8.7. | BORN TO BE WILD – Eine Band namens STEPPENWOLF

Sondervorstellung – mit Gästen
Montag, 8. Juli um 18 Uhr
CineMotion Bremerhaven

Von Ostpreußen an die West Coast – Von Hermann Hesse zu Harley-Davidson 
Mit John Kay – der „erfolgreichste deutsche Rocksänger aller Zeiten“ (Die Zeit)

Steppenwolf ist eine der legendärsten und zugleich rätselhaftesten Bands in der Geschichte der Rockmusik. An der Grenze zwischen Mainstream und psychedelischem Underground eröffnete ihr Song „Born to Be Wild“ den Kultfilm EASY RIDER und wurde zur Hymne einer ganzen Generation. Der neue, harte Sound von Steppenwolf war ein Stich in das Herz des „Summer of Love“ und beendete das Hippie-Zeitalter. Es ist kein Zufall, dass sie die allererste Band war, die das Wort „Heavy Metal“ in ihren Texten verwendete. 

Was aber nur wenige Menschen wissen: Die Band Steppenwolf hatte als Gravitationszentrum zwei deutsche Auswandererkinder, die sich zunächst in Toronto trafen, bevor sie gemeinsam nach Kalifornien weiterzogen – Sänger John Kay (geboren als Joachim-Fritz Krauledat) war ein Kriegsflüchtling aus Ostpreußen. Bassist Nick St. Nicholas (geboren als Karl Klaus Kassbaum) stammte aus einer angesehenen hanseatischen Familie.

BORN TO BE WILD – EINE BAND NAMENS STEPPENWOLF führt uns vom kriegsgebeutelten Deutschland zu den Straßen der Arbeiterklasse in Toronto und nach Los Angeles, wo die Band zu Ruhm aufsteigt und dann abstürzt. Mit den Steppenwolf-Mitgliedern John Kay, Nick St. Nicholas, Michael Monarch, den Künstlern Mars Bonfire, Alice Cooper, Taj Mahal, Cameron Crowe (ALMOST FAMOUS), Klaus Meine (Scorpions), Jello Biafra (Dead Kennedys), Dale Crover (Melvins) und Bob Ezrin (Produzent von u. a. Kiss, Pink Floyd, Taylor Swift). Musikalisch hat der Film auch einiges zu bieten, so enthält er über ein Dutzend Original-Steppenwolf-Songs.

Eine Rockumentary made in Germany – Ein Film von Oliver Schwehm (D/CA 2024, ca. 100 Min., OmU & dt. Voiceover 

Gäste:

Regisseur Oliver Schwehm und Nick St Nicholas, Bassist Steppenwolf und -bis heute- Bassist der Supergroup World Classic Rockers.

10.7. | Sterben

17.15/20.00

In 180 Minuten und sechs Kapiteln taucht dieser Film ein in die dramatischen Beziehungen innerhalb der Familie Lunies. Lissy Lunies (Corinna Harfouch) ist von schwerer Krankheit gezeichnet, allein ihr Verstand ist ebenso klar wie kalt. Ihr dementer Mann Gerd siecht in einem Pflegeheim dahin. Sohn Tom (Lars Eidinger) lebt als recht erfolgreicher Dirigent in Berlin. Mit seiner Ex-Freundin Liv (Anna Bederke) zieht er das Kind eines anderen groß, weil Liv den Erzeuger nicht leiden kann. Daneben arbeitet er gemeinsam mit seinem gemütskranken, aber genialen Freund Bernard (Robert Gwisdek) an einem neuen Werk namens „Sterben“. Toms Schwester Ellen (Lilith Stangenberg) hangelt sich entschieden selbstzerstörerisch von Vollrausch zu Vollrausch nach dem Motto „morgens Scheiße, abends wieder gut“ und beginnt eine Affäre mit dem verheirateten und ebenfalls dem Alkohol zugetanen Zahnarzt Sebastian (Roland Zehrfeld). „Nicht alle Menschen haben das Talent zum Glücklichsein“ bemerkt Tom einmal und dieser Satz kann durchaus als Motto des gesamten Films durchgehen. Dennoch durchzieht „Sterben“ ein herrlich makabrer, bisweilen bitterböser bis brachialer Humor. Der Regisseur Matthias Glasner präsentiert ein furioses Familiendrama, das viel erzählt über den Tod und alles das, was bis dahin passieren kann. Es nennt sich Leben.

Deutschland 2024, Regie: Matthias Glasner, Darsteller: Lars Eidinger, Corinna Harfouch, Lilith Stangenberg, ab 16, 180 min

Aufgrund der Überlänge des Films bitte die geänderten Anfangszeiten beachten !

17.7. | May December

18.00/20.30

Savannah im US-Bundesstaat Georgia in den 1980er Jahren. Die 34-jährige Gracie Asherton-Yoo (Julianne Moore) beginnt eine Affäre mit dem 13-jährigen Joe – ein handfester Skandal. Mehr als 20 Jahre später führen Joe (Charles Melton) und Gracie ein scheinbar perfektes Vorstadtleben mit drei fast erwachsenen Kindern. Nun jedoch erscheint der TV-Star Elizabeth Berry (Natalie Portman) auf der Bildfläche, um vor Ort für einen Film über Gracies Leben zu recherchieren. Sie ist gekommen, um Gracie zu erleben und zu verstehen, damit sie als ihr Fernseh-Alter-Ego eine komplexe Geschichte von Missbrauch, Trauma – und Liebe – erzählen kann. Gracie hat die Vergangenheit in einem scheinbar sicheren Raum ihres Bewusstseins abgespeichert, in dem der Missbrauch keine große Sache darstellt: „Ich wurde bei einer Affäre erwischt.“ Die Vergangenheit und damit die eigene Schuld bleiben bei ihr dennoch lebendig und die mit dem Instinkt einer Jägerin ausgestattete Elizabeth provoziert mit ihrem investigativen Interesse heftige Reaktionen. Gracie verliert die Fassung: „This isn’t a story. This is my fucking life.“ Regisseur Todd Haynes erzählt, inspiriert von einem wahren Fall, vom langen Nachhall eines Missbrauchs, dessen schmerzliche Fakten schließlich ans Licht kommen.

USA 2023, Regie: Todd Haynes, Darsteller: Julianne Moore, Natalie Portman, Charles Melton, ab 12, 117 min

Die 20.30-Uhr-Vorstellung wird in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt

24.7. | Ich Capitano

18.00/20.30

Ein Vorort von Dakar, Senegal. Hier lebt Seydou (Seydou Sarr) mit seiner Familie in einer Hütte auf engstem Raum. Sein Cousin Moussa (Moustapha Fall) und er schuften hart, haben heimlich Geld zusammengespart. Die beiden Jungs träumen von einem Leben in Europa, wo sie als Hip-Hop-Stars groß rauskommen wollen. Nachdem sie einen beträchtlichen Teil ihres Ersparten an Mittelsmänner bezahlt haben, sitzen sie bald in einem Bus Richtung Niger. Dann brettern sie eng zusammengepfercht auf der Ladefläche eines Lastwagens durch die Sahara. Noch später müssen sie zu Fuß die Wüste durchqueren; da bleiben die ersten Opfer am Wegesrand zurück. Der italienische Regisseur Matteo Garrone interessiert sich in „Ich Capitano“ für Fluchterfahrungen abseits der bekannten Nachrichtenbilder von überfüllten Schlepperbooten im Mittelmeer. Beruhend auf den realen Erlebnissen von Geflüchteten erzählt der Film konsequent aus der Sicht der afrikanischen Menschen. Zumindest Garrones Protagonisten flüchten nicht vor Krieg und Klimakatastrophen; es sind Jugendliche, die mit sozialen Medien aufgewachsen sind und in ihrem Streben nach Wohlstand hoffnungsvoll und naiv in ein Abenteuer aufbrechen, das lebensgefährlich wird. Das inszeniert Garrone wie eine Odyssee, von der Leichtigkeit und Farbenpracht des senegalesischen Dorflebens bis zu den Schrecken im Lager in Libyen und dem unüberwindlich scheinenden Mittelmeer.

Italien 2023, Regie: Matteo Garrone, Darsteller: Seydou Sarr, Moustapha Fall, Issaka Sawadogo, ab 16, 121 min

26.6. | Die Unschuld

18.00/20.30

Der alleinerziehenden Mutter Saori (Sakura Ando) fällt auf, dass sich ihr Sohn Minato (Soya Kurokawa) seit einigen Tagen merkwürdig verhält. Ihm fehlt ein Schuh, als er aus der Schule heimkehrt, seine Nase blutet, ein Haarbüschel ist abgeschnitten und in seiner Thermoskanne findet sie Erde. Als die Mutter ihn zur Rede stellt, erzählt er, sein Lehrer Hori habe ihn beleidigt und er deutet an, misshandelt worden zu sein. Das sind lauter Indizien, noch keine Beweise, aber die Mutter ist in größter Sorge. Von der Schulleitung verlangt sie die Aufklärung der Vorfälle und auch die Entlassung des Lehrers. Das Kollegium wiegelt zunächst ab, nötigt Hori dann aber zu einer rituellen Entschuldigung, die jedoch keinen zufrieden stellt. Es muss mehr dahinterstecken. „Die Unschuld“ des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda folgt dem Prinzip von Akira Kurosawas „Rashomon“ und schildert das gleiche Ereignis sukzessive aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Nach einer Dreiviertelstunde kehrt der Film also zum Ausgangspunkt zurück und wählt nach der Perspektive der Mutter die des Lehrers, der vermutet, dass Minato seinen Schulkameraden Yori drangsaliert, um schließlich im dritten Teil Minatos Sicht zu zeigen. Die Versionen widersprechen sich, aber ergänzen einander auch. Die dritte fungiert als eine Korrektur, die Leerstellen füllt und Missverständnisse aufklärt. Ein Film, der einen neuen Blick wirft auf die Themen, die den Regisseur Kore-eda seit jeher beschäftigen, die Geheimnisse des Heranwachsens und die Familie als Spiegel der Gesellschaft.

Japan 2023, Regie: Hirokazu Kore-eda, Darsteller: Sakura Ando, Soya Kurokawa, Eita Nagayama, ab 12, 126 min

19.6. | Morgen ist auch noch ein Tag

*** 20.30 ***

Im Rahmen des normalen Programms

Delia (Paola Cortellesi) fürchtet den Jähzorn ihres Mannes Ivano (Valero Mastandrea). Beim Aufstehen bereits verpasst er ihr eine Ohrfeige und lässt keinen Zweifel aufkommen an den Machtverhältnissen, die in der Familie herrschen. Seine Frau hat sich um den Haushalt zu kümmern, um die Söhne, die ganz nach dem Vater kommen, die ältere Schwester sowie den bettlägerigen Schwiegervater. Der Herr des Hauses ist ein jämmerliches Scheusal, das sich der eigenen Männlichkeit nur mit Rohheit versichern kann. Dass man Frauen nicht respektieren muss, haben ihn die noch unangefochtene patriarchale Gesellschaft und das Vorbild des Vaters gelehrt. Das Regiedebüt der in Italien populären Komikerin und Moderatorin Paola Cortellesi, die auch die weibliche Hauptrolle spielt, ist ein Film in der Tradition des italienischen Neorealismus. Die Unterdrückung der Frauen zieht sich durch sämtliche Gesellschaftsschichten und dennoch gibt es Hoffnung. Delias beste Freundin ist eine Marktfrau, die ihren Gatten patent in die Schranken weist und die Besitzerin des Modegeschäfts, für die Delia Schneiderarbeiten erledigt, ist stolz auf ihre Unabhängigkeit. Ein Film über häusliche Gewalt der Nachkriegszeit, der in Italien Kassenrekorde gebrochen hat – ein flammendes Plädoyer für weibliche Solidarität und Selbstbestimmung.

Italien 2023, Regie: Paola Cortellesi, Darsteller: Paola Cortellesi, Valerio Mastandrea, Emanuela Fanelli, ab 12, 118 min

19.6. | Das Cabinet des Dr. Caligari

*** 18.00 ***

Im Rahmen des Kultursommers Bremerhaven

In einer Rückblende erzählt ein Insasse eines Irrenhauses die Geschichte des dämonischen Dr. Caligari (Werner Krauss), der durch seine Hypnosekünste Menschen in Trance versetzen und nach seinem Willen lenken kann. Sein Medium Cesare (Conrad Veidt) wird in seinen Händen zur willenlose Marionette, die sogar Morde begeht. „Caligari“ ist der wohl berühmteste deutsche Stummfilm; er gilt als Meisterstück des expressionistischen Films. Windschiefe Häuser und Gassen in verzerrten Perspektiven und verschachtelten Ebenen prägen das Bild und heben gleichsam die normalen Raumvorstellungen auf.

Deutschland 1920, Regie: Robert Wiene, Darsteller: Werner Krauss, Conrad Veidt, Lil Dagover, 60 min

Der Film wird live begleitet von Guido Solarek am Klavier

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