14.2. | Der Killer

18.00/20.30

Der Mann arbeitet mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Jeder Handgriff sitzt. Regungslos verharrt der Profi mit dem Scharfschützengewehr in einem leeren Pariser Bürogebäude und wartet auf den perfekten Augenblick, um seine Zielperson im Haus gegenüber auszuschalten. Wer, wieso, warum? Das sei ihm „scheißegal“, wie er im inneren Monolog erklärt, der als Erzählstimme über dem Film liegt. Doch der Schuss, den er schließlich abgibt, wird ihm zum Verhängnis, denn er verfehlt sein Ziel um einen Wimpernschlag und wird zum Startschuss für einen packenden Rachefeldzug. Der führt von Paris in die Dominikanische Republik, nach New Orleans, Florida, New York und Chicago. Inhaltlich kommt der Thriller des Regisseurs David Fincher recht gradlinig und schlicht daher. Basierend auf einem gleichnamigen französischen Comic, gibt es keine überraschenden Drehungen und Wendungen. Halte dich an deinen Plan, improvisiere nicht, verschenke keinen Vorteil, lauten die Mantra-Sätze des Killers, die auch die Filmemacher konsequent umsetzen. Dieses Roadmovie ist ganz und gar zugeschnitten auf seinen Hauptdarsteller Michael Fassbender. Der gibt den Auftragsmörder mit einer geradezu beängstigenden Gelassenheit und Kälte, kontrolliert, wortkarg und bis in die Haarspitzen fokussiert.

USA 2023, Regie: David Fincher, Darsteller: Michael Fassbender, Tilda Swinton, Charles Parnell, ab 16, 119 min

7.2. | Jeanne du Barry – Die Favoritin des Königs

18.00/2030

Die mittellose junge Jeanne Vaubernier (Maiwenn) hat es gelernt, ihren Körper als Währung einzusetzen. Die ehrgeizige Dame setzt alles daran, um am französischen Königshof des 18. Jahrhunderts erfolgreich zu sein. Aus strategischen Gründen heiratet sie den Grafen du Barry (Melvil Poupaud) und darf sich fortan Jeanne du Barry nennen. Ihr Ziel ist es, ganz nach oben zu kommen, nämlich König Ludwig XV (Johnny Depp) zu betören. Als Pseudo-Adelige kann sie dem Monarchen vorgestellt werden und diese Begegnung wird zu einem vollen Erfolg. Jeannes unverstellte und respektlose Art gefällt dem König; zudem verbindet die beiden eine kindlich-anarchische Freude an der Provokation. Bei Hofe gefällt das nicht jedem, zunehmend echauffieren sich die „echten“ Blaublütigen über die Beziehung. Die Regisseurin und Hauptdarstellerin Maiwenn präsentiert eine Mischung aus Drama und Komödie, wenn sie die Protagonistin als oberflächliches, aber gleichzeitig energiegeladenes Opfer zeigt. Jeanne ist ein Opfer, das zu nutzen weiß, was es hat – Aussehen, Charme und nichts zu verlieren. Ein Historien-Biopic über die legendär gewordene Mätresse König Ludwigs XV und ein moderner Blick auf eine Frau des 18. Jahrhunderts, die Karriere machen wollte.

Frankreich 2023, Regie: Maiwenn, Darsteller: Maiwenn, Johnny Depp, Melvil Poupaud, ohne Altersangabe, 113 min

31.1. | Anselm – Das Rauschen der Zeit

18.00/20.30

Wim Wenders und Anselm Kiefer sind nicht nur nahezu gleich alt (beide Ende 70), sie sind auch Seelenverwandte in ihrem jeweiligen Metier, dem Film und der bildenden Kunst. Und nun legt der Filmemacher eine Dokumentation über den Künstler vor. Er enthüllt Kiefers Lebensweg, seine künstlerischen Anfänge im Odenwald, die ersten großformatigen Bilder von Natur und Landschaft. Dann sehen wir Fahrten zu Josef Beuys nach Düsseldorf, mit eingerollten Arbeiten auf dem Dach seines VW-Käfers; schließlich der Aufbruch nach Südfrankreich und später Paris. Dabei lässt Kiefer die unheilvolle deutsche Geschichte niemals los. Wenders zeigt, wie der Künstler ringt mit dem Tausendjährigen Reich und seinen Folgen, den Trümmerlandschaften und der verbrannten Erde, der Blutspur der Geschichte. Und so arbeitet er mit Materialien wie Asche und Stroh, malträtiert seine Leinwände mit Flammenwerfern und gießt Blei über sie. Dabei gelingt es Wenders, die Grenzen zwischen Film und Malerei immer wieder zu verwischen und gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verweben. Dokumentarisches Material steht neben Spielszenen, in denen Wenders Großneffe Anton Wenders und Kiefers Sohn Daniel den Künstler als Kind bzw. als jungen Mann verkörpern. Am schönsten aber imaginiert der Filmemacher Kiefers künstlerische Essenz, wenn er ihn hoch auf einem Drahtseil über Trümmerlandschaften balancieren lässt. Ein großer Film über einen großen zeitgenössischen Künstler.

Deutschland 2023, Regie: Wim Wenders, Dokumentarfilm, ab 12, 93 min

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