11.2. | Ein einfacher Unfall

18.00/20.30

Der Iraner Eqbal (Ebrahim Azizi) ist nachts mit seiner Frau und seiner Tochter mit dem Auto unterwegs. Nach dem Zusammenprall mit einem Hund muss er eine nahe gelegene Werkstatt aufsuchen. Der Mechaniker Vahid (Vahid Mobasseri) glaubt in ihm den Mann wiederzuerkennen, der ihn einst im Gefängnis gefoltert hat. Von Rachegefühlen getrieben entführt er seinen vermeintlichen Peiniger. Als der seine Unschuld beteuert, kontaktiert Vahid mehrere andere Opfer Eqbals, die ihm helfen sollen, seinen Verdacht zu bestätigen. Der Regisseur Jafar Panahi, selbst seit vielen Jahren durch das iranische Regime verfolgt, verarbeitet in seinem Film eigene Erlebnisse zu einer Parabel über oppositionelle Strömungen und ihren Umgang mit dem Terror der Staatsgewalt. Es geht um Schuld und Sühne und die Frage, ob man aus Rache töten oder doch Gnade walten lassen sollte. Panahi zeichnet zudem ein komplexes Bild der iranischen Gesellschaft. Er zeigt Frauen, die ohne Kopftuch durch die Straßen laufen und es dann doch schnell zur Hand haben, wenn Obrigkeiten im Anmarsch sind. Wenn sich dann die gleichen Obrigkeiten durch ein angemessenes Bakschisch besänftigen lassen und bei fehlendem Bargeld auch gerne mit Kartenzahlung einverstanden sind, wird der spannungsreiche Thriller zum absurden Theater. Mit dieser filmischen Abrechnung mit dem Mullah-Regime gewann Panahi im letzten Frühjahr die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes und ist außerdem Frankreichs Kandidat für die anstehende Oscar-Verleihung.

Iran/Frankreich 2025, Regie: Jafar Panahi, Darsteller: Vahid Mobasseri, Ebrahim Azizi, Mariam Afshari, ab 16, 105 min

18.2. | Sentimental Value

18.00/20.30

Der Drachenstil setzte sich in Norwegens Architektur am Ende des 19. Jahrhunderts durch. Seinen Namen verdankt er den auskragenden Dachgiebeln der mehrstöckigen Holzhäuser. Die Villa, in der die Familie Borg seit Generationen lebt, ist ein Juwel dieses Baustils.Für „Sentimental Value“ ist dieser Schauplatz so unverzichtbar, dass er eine eigene Erzählstimme erhält, die aus dem Off berichtet, wie die Räume mit ihren Bewohnern leben. Die Villa wird zu einem emotionalen Minenfeld, als Gustav Borg (Stellan Skarsgard) nach der Beerdigung seiner Frau plötzlich in das Leben seiner Töchter zurückkehrt. Nora (Renate Reinsve) hat ihm nie verziehen, dass er die Familie verließ, ihre jüngere Schwester Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) ist milder gestimmt. Der Vater war einmal ein berühmter Regisseur und hat ein Drehbuch über den Selbstmord seiner Mutter mitgebracht, das er am Realschauplatz verfilmen will. Nora, eine gefeierte Bühnenschauspielerin, soll die Hauptrolle spielen. Brüsk weist sie sein Angebot zurück, das insgeheim ein väterliches Liebeswerben ist. Gustav macht sich notgedrungen auf die Suche nach einer neuen Hauptdarstellerin, gibt die Hoffnung auf Noras Teilnahme aber nicht auf. Ein Drama über konfliktbeladene Familienverhältnisse verbunden mit der Zuversicht, dass die Dinge sich schließlich doch so entwickeln, wie man es sich vorgestellt hat.

Norwegen/Dänemark/Schweden 2025, Regie und Drehbuch: Joachim Trier und Eskil Vogt, Darsteller: Stellan Skarsgard, Renate Reinsve, Inga Ibsdotter Lilleaas, ab 12, 133 min

28.1. | Therapie für Wikinger

18.00/20.30

Manfred (Mads Mikkelsen), befindet sich im mittleren Alter. Er hat eine seltsame Frisur und trägt eine seltsame Brille. Auch im Kopf ist er nicht gerade der Schnellste. Als sein Bruder Anker (Nikolaj Lie Kaas) nach 15 Jahren Gefängnis nach Hause kommt, erfährt er, dass Manfred nun nicht mehr „Manfred“ gerufen werden möchte, sondern nur noch auf „John“ hört. Er hält sich nämlich für John Lennon. Und wann immer jemand den falschen Namen sagt, flippt er aus. Notgedrungen stellt sich Anker auf die neue Marotte seines Bruders ein, denn er braucht ihn: Anker hat seinerzeit mit Flemming (Nicolas Bro) eine Bank ausgeraubt und vor der Verhaftung seinen Anteil an Manfred übergeben, der das Geld vergraben sollte. Aber da Manfred nun John ist, kann er sich nicht mehr an das Versteck erinnern. Beide Brüder suchen ihr früheres Zuhause auf, das jedoch von den neuen Besitzern als Ferienwohnung angeboten wird. Zu allem Unglück folgt ihnen auch noch Manfreds Psychiater (Lars Brygmann), der sich von „John“ inspiriert fühlt, die Beatles wieder aufleben zu lassen. In Hamdan (Kardo Razzazi) hat er auch schon jemanden gefunden, der sich zugleich für Paul und Ringo (oder war es George?) hält. Der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen präsentiert einen Film vollgestopft mit skurrilen Szenen und makabrem, auch gewalttätigem Humor. Da bleibt dem Zuschauer manchmal das Lachen im Halse stecken. Vor allem aber erreicht es Jensen, dass exzentrisch-neurotisches Verhalten im Verlauf des Films für das Publikum zur Normalität wird. Ein satirisches Chaos aus Geschwisterdrama, Schatzsuche und Horrorfilm – mit eingebauten Widerhaken.

Dänemark/Schweden 2025, Regie: Anders Thomas Jensen, Darsteller: Mads Mikkelsen, Nicolas Bro, Nikolaj Lie Kaas, Lars Brygmann, Kardo Razzazi, ab 16, 116 min

9.7. | Islands

18.00/20.30

Tom (Sam Riley) arbeitet als Tennistrainer in einer Hotelanlage auf Fuerteventura. Früher war er ein vielversprechender Profi, heute übt er mit Urlaubern Aufschläge. Die Nächte verbringt er mit jeder Menge Alkohol in den Touristendiscos. Sam Riley gibt diesen gelangweilten Tagedieb mit aufgerauhter Stimme, wuschigem Haar und Dreitagebart. Man könnte ihn für einen Lebenskünstler halten, der dort arbeitet, wo andere Urlaub machen.Tatsächlich aber ist er ein Gestrandeter, der bestens passt in diesen Hotelkomplex aus Beton mit funktionalem Tennisplatz, spärlich besetzter Rezeption und düsteren Zimmern. Mit dem britischen Touristenehepaar Anne (Stacy Martin) und Dave (Jack Farthing) samt siebenjährigem Sohn kehrt die Dynamik zurück in Toms monotonen Alltag.Nach einer volltrunkenen Nacht verschwindet Dave spurlos und Tom hilft der scheinbar ratlosen Anne bei der Suche. Der Regisseur Jan-Ole Gerster verbindet sein Urlaubs-Familiendrama unter gleißender Sonne geschickt mit klassischen Film-Noir-Motiven. Da sind eine blonde femme fatale und ein traurig-fieser Ehemann, ein kühler Kommissar und der versoffene Gelegenheitsdetektiv Tom, der zwischen sämtliche Fronten gerät – halb Hitchcock-Held, halb Raymond Chandler-Schnüffler.

Deutschland 2025, Regie: Jan-Ole Gerster, Darsteller: Sam Riley, Stacy Martin, Jack Farthing, Dylan Torrell, ab 6, 123 min

16.7. | Der phönizische Meisterstreich

18.00/20.30 (20.30: englischsprachige Originalfassung mit deutschen Untertiteln)

Der zwielichtige Unternehmer Zsa-Zsa Korda (Benicio del Toro) hat es zu großem Vermögen gebracht, sich dabei aber auch so einige Feinde gemacht. Um sein Lebenswerk zu vollenden, plant er die Errichtung von „Korda-Land“, einem riesigen Infrastrukturprojekt im Nahen Osten. Es gilt, Investoren zu gewinnen und zugleich die Attacken von Terroristen und feindlichen Regierungen abzuwehren. Dabei helfen sollen ihm seine Tochter Liesel (Mia Threapleton), die er zu seiner Alleinerbin auserkoren hat sowie sein Assistent Björn (Michael Cera). Der neue Film des Regisseurs Wes Anderson stellt als Grundmotiv die Frage nach moralischem Handeln im kapitalistischen Geschäftsgebaren. Man kann aber auch einfach seinen Spaß haben an den skurrilen Charakteren , den zahlreichen ulkigen Szenen und Running Gags sowie dem wieder bis in die Nebenrollen starbesetzten Ensemble. In das absurde Geschehen mischt sich allerdings auch ein bissiger, makabrer Humor und eine für Anderson ungewohnte stilisierte Brutalität, der gerade die Hauptperson ein ums andere Mal zum Opfer fällt. Ein typischer Wes Anderson in Pastellfarben, mit Retro-Charme und Szenen, die wie bewegliche Gemälde oder Fotoabzüge wirken – ein visuelles Kunstwerk und kurzweiliges Vergnügen.

USA 2025, Regie: Wes Anderson, Darsteller: Benicio Del Toro, Mia Threapleton, Michael Cera, ab 12, 101 min

Die 20.30-Vorstellung wird in der englischsprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt.

23.7. | Ernest Cole : Lost and Found

18.00/20.30

Fotos aus dem Alltag des südafrikanischen Apartheidsregimes: „Non Whites Only“ steht über dem Bahnsteig, auf dem sich Massen schwarzer Menschen drängeln. „Whites Only“ heißt es über der gegenüberliegenden Treppe, auf der sich wenige Weiße auf den Bahnsteig begeben. Ende der 1950er Jahre beginnt Ernest Cole, den „Horror of Apartheid“, wie er in einem frühen Interview sagt, in Schwarz-Weiß-Fotos festzuhalten, mit versteckter Kamera und oft unter Lebensgefahr. Im Mai 1966 flüchtet Cole mit seinen Negativen in die USA. Dort wird er mit seinem Bildband „House of Bondage“ über Nacht bekannt. Der plötzliche Ruhm aber wird dem Fotografen zum Ballast, ja zum Verhängnis und führt ihn schließlich in die Obdachlosigkeit am Bahnhof an der 34. Straße in New York. Der haitianische Regisseur Raoul Peck setzt mit seinem Dokumentarfilm dem zu Unrecht Vergessenen nun ein Denkmal. Er legt einen gesprochenen Text aus Coles Ich-Perspektive über die Bilder. In der zweiten Hälfte weitet Peck den Blickwinkel auf die späten 1960-er Jahre mit Bildern der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und Protesten gegen den Vietnamkrieg. Die Befreiung Südafrikas hat Ernest Cole nicht mehr erlebt. Er starb im Februar 1990, wenige Wochen vor der Entlassung Nelson Mandelas aus jahrzehntelanger Haft, im Alter von 49 Jahren in New York.

Frankreich/USA 2024, Regie: Raoul Peck, Dokumentarfilm, ab 12, 106 min

04.06. | I like Movies

18.00/20.30 (20.30 Uhr im englischsprachigen Original mit deutschen Untertiteln)

Lawrence (Isaiah Lehtinen) ist ein großer Filmregisseur. Allerdings blieb er bislang unentdeckt; schließlich ist er erst 17 und geht noch auf die High School. Jeden Samstag dreht er mit seinem besten Freund Matt (Percy Hines White) kleine lustige Filme mit Stopp-Trick und Slow Motion. Mit dem Highschool-Abschlussvideo allerdings tut er sich unerwartet schwer. Diesen Abschluss braucht er aber unbedingt, um an der Tisch School of the Arts in New York Film studieren zu können. Um Geld zu verdienen, sich aber nicht zu weit von seiner Filmleidenschaft zu entfernen, arbeitet er in einer Videothek.. Seine Chefin bewundert er, ist sogar heimlich in sie verliebt, und enttäuscht sie doch immer wieder. Schließlich steht er ganz alleine da und muss schmerzlich erkennen, dass das Leben eben kein Film ist und fast immer anders verläuft, als man es sich vorstellt. Die kanadische Regisseurin Chandler Levack präsentiert in ihrem Debütfilm das tragikomische Porträt eines typischen Highschool-Film-Nerds, der von der großen Karriere träumt – und gleichzeitig eine Coming-of-Age-Geschichte eines selbsternannten Außenseiters, der lernen muss, dass man allein nicht wirklich weiterkommt.

Kanada 2022, Regie: Chandler Levack, Darsteller: Isaiah Lehtinen, Percy Hynes White, Anand Rajaram, ab 12, 99 min

Die 20.30-Vorstellung wird im englischsprachigen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt.

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