. Die Regisseurin Mascha Schilinski entfaltet ihre Erzählung mit Rückblicken und Vorgriffen, in assoziativen Schüben. Da kann es vorkommen, dass die Kamera in einer ununterbrochenen Kreisfahrt durch Diele, Küche und Stuben plötzlich in einer anderen Epoche landet. Dies alles wird präsentiert in malerisch weichen Farben und körnigen Bildern, im klassischen 4:3-Format. Mascha Schilinski bekam für ihr episches Werk den Preis der Jury beim diesjährigen Filmfestival in Cannes.

Deutschland 2025, Regie: Mascha Schilinski, Darsteller: Hanna Heckt, Lea Drinda, Lena Urzendowsky, Zoe Baier, ab 16, 149 min

15.10. | Das Deutsche Volk

18.00/20.30

Am Abend des 19. Februar 2020 erschoss der 43-jährige Tobias Rathjen in Hanau innerhalb von zwölf Minuten neun Menschen mit Migrationsgeschichte und anschließend in seiner Wohnung in Kesselstadt seine Mutter und sich selbst. In seinem Dokumentarfilm „Das Deutsche Volk“ blickt Marcin Wierzchowski aus der Perspektive der Freunde und Hinterbliebenen der Opfer auf die Ereignisse. Über vier Jahre hinweg hat der Regisseur sie mit und ohne Kamera begleitet. Der Film zeigt, wie unterschiedlich die Betroffenen mit ihrer Trauer umgehen. Die einseitige und vorbehaltlose Fokussierung auf die Sichtweise der Opfer ist sehr bewusst gewählt, sie ist quasi eine kinematographische Verlängerung des Hashtags „SayTheirNames“, der um die Welt gegangen ist. Wierzchowski macht es sich auch zur Aufgabe, strukturellen Rassismus offenzulegen – das Sondereinsatzkommando, das in der Nacht das Haus des Täters stürmte, wurde später aufgelöst, weil die Hälfte der Beamten in rechtsradikalen Chatgruppen unterwegs war. Eine einfühlsame Dokumentation über Trauer und Trauma und über den Kampf für Gerechtigkeit.

Deutschland 2025, Regie: Marcin Wierzchowski, Darsteller: Cetin Gültekin, Sedat Gübru, Piter Minnemann, ab 6, 132 min

22.10. | Karla

18.00/20.30

Bayern 1962. Vater, Mutter, drei Kinder sitzen in ihrem Auto, ein netter Familienausflug in einer heilen Welt, so scheint es. Doch beim Toilettenstopp im Grünen läuft die 12-jährige Karla (Elise Krieps) davon. Sie rennt über Wiesen und Felder, schlägt sich durch zum nächsten Polizeirevier.und erstattet Anzeige – gegen ihren Vater. Es ist nicht ihr erster Versuch. Sie hat nachgelesen in der Bibliothek. Über Gesetze und Paragraphen für „unzüchtige Handlungen“ oder über „das Recht auf Leben“. Ob das auch ein Recht auf ein gutes Leben sei und ob das auch für Kinder gelte, fragt sie Richter Lamy (Rainer Bock), der spät in der Nacht hinzugezogen wird. Doch den Tathergang kann und will sie nicht schildern. Zunächst wird Karla im Mädchenheim eines Klosters untergebracht. Dass sie sich bei den strengen Nonnen wohler fühlt als zuhause bei ihrer Familie, ist für den Richter ein Grund mehr, ihr zu glauben. Ein brummiger Typ, dieser Richter Lamy; immerhin kann er zuhören und er nimmt Karla ernst. Und dann die scheinbar aussichtslose Gerichtsverhandlung, in der die Aussage des Mädchens gegen die der Mutter (Katharina Schüttler) als Zeugin und die des Vaters (Torben Liebrecht), dem Angeklagten, steht. Feinfühlig und berührend erzählt die Regisseurin Christina Tournatzes diese wahre Geschichte von 1962, in kurzen und intensiven Dialogen und mit poetischen Ausflügen in Karlas Phantasiewelt, in die sie sich immer wieder flüchtet. Eine stille Kraft erfüllt die traumatisierte 12-jährige zwischen hilflosem Schweigen und ihrem unbändigen Willen nach Gerechtigkeit und einem Leben ohne Übergriffe. Ein leiser Film, der unter die Haut geht und gleichzeitig eine ungeheure Spannung aufbaut.

Deutschland 2025, Regie: Christina Tournatzes, Darsteller: Elise Krieps, Rainer Bock, Katharina Schüttler, Torben Liebrecht, ohne Altersangabe, 104 min

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