12.2. | Emilia Perez

18.00/20.30

Rita Moro Castro (Zoe Saldana) ist als Anwältin ein Ass. Das fällt auch dem mexikanischen Drogenboss Manitas del Monte auf. Er macht ihr ein irrwitzig erscheinendes Angebot: Er plane nicht nur seinen Ausstieg aus dem Verbrechermilieu, sondern auch aus der Männerwelt. Tief im Innersten sei er schon immer eine Frau gewesen und nun sei er im Prozess der Geschlechtsangleichung zu seinem wahren Ich. Aus Manitas soll Emilia werden. Damit alles gelingt, soll Rita seine Ermordung vortäuschen, die Operation organisieren und seine Familie in der Schweiz in luxuriöse Sicherheit bringen. Die Offerte ist genauso ruppig wie lukrativ, Rita sagt zu. Was irre klingt, funktioniert in dem ersten spanischsprachigen Film des französischen Regisseurs Jacques Audiard überraschend gut. Audiard erzählt vom Drogenbandenkrieg in Mexiko in Form einer mitreißenden Mischung aus Sozialdrama, Musical und Telenovela. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwieweit sich Menschen wirklich verändern können und Wiedergutmachung möglich ist. Lassen sich mit dem alten Leben auch schlechte Wesenszüge einfach so abstreifen? Gelingt mit der Transformation von Manitas zu Emilia auch gleichzeitig die Wandlung vom skrupellosen Verbrecher zur menschenfreundlichen Frau, die sich für Opfer der Kartellkriminalität einsetzt? Die spanische Trans-Schauspielerin Karla Sofia Gascon verkörpert die beiden Hauptfiguren Emilia und Manitas. In Cannes mehrfach ausgezeichnet, geht „Emilia Perez“ nun auch für Frankreich ins Oscar-Rennen. Audiards wilder Ritt und vor allem Gascons beeindruckender Doppelauftritt sind unbedingt preiswürdig..

Frankreich 2024, Regie: Jacques Audiard, Darsteller: Karla Sofia Gascon, Zoe Saldana, Selena Gomez, ab 12, 130 min

19.2. | Queer

18.00/20.30

William Lee (Daniel Craig) ist ein Suchtmensch, in jeder Beziehung. Der schwule Junkie hat sich im Jahre 1950 nach Mexiko-City abgesetzt, wo der Stoff freier verfügbar ist als in seiner US-amerikanischen Heimat. Doch die jungen Kerle, auf die der in die Jahre gekommene, verschwitzt-verlotterte Lee so steht, reagieren selten positiv auf seine Annäherungsversuche. Er bleibt einsam, bis er auf den jungen Ex-Soldaten Eugene Allerston (Drew Starkey) trifft. Lee ist sofort wie angefixt. Er umgarnt den hübschen Kerl, buhlt mit ungeschicktem Charme um seine Aufmerksamkeit. Eugene ist sich seiner Anziehungskraft bewusst, zieht den Älteren an und stößt ihn wieder weg. Lee zerreißt es das Herz. Der italienische Regisseur Luca Guadagnino hat sich in „Queer“ des gleichnamigen Romans des US-Schriftstellers William S. Burroughs angenommen. Anfang der 1950er Jahre entstanden, aber erst 1985 erschienen, erzählt Burroughs darin autofiktional von seiner Zeit in Mexiko-City. Gedreht in den kulissenhaften Straßenzügen der Cinecitta-Studios in Rom, präsentiert Guadagnino die Subkultur dieser Zeit mit ihren eigenen Codes und Regeln. „Queer“ lebt nicht zuletzt von der Schauspielkunst der beiden Hauptdarsteller. Daniel Craig tritt damit aus dem langen James-Bond-Schatten heraus. Der 56-jährige Brite verkörpert Lee mit einer männlichen Verletzlichkeit, die der Figur eine Vielschichtigkeit verleiht, die weit über die Buchvorlage hinausgeht. Komisch und tieftraurig zugleich, zeichnet er das Portrait eines Mannes voller Unsicherheit und Sehnsucht, der nichts mehr will, als geliebt und begehrt zu werden..

Italien/USA 2024, Regie: Luca Guadagnino, Darsteller: Daniel Craig, Drew Starkey, Jason Schwartzman, ab 16, 135 min

24.02. | Wochenendrebellen

18.00

Deutschland 2023, 109 Min.
Regie: Marc Rothemund 

Darsteller:innen: Florian David Fitz, Cecilio Andresen, Aylin Tezel, Joachim Król u. a.

Ein zehnjähriger Autist und sein Vater fahren Wochenende für Wochenende mit dem Zug durch Deutschland, um alle Fußballvereine aus der ersten, zweiten und dritten Liga live spielen zu sehen. Die öffentlichen Verkehrsmittel und Fußballstadien sind durch die vielen Reize und Menschen echte Herausforderungen für den Jungen, was der Film visuell und auditiv überzeugend vermittelt.

Das feinfühlige Drehbuch, eine geschickte Regie und überzeugende Darsteller tragen zu einem anrührend-fesselnden Film bei, der auf einem authentischen Erlebnisbericht fußt und das Thema Autismus auf unterhaltsam-lebendige Weise nahebringt.

Ein bewegendes Beziehungsdrama zwischen Vater und Sohn: Wahr und wahrhaftig zugleich.

Mit Gästen

26.2. | Die Saat des heiligen Feigenbaums

18.00/20.30

Der strenggläubige Iman ist zum Untersuchungsrichter am Revolutions-gericht in Teheran ernannt worden; er empfindet die Beförderung wie ein Geschenk des Himmels. Wir schreiben das Jahr 2022, das Jahr der großen Proteste gegen das islamische Regime, die die Mullahs blutig niederschlagen. Iman ist nun Teil im Räderwerk des staatlichen Terrors. Auf Anordnung des Staatsanwalts unterschreibt er ein Todesurteil wegen angeblicher Gotteslästerung, ohne die Akte des Falles überhaupt gelesen zu haben. Gewissensqualen sind der Preis für das Geschenk des Himmels. Parallel bringt seine Arbeit das Gleichgewicht seiner Familie ins Wanken. Seine Töchter Rezvan und Sana stehen auf der Seite des Widerstands und seine Frau versucht, die Familie zusammenzuhalten. „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ erzählt eine iranische Geschichte, der Film besitzt jedoch einen universellen, grenzüberschreitenden Kern. Er illustriert, wie totalitäre Regime Individuen korrumpieren und Familien zerstören. Die Familie wird zum Spiegel des Systems, ihr Zerfall und die zunehmende Brutalität im Privaten bilden das Verhältnis zwischen Staat und Bevölkerung im Iran ab. Nach den nicht genehmigten Dreharbeiten im Iran verließ der Regisseur Mohammad Rasoulof das Land und ging nach Hamburg, drei seiner Darstellerinnen leben mittlerweile in Berlin. Der in Hamburg hergestellte Film geht als Deutschlands Beitrag ins diesjährige Oscar-Rennen. .

Iran 2024, Regie: Mohammad Rasoulof, Darsteller: Missagh Zareh, Soheila Golestani, Mahsa Rostami, Setareh Maleki, ab 6, 167 min

8.1. | Die Witwe Clicquot

18.00/20.30

Man muss kein Champagnertrinker sein, um mit dem Namen „Veuve Clicquot“ etwas anfangen zu können. Die Marke sticht im Weinregal jedes besseren Supermarkts unverkennbar hervor und gilt als Inbegriff eines Luxusprodukts, das zur Massenware geworden ist. Der Film setzt im Jahr 1805 ein, unmittelbar nach dem Tod von Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardins Ehemann Francois. Entgegen den Plänen ihres Schwiegervaters besteht die erst 27-jährige Witwe und alleinerziehende Mutter darauf, das Weingut Ihres Mannes weiterzuführen. Der Weinbau ist ihr eine Berufung und wie bereits ihr Mann (Tom Sturridge als manisch-depressiver Feingeist) verfolgt sie einen qualitativen Ansatz, der die Champagnerwelt revolutionieren wird. Der britische Regisseur Thomas Napper zeichnet ein vielschichtiges Stimmungsbild und das Charakterportrait einer emanzipierten Frau. Es ist die Geschichte einer weiblichen Selbstbehauptung in einem männlich dominierten Geschäftszweig. Haley Bennett spielt Clicquot-Ponsardin mit stiller Resolutheit als ebenso kluge wie kühne Persönlichkeit – eine Visionärin würde man heute sagen. „La Grande Dame“ heißen ihr zu Ehren die Jahrgangschampagner des Hauses Clicquot. Im Supermarkt bekommt man sie nicht.

USA 2023, Regie: Thomas Napper, Darsteller: Haley Bennett, Tom Sturridge, Natasha O’Keeffe, ab 12, 90 min

Passend zum Film und zum Beginn des neuen Jahres lädt das Koki nach der 18-Uhr-Vorstellung (und vor der 20.30-Vorstellung) zu einem Glas Sekt ein

15.1. | Riefenstahl

18.00/20.30

Ist die Auseinandersetzung mit der Person Leni Riefenstahl heute noch relevant? Wie eng Riefenstahl mit dem NS-Regime verstrickt war und dass sie sehr wohl über dessen Verbrechen Bescheid wusste, ist mittlerweile gut belegt. Die Dokumentation des Regisseurs Andreas Veiel geht jedoch darüber hinaus; sie ist auch eine Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie Leni Riefenstahl jahrzehntelang die Lüge aufrechterhielt, sie habe von den Verbrechen nichts gewusst und sei nur an künstlerischer Arbeit interessiert gewesen. Entstanden ist der Film durch die Initiative von Sandra Maischberger, die Leni Riefenstahl 2002 interviewt hatte. Der Umstand, aus ihr nicht wirklich etwas herausgelockt zu haben, veranlasste sie dazu, sich um Riefenstahls Nachlass zu bemühen, der 2016 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegangen war. Gemeinsam mit Andreas Veiel ist ein Dokumentarfilm entstanden, der komplett aus seinem Material heraus gedacht ist. „Riefenstahl“ kommt ohne kommentierende Interviews aus, nur gelegentlich gibt eine Offstimme knappe Hintergrundinformationen. Auch einen linearen Aufbau gibt es nicht, der Film springt hin und her zwischen unterschiedlichen Zeitabschnitten und verschiedenen Dokumenten, neben Filmausschnitten und alten Interviews werden auch Briefe, private Videoaufnahmen und Telefonate präsentiert, die Riefenstahl aufzeichnete. Wie ein Puzzle setzt der Film die Biographie von Riefenstahl zusammen. Ohne Anspruch auf endgültige Deutung spürt die Dokumentation dem Charakter ihrer Protagonistin und der Faszination für sie nach und unterstreicht noch einmal mit neuen Materialien, wie Leni Riefenstahl mit dem NS-Regime verbunden war.

Deutschland 2024, Regie: Andreas Veiel, Dokumentation, ab 12, 115 min

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